Das Weltwirtschaftsforum (WEF) will nichts weniger, als den Zustand der Welt verbessern. Dazu finden in Davos unzählige Podien zu wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Themen statt. Doch neben den drängendsten Fragen zu diesen aktuellen Entwicklungen widmet sich das WEF auch anderem. So gibt es etwa Kurse zur Stressbewältigung oder zum Thema Meditation. Schliesslich gewinnt die Work-Life-Balance auch für Top-Manager an Bedeutung. Rücktritte vor dem Rentenalter oder mehrmonatige Auszeiten sind für die Wirtschaftsführer nicht mehr tabu.

Schaut man sich die Panels zum persönlichen Wohlbefinden an, könnte man meinen, das WEF suche dieses Jahr nichts weniger als das Glück. Zahlreiche Wissenschafter der US-Eliteuniversität Yale dozieren zum Thema. So widmet sich ein Panel etwa den neurowissenschaftlichen Ursachen von Glück. An einem Panel sprechen die Akademiker unter anderem darüber, was die Psychologie über Glück sagt.

Zu den Wissenschaftlerinnen gehört auch Laurie Santos. Die Psychologin mit Jahrgang 1975 erhielt bereits mehrere Auszeichnungen, so wurde sie 2013 vom Magazin «Times» zu einer der führenden Wissenschafterinnen gekürt. Ihr Kurs «Psychologie und gutes Leben», der vor einem Jahr startete, avancierte zum populärsten in der über 300-jährigen Geschichte der Uni Yale. Unter anderem doziert die Professorin darüber, inwiefern die Psychologie wichtige Hinweise geben kann, wie man klügere Entscheide trifft und ein Leben führt, das glücklicher und erfüllender ist. Santos tritt an mehreren Panels auf. So spricht sie über die Wissenschaft des Wohlbefindens. Glück und Mitgefühl seien keine angeborenen Qualitäten, dennoch könnten Menschen diese erlernen.

Eine Kollegin von Santos geht dem Zusammenhang zwischen Moral, Entscheidungen und Glück nach. «Geld kann Glück nicht kaufen», heisst es im Beschrieb. Vielmehr zeigten neue wissenschaftliche Erkenntnisse, dass einige Arten von Geld Menschen sogar weniger glücklich machen könnten. Nicht weniger als die Entdeckung des Glücks verspricht ein anderer Anlass. Glück sei ansteckend, die Forschung zeige, dass es uns produktiver und gesünder mache. Die Teilnehmer sollen herausfinden, mit welchen wissenschaftlich fundierten Aktivitäten man den Sinn für Zweck und Bedeu- tung schärfen kann.

Meditieren auf dem Gipfel

Wem die Suche nach Glück etwas gar abstrakt erscheint, der kann sich auch profaneren Themen widmen. So bieten die WEF-Organisatoren täglich eine Morgen-Meditation an. Geleitet wird sie vom nepalesisch-tibetanischen Buddhisten Tsoknyi Rinpoche. Wem die halbstündige Sitzung zu wenig ist, der kann sich dem Thema auch länger widmen. Bei der ausführlicheren Veranstaltung geht es jedoch nicht nur ums Meditieren, sondern auch um die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit. Neben einer Psychologin wird der Kurs von Eve Ekman geleitet. Sie unterrichtet an der University of California, Berkeley, über emotionales Bewusstsein und über Prävention von Burnouts. Themen, die manchem Manager sicher nicht schaden würden. Allerdings ist zu bezweifeln, dass viele den Weg zu der knapp vierstündigen Veranstaltung aufs Rinerhorn finden.

Mehr Zuspruch bei den Managern könnte ein anderer Kurs finden, den Ekman leitet. Stress nutzen, lautet der Titel auf Deutsch übersetzt. Schliesslich könnten die Wirtschaftsführer dadurch negative Energien positiv nutzen. Stress könnte zwar gefährlich für die Gesundheit sein und dem Leistungsvermögen schaden, aber es gebe Arten von kurzfristigem Stress, die auch gesund sein könnten, heisst in der Kurzbeschreibung des Panels.