Modehandel
Zara Home schliesst die Läden in der Deutschschweiz – Besitzerin Inditex zog 10 weiteren Schweizer Läden den Stecker

Es hat sich ausdekoriert: Der spanische Moderiese Inditex zieht sich mit Zara Home aus der Deutschschweiz zurück. Es sind nicht die einzigen seiner Läden, die einer Sparrunde zum Opfer fallen.

Stefan Ehrbar
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Bild aus der Vergangenheit: Zara-Home-Filiale in Basel im März.

Bild aus der Vergangenheit: Zara-Home-Filiale in Basel im März.

Nicole Nars-Zimmer

«Liebe Kunden, wir schliessen diese Filiale», steht auf einem Schild an der Filiale der Haushaltswaren-Kette Zara Home in Bern. Damit geht auch im letzten Laden der Kette in der Deutschschweiz das Licht aus. In den Wochen zuvor hatte der Mutterkonzern Inditex schon die Filialen an der Zürcher Bahnhofstrasse und an der Freien Strasse in Basel geschlossen (CH Media berichtete).

Geöffnet bleibt vorerst die Zara-Home-Filiale in Genf, die derzeit renoviert wird. Zara Home verkauft Produkte für den Haushalt, etwa Accessoires, Bettwäsche, Düfte oder Teppiche. Allzu viel Geduld zeigte Inditex mit den Schweizer Ablegern nicht: Die Filialen in der Deutschschweiz wurden alle erst in den letzten vier Jahren eröffnet.

Inditex an der Spitze der Modehändler

Der Grund für die Schliessung dürften die zuletzt wegen der Coronakrise stark gesunkenen Erlöse des Moderiesen Inditex mit Marken wie Zara, Pull & Bear oder Massimo Dutti sein. Im Jahr 2020 nahm Inditex weltweit 28 Prozent weniger ein als im Jahr zuvor, der Umsatz betrug noch 20,4 Milliarden Euro (22,2 Milliarden Franken). Der Gewinn brach um fast 70 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro (1,2 Milliarden Franken) ein.

Aushang in Bern.

Aushang in Bern.

fv

Schon Mitte 2020 hatte Inditex deshalb bekannt gegeben, bis zu 1'200 unrentable Läden schliessen zu wollen. Welche Marken und Standorte von diesem Entscheid betroffen sind, gab das Unternehmen allerdings nicht bekannt. Vor der Krise betrieb Inditex über 7'000 Läden weltweit und beschäftigte über 170'000 Mitarbeiter. Der Konzern war in den letzten Jahren so stark gewachsen wie kaum eine andere Modekette und war gemessen am Umsatz die grösste Modekette der Welt – noch vor der japanischen Uniqlo-Besitzerin Fast Retailing und H&M.

Inditex schliesst 10 Filialen

Die Fragen, warum Inditex die Zara-Home-Filialen in der Deutschschweiz geschlossen hat und ob weitere Läden aus dem weit verzweigten Imperium schliessen müssen, beantwortet das Unternehmen auf Anfrage nicht. Eine Recherche von CH Media zeigt, dass seit Ende letzten Jahres in der Schweiz auch zwei Filialen des Inditex-Formats Pull & Bear geschlossen wurden sowie zwei Filialen des Luxus-Ablegers Massimo Dutti. Insgesamt betreibt Inditex derzeit 33 Filialen in der Schweiz.

Den Löwenanteil machen 20 Filialen der Stamm-Kleidermarke Zara aus. Noch Ende 2018 hatte Inditex laut Zahlen des Marktforschers GfK 43 Filialen in der Schweiz betrieben. Innerhalb von weniger als drei Jahren hat Inditex damit hierzulande 10 Filialen dicht gemacht – nachdem das Unternehmen zuvor rasch expandiert hatte.

C&A dominiert Schweizer Markt

Zumindest das Sortiment des Einrichtungshauses Zara Home wird in einem reduzierten Umfang auch in der Deutschschweiz weiterhin verkauft, nämlich im Stammhaus von Zara an der Zürcher Bahnhofstrasse. Einen ähnlichen Weg geht auch H&M. Der schwedische Kleider-Gigant verkauft sein Sortiment von «H&M Home» hierzulande ebenfalls nur in ausgewählten H&M-Läden und nicht über eigene Geschäfte.

Nach Anzahl Verkaufsstellen dominierte laut Zahlen von GfK letztes Jahr die Chicorée-Gruppe mit 167 Verkaufsstellen den Schweizer Bekleidungsmarkt, gefolgt von C&A mit 98 Standorten und H&M mit 90 Filialen.

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