«Panama Papers»

Liechtensteinischer Finanzermittler sagt: «Panama ist ein Billiganbieter»

Daniel Thelesklaf, der 51-jährige Zürcher ist Vorsitzender des Geldwäscherei-Ausschusses des Europarats und Leiter der Financial Intelligence Unit (FIU), der Geldwäscherei-Meldestelle in Liechtenstein also.

Daniel Thelesklaf, der 51-jährige Zürcher ist Vorsitzender des Geldwäscherei-Ausschusses des Europarats und Leiter der Financial Intelligence Unit (FIU), der Geldwäscherei-Meldestelle in Liechtenstein also.

Daniel Thelesklaf ist Experte für internationale Finanzdienstleistungen. Befragt zur «Panama Papers»-Affäre erklärt er, weshalb er seriösere Anbieter aus der Schweiz oder Liechtenstein längerfristig im Vorteil sieht.

Warum spielt in den jüngsten Enthüllungen um versteckte Vermögen ausgerechnet Panama eine Rolle?

Daniel Thelesklaf: Weltweit gibt es viele Anbieter solcher Finanz-Dienstleistungen. Panama und eine Reihe anderer Länder und Überseegebiete haben das Image als Billiganbieter. Ein Grund liegt in den tiefen Compliance-Kosten für diese Anbieter. Die Prävention von Geldwäscherei kostet halt Geld und einige versuchen, hier billig wegzukommen.

Was genau meinen Sie mit tieferen Compliance-Kosten?

Laschere Vorschriften, woher und von wem die Gelder stammen. Die Anbieter haben somit weniger Aufwand für Nachforschungen und die laufende Überwachung, was sehr kostspielig sein kann.

Wo sitzen die anderen Billiganbieter?

Zum Beispiel auf den britischen Jungferninseln in der Karibik, den Marschallinseln im Südpazifik, in Belize oder auf den Seychellen.

Es gibt kaum ein Land, das in den Panama-Papers-Enthüllungen nicht zur Sprache kommt. Auch die Schweiz ist vertreten. Was sagen Sie dazu?

Es hätte mich erstaunt, wenn die Schweiz nicht vorkommen würde. Ihre Rolle in den Panama-Papers entspricht in etwa der Bedeutung in der globalen Vermögensverwaltung. Allerdings sind ja nicht alle geleakten Daten publiziert.

Ist die Schweiz nach dem Fall des Bankgeheimnisses für ausländische Bankkunden nun sauber?

Das Risiko ist sicher weniger hoch, als bei Billiganbietern wie Panama. Denn die strengen Vorschriften und Regulierungen in Europa erhöhen den Abklärungsbedarf und führen letztlich zu teureren Vermögensverwaltungsangeboten. Wir dürfen aber nicht vergessen: Mit den Enthüllungen bei der HSBC-Bank in Genf durch den Whistleblower Hervé Falciani, den Swissleaks, hatte die Schweiz etwas Ähnliches wie nun Panama, wenn auch von weit geringerer Tragweite.

Was macht ein Land überhaupt attraktiv für vermögende Personen?

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die ein Land attraktiv machen. Dazu gehört auch die Besteuerung der Gesellschaften. Nehmen wir den Niedrigsteuer-Kanton Zug: Zug hat zwar tiefe Steuern, ist aber im Gegensatz zu Panama kein Nullsteuerland. In Europa werden Geldwäschereigesetze strenger angewandt. Missbrauch kann trotzdem nicht ausgeschlossen werden.

Deponieren überhaupt viele Europäer ihr Geld in Panama?

Panama bietet seine Finanzdienstleistungen zwar weltweit an, der Heimmarkt liegt aber vor allem in Lateinamerika. Das allein geht mit höheren Risiken einher. Denken Sie nur an die Korruption oder die Drogenkriminalität.

Zentrale Rolle spielt eine Anwaltskanzlei. Sie hat für Prominente Briefkastenfirmen gegründet.

Das Problem liegt nicht bei diesen sogenannten Sitzgesellschaften. An ihnen ist per se auch nichts Verwerfliches. Sehen Sie: Es gibt auch gute und richtige Gründe, eine solche Gesellschaft zu gründen. Sagen wir einmal, ein Industrieller wird Bundesrat und darf sich als solcher in keine Interessenskonflikte begeben. Während er das Amt ausführt, gibt er die Kontrolle an eine solche Gesellschaft ab. Das ist ein legaler Zweck und auch erwünscht.

Und die Familienstiftungen?

Wir haben sie auch in Liechtenstein. Auch sie sind legal, aber es besteht ein erhöhtes Risiko für Missbrauch. Doch wenn man die Transaktionen gut kontrolliert, dann ist auch an ihnen nichts Verwerfliches. In der Schweiz sind Stiftungen immer für gemeinnützige Zwecke bestimmt und nicht zur Weitergabe von Vermögen innerhalb der Familie.

Die angeprangerte Kanzlei selbst verteidigte sich und sagte, man wisse über die Endkunden nicht Bescheid. Wer ist aus Ihrer Sicht verantwortlich?

Jedes Kettenglied, auch die Vermittler. Das können Banken, Vermögensverwalter oder Treuhänder sein. Jeder muss selbst überprüfen, ob er für seine Kunden Aufträge ausführen darf oder eben nicht. Aber es geht auch nicht bloss um die Eröffnung von Konten oder die Gründung solcher Gesellschaften. Denn diese haben auch eine Lebensdauer. Ihre Tätigkeiten müssen über den gesamten Lebenszyklus überwacht werden.

Steueroptimierungen sind legal. Wo genau liegen aus Ihrer Sicht die Hauptprobleme nach diesen Enthüllungen?

Es gibt Risikogruppen von Kunden. Bei Politikern, ihren Familienmitglieder und deren Umfeld müssen Vermögensverwalter besonders vorsichtig sein. Man kann schlecht der Frau eines Botschafters verbieten, ein Konto zu eröffnen. Bei solchen Kunden gelten aber erhöhte Sorgfaltspflichten. Man darf sich nicht nur auf das abstützen, was sie erzählen.

Ist es klug, wenn Politiker ausgerechnet in Panama optimieren, dessen Finanzplatz ein zweifelhafter Ruf hat?

Es wird eine Tendenz sein, sein Geld nicht in Ländern anzulegen, die Billiganbieter fördern. Liechtenstein und die Schweiz werden davon profitieren. An sich ist es so: Strenge Regulierung ist die Grundlage für das künftige Geschäft. Panama ist ein Auslaufmodell. Wir haben es ja auch mal so gemacht und heute sind strengere Regeln unser Standortvorteil.

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