Medienkolumne
Das Comeback des Retro: Darum irren sich Medientheoretiker bei «Wetten, dass..», Print-Magazinen und Radiosendungen

Unser Kolumnist Matthias Ackeret glaubt, dass Totgeglaubtes länger lebt. Das zeigt gerade Thomas Gottschalk.

Matthias Ackeret*
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Erstaunlich erfolgreich: Thomas Gottschalk mit «Wetten, dass...».

Erstaunlich erfolgreich: Thomas Gottschalk mit «Wetten, dass...».

Keystone

Als die Ringier-Bosse Michael Ringier und Marc Walder vergangene Woche in eine Industriehalle einluden, kannten nur Eingeweihte den wahren Grund. Der Blick auf die Gästeliste verriet Grosses: Philosoph Sloterdijk stolperte durch die Räume, TV-Star Nina Ruge verpflegte sich mit Häppchen, Bundesrat Berset warnte vor einer weiteren Covid-Welle.

Am Ende wurde das enthüllt, womit der Verlag wirklich gross wurde: ein Printmagazin mit dem Namen «Interview». Auf dem Titel: Roger Federer, Symbol für ewige Jugend. Erstaunlich eigentlich, hat doch der Verlag bereits zwei Milliarden Franken in die digitale Transformation gesteckt.

Totgeglaubtes lebt länger

Doch die Vergangenheit ist nicht vergangen. Dies bewies auch Altmeister Thomas Gottschalk, der bei seinem «Wetten, dass..»-Comeback mit einer vierminütigen Standing Ovation begrüsst wurde, deren Power jeden Freiheitstrychler-Aufmarsch konkurrenziert. Es war ein Zurückbeamen in eine Zeit als noch die ganze Familie vor dem Fernseher sass. 24 Stunden später im Leutschenbach salutierte das Publikum stehend TV-Legende Sepp Trütsch, der den Ehren-Prix-Walo für sein Lebenswerk erhielt.

Vielleicht lebt Totgeglaubtes länger als Medientheoretiker glauben. Das zeigt auch der Prix Walo für den Radio-Talk «Persönlich». Die SRG feierte dies mit einer euphorischen Pressemitteilung. Als wollte man sich damit auf die Schultern klopfen, dass dieser noch nicht abgeschafft oder in TikTok-Häppchen ausgestrahlt wird. Es war die erste positive SRG-News seit langem.

* Matthias Ackeret ist Verleger und Chefredaktor des Branchenmagazin persönlich.

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