Medikamentenpreise
Teures Pflaster: Generika sind in der Schweiz fast doppelt so teuer wie im Ausland

Medikamente sind in der Schweiz deutlich teurer als im Ausland. Besonders gross ist der Unterschied bei den Nachahmerpräparaten, die hierzulande im Schnitt fast doppelt soviel kosten wie Deutschland, Frankreich oder Österreich.

Florence Vuichard
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Teure Pillen - jedenfalls im Vergleich zum Ausland.

Teure Pillen - jedenfalls im Vergleich zum Ausland.

Gaetan Bally / KEYSTONE

In der Schweiz ist eigentlich fast alles teuer als im Ausland. Und natürlich kosten auch die Medikamente hierzulande mehr als in Deutschland, Frankreich oder Österreich. Das zeigt der neuste Auslandpreisvergleich von Interpharma und dem Krankenkassenverband Santésuisse. Mit 6,9 Prozent am kleinsten ist die durchschnittliche Preisdifferenz bei den patentgeschützten Medikamenten. Jedoch fällt sie hier am meisten ins Gewicht, verursachen doch diese protegierten Originalpräparate die Hälfte der jährlichen Medikamentenkosten von 7,6 Milliarden Franken zulasten der Grundversicherung. Dieser Preisaufschlag von knapp 7 Prozent verursacht deshalb im Vergleich zum Ausland zusätzliche Ausgaben von über 200 Millionen Franken pro Jahr, wie Santésuisse-Direktorin Verena Nold vorrechnet.

Verglichen werden die Fabrikabgabepreise der hierzulande 250 umsatzstärksten Medikamente mit jenen aus neun Vergleichsländern. Das sind Deutschland, Frankreich, Österreich, Belgien, die Niederlande, Grossbritannien, Dänemark, Schweden und Finnland. Besonders gross ist die Diskrepanz zu Frankreich, wo die patentgeschützten Medikamente rund 20 Prozent günstiger sind.

Die eruierte, mittlere Preisdifferenz zum Ausland von 6,9 Prozent bei den patentgeschützten Medikamenten ist grösser geworden, betrug sie im Vorjahr doch noch 4,5 Prozent. Gemäss Interpharma-Chef René Buholzer ist dies aber vor allem auf die Wechselkursentwicklung zurückzuführen.

Doppelt so teure Generika

Grösser ist die Preisdifferenz mit 11,5 Prozent bei den patentabgelaufenen Originalpräparaten. Auch hier ist der Abstand zu Frankreich am grössten, wo diese Medikamentengruppe im Schnitt 40 Prozent weniger kostet. In Dänemark und Deutschland hingegen sind die patentabgelaufenen Originalpräparaten gar etwas teurer als in der Schweiz.

Die allergrösste Preisdifferenz zeigt sich aber bei den Generika. Diese sind im Ausland massiv billiger - und zwar in allen neun Vergleichsländern. Sie kosten im Schnitt 45,2 Prozent weniger. Dieser seit Jahren von Krankenkassen und Konsumentenschützern kritisierte Missstand liegt vor allem an der hierzulande geltenden Regeln für die Festsetzung von Generika-Preisen, die an den Umsatz und den Preis des Originalpräparats gekoppelt sind. Santésuisse-Chefin Nold plädiert deshalb auch bei Generikas bei der Preisfestsetzung aufs Ausland zu schauen.

Es ist einer von vielen Vorschlägen, die Santésuisse zur Kosteneindämmung im Medikamentenbereich vorlegt. Und hier endet dann auch der gemeinsame Weg mit Interpharma, der hier selbstredend wenig Handlungsbedarf sieht: Der Verband der Pharmaindustrie ist bemüht, hervorzustreichen, dass der Medikamentenmarkt nicht für das grosse Kostenwachstum in der Grundversicherung verantwortlich ist. In der Tat sind die Ausgaben für Medikamente unterdurchschnittlich gestiegen in den vergangenen Jahren. Aber sie sind gestiegen.

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