Nachhaltigkeit
Auch Kleinvieh macht Mist: Nicht nur Konzerne, auch KMU sollen ein Nachhaltigkeitsreporting bekommen

Kleineren und mittleren Unternehmen fehlt eine Möglichkeit, ihre Anstrengungen in Sachen Umwelt oder Soziales messen und vergleichen zu können. Die Universität Zürich hat nun für sie ein Tool entwickelt.

Roman Schenkel
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Wanderer vor dem Aletschgletscher im Wallis.

Wanderer vor dem Aletschgletscher im Wallis.

Anthony Anex / KEYSTONE

Geht es um Nachhaltigkeit, stehen in der Regel die Grossen im Fokus. Firmen, die viel Storm verbrauchen, Fabriken, die viel CO2 ausstossen oder Unternehmen, in deren Verwaltungsrat die Diversität zu kurz kommt. Regelmässig werden sie detailliert vermessen und in umfassenden Reportings mit anderen vergleichen. Wer schlecht abschneidet, wird heute von einem immer grösseren Anteil Investoren gemieden.

Die kleinen hingegen, die werden ausser Acht gelassen. Dabei sind 99 Prozent der Schweizer Firmen KMU. Firmen mit weniger als 250 Angestellten bilden das viel zitierte «Rückgrat» der Schweizer Wirtschaft. «Auch für sie ist Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung zentral», sagt Philipp Aerni. Er ist Direktor des Zentrums für Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit an der Universität Zürich. Bis heute fehle aber für kleinere Firmen ein verlässliches und bezahlbares Reportingsystem.

Finanzkonzerne sind mit an Bord

Diesen Mangel soll «esg2go» beheben. Das KMU-Rating wurde von der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit den Grossbanken UBS und Credit Suisse sowie dem Versicherungskonzern Zurich entwickelt. Am Donnerstag wurde es an einer Online-Medienkonferenz vorgestellt. Ganz nach dem Motto: Auch Kleinvieh macht Mist. Will man eine nachhaltige und grüne Schweizer Wirtschaft erreichen, dann müssen auch die KMU miteinbezogen werden.

«Die Ratingplattform soll es KMU erlauben, ihre Nachhaltigkeitsleistung mess- und vergleichbar zu machen», sagt Aerni. Unternehmen müssen die geforderten Daten selbstständig eingeben, danach wird ein automatisierter Nachhaltigkeitsbericht erstellt, der die Stärken und Schwächen der Firmen in verschiedenen Schlüsselbereichen aufzeigt. Geplant ist, dass danach professionelle Nachhaltigkeitsberaterinnen und -berater die Berichte mit den KMU besprechen.

Um Missbrauch zu verhindern, werden die selbstdeklarierten Daten stichprobenartig geprüft. Zudem können Unternehmen mit dem Hochladen von Dokumenten wie Stromrechnungen oder Auszügen aus dem Handelsregister ihre Angaben untermauern.

Vorteile für Firmen bei Ausschreibungen

Der Bericht soll den Unternehmen Vorteile bei Ausschreibungen oder beim Kundenfang bieten. «Viele Schweizer KMU sind sehr innovativ und aktiv im Nachhaltigkeitsbereich, oft wird es aber als Marketing abgetan», erklärt Aerni. Das Rating soll als eine Art Zertifikat gelten, dass ihre Bemühungen belegt. Laut Aerni werden derzeit Gesprächen mit dem Bund geführt, damit dass das Rating als nationaler Standard gelten könnte. «Das Rating esg2go ist zudem mit anderen internationalen Standards kompatibel», betont Aerni.

Noch befindet sich die Plattform in der Testphase. KMU haben bis zum 31. Januar 2022 die Möglichkeit, die Beta-Version kostenlos zu testen. Im März soll die «esg2go» dann offiziell starten.

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