Die Basler Medtechfirma Medartis ist einem breiten Publikum kaum bekannt. Dies dürfte sich nun mit dem Börsengang ändern. Dieser ist für den 23. März geplant. Bis dieser Schritt nun möglich wurde, musste die Firma einige Hürden überwinden. Zwischen der Gründung 1997 und 2012 schrieb Medartis rote Zahlen. Über Wasser gehalten wurde die Firma von Gründer und Medtech-Unternehmer Thomas Straumann, der in den 90er-Jahren Chef des Zahnimplantateherstellers Straumann war und bis heute deren Vizepräsident. Noch heute hält er 17 Prozent am Basler Unternehmen. In Medartis hat Straumann rund 100 Millionen Franken gesteckt, wie die «NZZ» schrieb.

Die Produkte von Medartis kommen vor allem dann zum Zug, wenn es darum geht, Knochenbrüche mit Implantaten chirurgisch zu fixieren. Das Unternehmen stellt in erster Linie Platten und Schrauben im Bereich Hände, Handgelenke, Ellbogen und Füsse her. Gross geworden ist die Firma in der Kiefer- und Gesichtschirurgie, in der sie noch heute tätig ist.

Über den Börsengang bietet Medartis rund 2,8 Millionen neue Aktien an. Die bisherigen Grossaktionäre behalten ihre Aktien. Durch die Ausgabe der neuen Titel reduziert sich jedoch deren Anteil deutlich. So wird Hauptaktionär Thomas Straumann nach 77 noch rund 48 Prozent aller Aktien besitzen. Die Zahl der frei handelbaren Titel wird rund 24 Prozent aller Aktien betragen. Medartis rechnet mit Einnahmen von knapp 124 Millionen Franken durch den Börsengang.

Produktion in Basel

Das Geld soll vor allem in den Ausbau des Geschäfts in den USA fliessen. Ziel sei es eine ähnliche Marktdurchdringung zu erreichen wie in Europa, sagte Straumann an der gestrigen Medienkonferenz. Zudem sollen Mittel in neue Märkte wie Japan und China fliessen. Schliesslich wolle Medartis flexibel bleiben, um Übernahmen zu tätigen, etwa um ergänzende Firmen oder Technologien einzukaufen.

Im vergangenen Jahr übersprang der Umsatz erstmals die Marke von 100 Millionen Franken. In den letzten beiden Jahre ist Medartis zwischen 12 und 14 Prozent gewachsen. Firmenchef und Mitgründer Willi Miesch ist optimistisch, was das künftige Wachstum anbelangt. So seien die durchschnittlichen Wachstumsraten in den nächsten Jahren für die von Medartis anvisierten Märkte deutlich höher als etwa im Bereich Wirbelsäule oder Knie- und Hüftgelenkersatz. So gebe es immer mehr Frakturen im Bereich Hände, Handgelenke, Ellbogen, die nicht mehr mit einem Gips, sondern mit kleinen Platten und Schrauben versorgt würden. Ein weiterer Wachstumstreiber ist die alternde Gesellschaft, die länger aktiv ist und Sport treibt. Somit steige die Zahl der Unfälle der älteren Generation. Als klassisches Beispiel nennt Miesch einen Unfall mit dem E-Bike.

Ein wichtiges Verkaufsargument sei das Label «swiss made», sagt Miesch. Sämtliche Schlüsseltechnologien würden selber am Hauptsitz in Basel im Stücki-Business-Park hergestellt. Die Produktion besteht aus modernen Robotern und Maschinen, die 24 Stunden im Einsatz sind. Dennoch soll die Automatisierung weiter vorangetrieben werden. Derzeit werden noch rund 40 Prozent der einfachen Tätigkeiten manuell abgewickelt. Dank robotergesteuerter Produktionsmaschinen soll dieser Wert auf unter 20 Prozent gedrückt werden. In Basel arbeiten derzeit rund 220 Mitarbeiter in Produktion und Administration. Insgesamt beschäftigt Medartis 480 Angestellte.