Würenlingen
Klar für das Holz-Heizkraftwerk

Die Refuna AG ist überzeugt: Mit einem Holz-Heizkraftwerk in Würenlingen könnte der Betrieb sicherer gestaltet werden.

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Refuna

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Aargauer Zeitung

Michael Hunziker

Massiv ist in Würenlingen die Opposition gegen das geplante Holz-Heizkraftwerk. Mit dem 100-Millionen-Vorhaben sollen in Zukunft Strom und Wärme für rund 20 000 Haushaltungen erzeugt werden. Vorgesehen ist, die Heizenergie im Bereich des Werkhofs der Firma Granella AG in das Fernwärmenetz der Refuna AG einzuspeisen.

Anschlussstopp für neue Kunden

Nach heftiger Kritik und happigen Vorwürfen nimmt die Refuna-Spitze erstmals Stellung und äussert sich zu den Auswirkungen auf ihre Unternehmung. «Der Grundauftrag der Unternehmung ist nach wie vor die sichere und langfristige Versorgung der Liegenschaften mit umweltfreundlicher Wärmeenergie in der Region des unteren Aaretals», halten Verwaltungsratspräsident Kurt Müller und Geschäftsleiter Ingo Siefermann in einem Schreiben fest. «Aus diesem Grund ist der Verwaltungsrat einer Unternehmung in der Pflicht, auch langfristige Perspektiven zu haben und Ziele mit einem weiteren Zeithorizont zu definieren.»

An der Sitzung des Verwaltungsratsausschusses der Refuna AG vom 30. April 2008 sei ein Anschluss-stopp für neue Kunden beschlossen worden. «Mit dieser Massnahme sollte erreicht werden, dass das vorhandene Anschlusspotenzial nicht überschritten wird und somit eine stabile und sichere Versorgung der Fernwärmekunden garantiert werden kann», führt die Refuna-Spitze aus.

Die Berechnungen hätten aufgezeigt, dass vor allem im Südost-Ast - Würenlingen, Endingen, Station Siggenthal, ABB Turgi - das verfügbare Leistungspotenzial ausgeschöpft sei. Der Südwest-Ast sowie der Nord-Ast weisen laut Refuna AG noch «ein gewisses» Potenzial aus. Anders gesagt: «Der Endausbau des Refuna-Netzes steht mit den heute zur Verfügung stehenden Energiequellen unmittelbar bevor», schreiben Kurt Müller und Ingo Siefermann.

Riesengrosse Zentralheizung

Was ist Fernwärme? Auf ihrer Homepage spricht die Refuna AG von einer «riesengrossen Zentralheizung». Genutzt wird ein Teil der Abwärme aus dem Atomkraftwerk Beznau I und Beznau II.

Dampf wird aus einer der vier Turbinen entnommen und zu einem Wärmetauscher geleitet. An der Oberfläche des Wärmetauschers wird das Refuna-Netzwasser erwärmt. In der nahe gelegenen Hauptpumpenstation gelangt das Wasser in Bewegung und strömt in Rohrleitungen zu den Wärmebezügern: in einer Nordschlaufe von 9 Kilometer Länge in die Gemeinden Böttstein, Döttingen und Klingnau sowie in das Ortszentrum Leuggern; in einer Südschlaufe von 22 Kilometer Länge in die Gemeinden Würenlingen, Endingen, Villigen, Stilli, Rüfenach und Riniken, in das Industriegebiet Würenlingen sowie nach Siggenthal Station bis zur ABB Turgi.

In der Hausstation wird die Wärme an das Heizsystem des Bezügers übergeben. Das Refuna-Netzwasser kühlt sich ab und gelangt in einem parallel verlegten Rohrsystem wieder zu seinem Ursprungsort zurück. (az)

Mehr Wärme, mehr Kunden

Um das Netz weiter auszubauen und die Wertschöpfung der bestehenden Infrastruktur verbessern zu können, muss gemäss Refuna AG eine neue Wärmequelle in das Netz integriert werden. Mit dieser zweiten Wärmequelle verbessere sich die Versorgung der Fernwärmekunden im Ereignisfall - zum Beispiel Ausfall des Atomkraftwerks - erheblich.

Beim Bau eines Ersatz-Atomkraftwerks Beznau 3 werde es möglicherweise Unterbrüche geben. Mit dem Holz-Heizkraftwerk in Würenlingen können diese Ausfälle laut Refuna AG - zumindest von Frühling bis Herbst - abgedeckt werden.

Auch sei es möglich, während der ordentlichen Revisionen im neuen Atomkraftwerk, das nur über einen Reaktor verfügt, die Wärmeversorgung sicherzustellen. Die Energieversorgung müsse im Revisionsfall nicht mit Heizöl aufrechterhalten werden.

Mit dem Holz-Heizkraftwerk könnten laut Refuna-Spitze beispielsweise 2800 Einfamilienhäuser à 10 kW oder 280 Mehrfamilienhäuser à 100 kW oder 10 Industriebauten à 2800 kW versorgt werden.

Kurz: Der Verwaltungsrat zeigt sich grundsätzlich mit der Einbindung eines Holz-Heizkraftwerks in das Refuna-Hauptnetz einverstanden. Es würden neue Rahmenbedingungen geschaffen, um den Netzbetrieb sicherer zu gestalten und zusätzliches Anschlusspotenzial zu generieren.

Aus heutiger Sicht, so halten Kurt Müller und Ingo Siefermann fest, sei der angebotene Energiepreis der Nordostschweizerischen Kraftwerke AG (NOK) eine gute Voraussetzung, die Refuna-Kunden langfristig zu wirtschaftlichen Preisen mit Wärme beliefern zu können.

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