Kontaktlos bezahlen

Kleine Mondaine fischt im Uhrenteich der Grossen

Ronnie Bernheim zum Thema «intelligente Uhr»: «Wir sind kommunikationsmässig in eine andere Liga aufgestiegen.» (Archiv)

Ronnie Bernheim zum Thema «intelligente Uhr»: «Wir sind kommunikationsmässig in eine andere Liga aufgestiegen.» (Archiv)

Wie im Vorjahr mit der Smartwatch will die Solothurner Uhrenfirma Mondaine auch dieses Jahr punkten. Sie präsentiert eine Uhr mit kontaktloser Zahlfunktion.

«Wir sind mit unseren Marken seit über 50 Jahren in Basel präsent», sagt Ronnie Bernheim, Co-Chef der Mondaine Watch AG mit ihrem Werk in Solothurn. Unter anderem fertigt Mondaine die bekannte Bahnhofsuhr für das Handgelenk. Der Auftritt an der Messe koste jeweils mehrere 100'000 Franken. «Eine teure Sache», so Bernheim. Ob sich der Aufwand lohnt, lässt er offen. Der direkte Nutzen lasse sich kaum messen.

Früher habe es geheissen, wer nicht in Basel dabei sei, dessen Firma gehe es schlecht. Das sei heute nicht mehr der Fall. So gesehen, wäre eine Teilnahme kein Muss mehr. Mondaine verfolge an der Messe denn auch nicht die Akquisition neuer Kunden. «Für uns ist der Kontakt mit der bestehenden Kundschaft wichtig.» Die Messe gebe Signale, wie man an der Front wahrgenommen werde. Das gelte auch für die jeweils präsentierten Neuheiten.

So überraschten die Solothurner vor einem Jahr mit der Mondaine-Helvetica-Smartwatch. Es sei zusammen mit dem Modell von Frédérique Constant die erste intelligente Schweizer Uhr gewesen, sagt Bernheim. Es ist eine klassische Armbanduhr mit Zusatzfunktionen wie Bewegungsmessung und Schlafüberwachung, aber ohne Touchscreen oder digitale Anzeigen. Im Gegensatz zu anderen Smart-Uhren können die Daten auf einem inneren Zifferblatt analog abgelesen werden. «Wir waren sehr früh mit dieser Modellreihe und es war ein Schritt in die richtige Richtung», sagt Bernheim heute. Man halte an der Linie fest und das Angebot an Zusatzfunktionen soll erweitert werden.

Absatzzahlen will er keine verraten. «Die Linie liefert nur einen kleinen Anteil an den Gesamtumsatz von Mondaine. Die Budgetvorhaben haben wir erreicht.» Bei einem Verkaufspreis von 850 bis 950 Franken dürften es mehrere tausend Smartwatches sein. Im Gegensatz zu diesen bescheidenen Absatzzahlen sei die mediale Aufmerksamkeit der Marke Mondaine international um ein Vielfaches gestiegen. Das Thema «intelligente Uhr» dominiere die Uhren-Berichterstattung. Dabei werde jetzt nun fast automatisch der Name Mondaine erwähnt. Bernheim: «Wir sind kommunikationsmässig in eine andere Liga aufgestiegen.»

Kontaktlos zahlen mit der Uhr

An der diesjährigen Messe präsentiert Mondaine Uhren, welche das kontaktlose Zahlen ermöglichen. Das Zahlungssystem, untergebracht in einem Chip in der Grösse einer SIM-Karte, wird direkt in das Uhrenarmband integriert oder es kann über eine zusätzliche Schlaufe an diesem festgemacht werden. Dank den entsprechend vorbereiteten, zum Patent angemeldeten Armbändern könne der Uhrenträger den Bezahlchip selbst einschieben oder wieder herausnehmen und mit einer speziell entwickelten Bandschlaufe an eine andere Uhr anmachen.

Es reiche künftig, das Handgelenk ans Zahlungsgerät zu halten. «Eigentlich handelt es sich um eine echte, minimalisierte Kreditkarte, die zur Sicherheit bei Beträgen über 40 Franken einen PIN-Code beim Zahlen verlangt.» Mondaine arbeitet mit der Cembra Money Bank zusammen. Zwar sei heute bereits Zahlen mit Smartphones möglich. Aber mit der Zahluhr müsse man nicht immer das Handy oder das Portemonnaie bei sich tragen. «Der Trend hin zum bargeldlosen Zahlen nimmt sehr stark zu», so Bernheim.

Innovationen seien nötig. Denn das wirtschaftliche Umfeld für Konsumgüter sei weltweit schlecht, meldet Bernheim. Selbst in den USA und in Deutschland harzten die Uhrenverkäufe praktisch aller Marken. Zudem sei der Boom bei den Smartwatches – allen voran durch Apple – mit Millionenverkäufen teilweise spürbar. Allerdings könnte dieser Aufschwung die traditionelle Uhrenindustrie auch positiv beeinflussen. «Wir beobachten, dass viele Träger intelligenter Uhren zuvor gar keine Armbanduhr nutzten.»

So könnten neue Armbanduhrenträger generiert werden, wenn diese vom «Computer am Arm» auf klassische Zeitmesser umstiegen. Ferner litten die Schweizer Hersteller gerade zweifach: unter dem nach wie vor starken Franken und der Verteuerung durch das neue Swissness-Gesetz. «Solche Kostenerhöhungen schwächen unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit.»

«Unschöne Signale vom Markt»

Insgesamt seien die Signale vom Markt «unschön». Deshalb gelte es jetzt, in bestehenden Absatzgebieten Stärke zu zeigen und den Distributoren und Fachhändlern mit verstärkten Marketingmassnahmen unter die Arme zu greifen. «Das braucht Puste und Mut.»

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