Ausbau
Nach der Krise kommt das Wachstum: Weleda hat Grosses vor

Die Naturkosmetik- und Arzneimittelfirma will ein neues Produktionswerk erstellen und in Ländern wie den USA stark wachsen.

Andreas Möckli
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Zu den wichtigen Zielen von Weleda gehört, die Abhängigkeit von den beiden Heimmärkten Schweiz und Deutschland zu reduzieren.

Zu den wichtigen Zielen von Weleda gehört, die Abhängigkeit von den beiden Heimmärkten Schweiz und Deutschland zu reduzieren.

Keystone

Weleda steht vor einer Investition in dreistelliger Millionenhöhe. Geplant ist ein neues Produktionswerk. Mit seinen derzeitigen Kapazitäten stösst das Unternehmen an seine Grenzen. Die Anlagen seien seit dem Jahr 2000 in etwa immer noch die gleichen, sagt Finanzchef Michael Brenner an einem Mediengespräch am Hauptsitz des Unternehmens in Arlesheim BL. Gleichzeitig habe sich der Umsatz mit Naturkosmetika verfünffacht. Diese sind weit wichtiger als die anthroposophischen Arzneimittel, die lediglich einen Anteil von 27 Prozent zu den Verkäufen beitragen.

Weleda plant das neue Werk am bestehenden Standort Schwäbisch-Gmünd in der Nähe von Stuttgart. Die Firma ist derzeit auf der Suche nach einem geeigneten Areal. Laut dem Stand der derzeitigen Planung soll im ersten Halbjahr 2020 mit dem Bau begonnen werden. Die Investition wolle Weleda zu einem wesentlichen Teil selber finanzieren, sagt Brenner. Dies sei möglich, da das Unternehmen bis Ende des laufenden Jahres schuldenfrei sein werde. Bis zum Baubeginn dürften genügend Mittel vorhanden sein, um die Ausgaben weitgehend selber zu schultern.

Schuldenberg abgetragen

In den letzten Jahren war die Firma damit beschäftigt, einen Schuldenberg von 110 Millionen Euro abzubauen. Dieser geht auf die Krise Anfang dieses Jahrzehnts zurück. Die Folge waren einschneidende Sanierungsmassnahmen, insbesondere ein Abbau von weltweit 100 Stellen, davon 29 in der Schweiz. Inzwischen ist der Mitarbeiterbestand insgesamt und auch hierzulande wieder gestiegen. In Arlesheim zählt das Unternehmen 326 Vollzeitstellen.

Die Investitionen in der Schweiz nehmen sich dagegen bescheiden aus – zumindest im Vergleich zum geplanten Ausbau in Deutschland. So wurde in Arlesheim ein neues Verwaltungsgebäude für 60 Mitarbeiter und eine Gärtnerei gebaut. Insgesamt wurden dafür rund 5 Millionen Franken ausgelegt.

Zu den wichtigen Zielen von Weleda gehört, die Abhängigkeit von den beiden Heimmärkten Schweiz und Deutschland zu reduzieren. In den beiden Ländern erzielt das Unternehmen rund die Hälfte des Umsatzes. Wachsen will Weleda unter anderem in den USA. Nachdem das dortige Geschäft jahrelang stagnierte, habe man die Marke Weleda neu lanciert, sagt der Verkaufsleiter Andreas Sommer. Der Neustart sei geglückt. Das Unternehmen hegt ambitionierte Ziele für das Land. In den nächsten fünf Jahren will Weleda den Umsatz in den USA vervierfachen. Derzeit betragen die Verkäufe 13 Millionen Euro. In Südamerika steht vor allem Brasilien im Fokus. Wachstum strebt die Firma dort vor allem mit den Arzneimitteln an.

Die Arzneimittel sind jedoch nach wie vor das Sorgenkind der Firma. Hier schreibt Weleda weiterhin Verlust. Genaue Zahlen wollen die Verantwortlichen nicht nennen, Verwaltungsratspräsident Paul Mackay liess sich immerhin entlocken, dass es sich um einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag handelt. Mittel- bis langfristig sollen auch die Arzneimittel profitabel werden. Auf einen konkreten Zeitplan wolle man sich jedoch nicht festlegen, sagt Mackay. Im Zentrum stehen die bewährten Haut- und Augenmittel sowie Präparate in den Bereichen Stress und Schlaf. Dabei sollen bestehende Produkte optimiert als auch neue entwickelt werden.

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