Pelletswerk

Neuer Absatzkanal für Baselbieter Holz

Nach dem Scheitern des Projekts für ein Pelletswerk in Zeglingen wollen sich die Baselbieter Forstbetriebe, zusammen mit 40 Bürgergemeinden aus den Kantonen Solothurn und Aargau, an einem Werk in Schöftland beteiligen.

Otto Graf

Die Baselbieter Forstbetriebe, insbesondere die Bürgergemeinden, strecken die Fühler ins Mittelland aus. Sie beteiligen sich, oder stehen kurz vor dem Entscheid, an der in Schöftland domizilierten Pelletwerk Mittelland AG. Das Aktienkapital (AK) der Firma von 2,5 Millionen Franken gehört zu je etwa einem Drittel der Polymill AG Schöftland, sowie rund 40 Gemeinden und Waldeigentümern in den Kantonen Solothurn und Aargau. Nun soll das AK mit Baselbieter Beteiligung um schätzungsweise 500 000 Franken auf drei Millionen Franken erhöht werden.

Die Bürgergemeinde Sissach hat vor wenigen Tagen einen Betrag von 200 000 Franken für die Erhöhung des AK locker gemacht. Als Gegenleistung werden die Aktionärinnen Schwachholz und Sortimente, die sich nicht kostendeckend absetzen lassen, an das Werk liefern. Zurzeit läuft in einer ehemaligen Futtermühle der Probebetrieb.

An einer Medienorientierung vor Ort erklärte Martin Wächter, Geschäftsführer der Pelletwerk Mitteland, die Philosophie der Firma: Das Produzieren eines CO2-neutralen Energieträgers aus Holz aus der Region für Heizzwecke. Der Begriff «Region», sagte Wächter, dürfe dabei durchaus etwas weiter gefasst werden, über die Jurakämme hinaus bis hinüber ins waldreiche Baselbiet. «Die Forstbetriebe sind nicht nur Kapitalgeber und Zulieferer, sie können auch mitbestimmen», hob der Geschäftsführer hervor. Kontrakte, erklärte er weiter, garantierten den Holzproduzenten Abnahmemengen und faire Preise.

Bald reguläre Produktion

In wenigen Wochen wird der Probebetrieb durch die reguläre Produktion von Norm-Pellets abgelöst. Zurzeit regeln die Monteure die Maschinen für die Nassholzaufbereitung ein. Damit die gewaltige Pelletspresse - das Kernstück der Anlage - funktioniert, muss das angelieferte Holz aus dem Forst oder das Restholz aus Sägereien in einem mehrstufigen Verfahren in einem Shredder und in einer Hammermühlen auf eine Spangrösse von etwa vier Millimetern verkleinert werden. Die Kosten der Anlage sind mit gut zwölf Millionen Franken veranschlagt.

Der Jahresausstoss liegt bei 24 000 Tonnen Pellets. Bereits geplant ist die Verdopplung der Produktion auf
48 000 Jahrestonnen. Die «graue» Energie liegt beim Pellet laut Holzenergie Schweiz bei 2,7 Prozent, beim Öl, das risikoreich über den halben Globus herangekarrt werden muss, hingegen bei 14 Prozent.

Daniel Stocker, Bürgerrat von Sissach und designiertes Mitglied des Verwaltungsrats der Pelletwerk Mittelland AG, zeigte auf, dass die Waldungen im Baselbiet eine zusätzliche Holznutzung problemlos verkraften können. Nach dem Holzkraftwerk in Basel generiere das Pelletswerk in Schöftland für die Bürgergemeinden eine weitere Einnahmequelle. Mit einer Beteiligung an einer grossen Anlage, so Stocker, falle das finanzielle Risiko wesentlich geringer aus als bei Bau eines eigenen Werkes. Er erinnerte daran, dass das in Zeglingen geplante Pelletswerk aus Kostengründen nicht realisiert werden konnte.

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