Luftfahrt

Lufthansa zahlt für Air Berlin 210 Millionen Euro

Lufthansa übernimmt Teile des insolventen Konkurrenzbetriebs Air Berlin.

Lufthansa übernimmt Teile des insolventen Konkurrenzbetriebs Air Berlin.

Die Swiss-Mutter Lufthansa kauft grosse Teile des insolventen Billigfliegers Air Berlin. 3000 Mitarbeiter können die Fluggesellschaft wechseln.

Aufatmen bei Tausenden Mitarbeitern von Air Berlin. Zwei Monate nach der Pleite der zweitgrössten deutschen Airline ist der Deal mit dem Swiss-Mutterkonzern Lufthansa perfekt. 81 von 134 Flugzeugen und die damit verbundenen Start- und Landerechte gehen an den Branchenprimus der deutschen Luftfahrt. Die Flugzeuge sollen in den nächsten Monaten in die Lufthansa-Billigtochter Eurowings integriert werden. 3000 der rund 8000 Air-Berlin-Beschäftigten können zu dem Konzern wechseln, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr gestern ankündigte.

Lufthansa zahlt für die Übernahme voraussichtlich etwa 210 Millionen Euro. Der Preis könne aber noch angepasst werden, wenn der Kaufvertrag vollzogen wird, teilte Air Berlin gestern mit. Dank dem Lufthansa-Deal sollte die insolvente Airline in der Lage sein, den Staatskredit von 150 Millionen Euro zurückzuzahlen.

Verhandlungen mit Easyjet

«Jetzt geht es darum, auch mit anderen Bietern die Verträge unterschriftsreif auszuhandeln», sagte Air-Berlin-Chefsanierer Frank Kebekus gestern nach der Vertragsunterzeichnung. Er spricht damit die parallel laufenden Verhandlungen mit dem Billig-Flieger Easyjet an. Easyjet interessiert sich ebenfalls für Teile der insolventen Air Berlin und hat bereits ein Angebot eingereicht. Die Verhandlungen sind indes zuletzt ins Stocken geraten. Easyjet soll sich für 20 bis 30 Flugzeuge der Air Berlin interessieren, hiess es.

Der Deal muss noch von den Wettbewerbsbehörden abgesegnet werden. Lufthansa-Chef Spohr zeigte sich in einem Interview mit dem «Handelsblatt» überzeugt, dass es keine kartellrechtlichen Probleme geben werde. Die Wettbewerbshüter müssten den Deal unter europäischen Wettbewerbsgesichtspunkten betrachten und nicht auf den deutschen Markt beschränken. Laut Spohr verfügt die Lufthansa als einer der weltweit grössten Player der Airline-Industrie über lediglich drei Prozent Weltmarktanteil. «Wenn ein Marktführer nur auf drei Prozent kommt, kann man nicht von Marktdominanz sprechen.» Zudem stünden im inländischen Markt künftig Eurowings und Lufthansa ebenfalls zueinander im Wettbewerb. Der Lufthansa-Chef kündigte an, seine Airline wolle auch Teile der Lücken schliessen, die Air Berlin auf dem Langstreckennetz hinterlasse.

Entwarnung bei Flugpreisen

Befürchtungen, wonach Lufthansa durch die starke Inland-Stellung die Preise erhöhen werde, wies Spohr zurück. Auf einzelnen Strecken wollte der Lufthansa-Chef Preisanpassungen allerdings nicht kategorisch ausschliessen. «In unserer Branche sind die Preise wie in keiner anderen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken», so Spohr gegenüber dem «Handelsblatt.» «Teilweise sind sie so niedrig, dass Airlines nicht mehr überleben konnten.»

Die Preise für Flüge von der Schweiz in deutsche Städte wie Hamburg oder Berlin dürften sich nach Ansicht des Luftfahrtexperten Cord Schellenberg wegen der Quasi-Monopolstellung der Lufthansa kaum ändern. «Strecken von und in die Schweiz sind für Airlines finanziell attraktiv, aber Easyjet ist auf dem Schweizer Markt nun ebenfalls präsenter. Der Wettbewerb spielt», sagt Schellenberg. Easyjet fliegt nun auch ab Zürich nach Hamburg oder Berlin.

Zufrieden zeigte sich nach der gestrigen Vertragsunterzeichnung auch Air-Berlin-CEO Thomas Winkelmann. «Durch diesen Vertrag ergeben sich neue Arbeitsplatzchancen für einen grossen Teil unserer Kollegen.»

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