Wirtschaft

Nach dem Möbel-Pfister-Deal: Warum  die schweizerische Möbelbranche kriselt

Auch Rabatte halfen nicht mehr: Möbel-Pfister wird übernommen

Auch Rabatte halfen nicht mehr: Möbel-Pfister wird übernommen

Möbel Pfister wird von der österreichischen Lutz-Gruppe übernommen – damit geht der Wandel weiter in der schweizerischen Möbelbranche.

Mittlerweile hat die Schweizer Möbelbranche schon mehr als zehn harte Jahre hinter sich. 2008 schien die Möbelwelt noch in Ordnung zu sein. Die Umsätze waren fünf Jahre lang recht stark gestiegen, die Anbieter konnten auf ein Wachstum von fast 20 Prozent zurückblicken. Trotz aller Kritik an angeblich überteuerten Preisen.

Doch dann kamen die Schocks: Der Franken wertete sich auf, die Onlinehändler machten sich breit, und die Schweiz entdeckte den Einkaufstourismus. Zehn Jahre später ist alles verspielt, was die Branche an Umsatzwachstum gewonnen hatte. Die Folgen sind mittlerweile 15 verlorene Jahre. Umsatzmässig stand die schweizerische Möbelwelt in dieser Zeit quasi still. Rundherum ging es hingegen weiter. So stiegen die Kosten, indem Löhne und Mieten teurer wurden. Der Aufbau eines Onlinekanals verschlang Millionen. Damit schwanden die Gewinne.

Eine solche Preiswende ist sonst nirgends zu finden

Die Branche hat vieles probiert. So kamen die Preise deutlich herunter in den letzten Jahren. Heute sind Möbel in der Schweiz um rund 16 Prozent günstiger zu haben als noch im Jahr 2009. Eine derartige Preiswende ist sonst nirgends zu finden in den offiziellen Zahlen des Bundesamts für Statistik, die bis Anfang der 1980er-Jahre zurückreichen.

Aus dieser Leistung versuchte Möbel Pfister vor wenigen Monaten noch Kapital zu schlagen. Die Firma gab sich zuversichtlich. Das Möbelland Schweiz sei schon lange keine Hochpreisinsel mehr. Das sagte der damalige Chef von Möbel Pfister, Matthias Baumann, erst letzten Sommer. Für manche Möbel seien die Preise gar um über 30 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig gingen die Preise in Süddeutschland nach oben. Die dortigen Händler nutzten den Boom für sich. Doch in den Köpfen galten Schweizer Möbel noch immer als überteuert. Baumann betonte damals, man müsse den Konsumenten klarmachen: Der Gang über die Grenze lohne sich nicht mehr. Doch die Schweizer Einkaufstouristen kehrten nicht zurück. Die Beträge blieben in etwa gleich, die sie im grenznahen Ausland ausgaben.

Die nächste Welle rollt bereits an

Der Verband für Schweizer Möbelhandel und Industrie schätzt die Ausgaben auf etwa 700 bis 800 Millionen Franken. Immerhin boomt der Einkaufstourismus nicht mehr. Doch nun kommt die nächste Welle. Dazu gehören Angriffe von traditionellen ausländischen Akteuren wie eben XXX-Lutz. Zudem droht eine Zunahme der Onlinehändler, die bisher in der Möbelbranche noch weniger wichtig sind.

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