Wirtschaft

Kinos planen Neustart mit «Star Wars» und weiteren Klassikern – Besucher müssen mit vielen Einschränkungen rechnen

Die Kinos bleiben noch bis am 6. Juni leer.

Die Kinos bleiben noch bis am 6. Juni leer.

Grosse Kinoketten öffnen bald wieder ihre Türen. Doch wochenlang werden sie auf neue Filme verzichten müssen. Das Schutzkonzept wirft Fragen auf. Ein grosses Kino öffnet nun erst gar nicht.

Viel weiter können Vorstellung und Wirklichkeit nicht auseinander liegen als im Kino – und damit sind nicht die Filme gemeint. Kaum jemanden hat die Coronakrise wirtschaftlich so hart getroffen wie die Kinobetreiber. Sie hatten den April als stärksten Monat des Jahres eingeplant. Der neue Film aus der «James Bond»-Reihe hätte für Rekordumsätze sorgen sollen. Stattdessen blieben die Leinwände dunkel, die Kinos mussten wegen Corona schliessen.

Am 6. Juni gehen sie nun wieder auf. Doch die Kinobetreiber sind alles andere als optimistisch. Sie kämpfen mit zwei Problemen: Bis die Kinos in den USA und Deutschland wieder öffnen, wird es keine neuen Blockbuster geben. Wochenlang müssen also alte Filme gezeigt werden.

Pathé will «Star Wars» zeigen

Die Kette Pathé, die grösste Kinobetreiberin der Schweiz, will dem entgegenwirken, indem sie Klassiker wie Hitchcocks «Die Vögel» oder «Spartacus» von Stanley Kubrick zeigen will. Sprecherin Giulia Griffin sagt, man wolle Klassiker und legendäre Filme auf die Leinwand bringen. Auch die «Star Wars»-Saga mit all ihren neun Teilen stehe auf dem Wunschzettel der Kinokette, die Verhandlungen mit den Rechteinhabern seien aber noch nicht abgeschlossen.

Das zweite Problem: Die Verantwortlichen sorgen sich, dass die Kinogänger gar nicht erst ins Kino zurückkommen, weil sie sich während des Lockdowns an das Streaming gewöhnt haben. Es gebe zwei gegenläufige Trends, sagt Pathé-Sprecherin Griffin. «Einerseits wollen viele nun primär wieder in die Natur und nicht ins Kino», sagt sie. «Andere sehnen sich nach Events, zu denen das Kino gehört und haben genug von Serien und Netflix auf kleinen Bildschirmen. Welcher Trend überwiegt, ist unmöglich zu sagen. Das gleicht dem Lesen einer Kristallkugel.»

Schutzkonzept wirft Fragen auf

Die Auflagen, die das am Freitag publizierte Schutzkonzept der Branche vorsieht, helfen nicht, die Nachfrage zu stimulieren. So sieht es etwa vor, zwischen den zusammengehörenden Besuchern mindestens einen Sitz freizulassen, was die Kapazität verringert. Doch der Mindestabstand kann damit wohl nicht überall eingehalten werden, Kantone könnten auf zwei Sitze Abstand pochen.

Hinzu kommen weitere Vorsichtsmassnahmen. So können etwa bei Pathé Besucher Snacks und Getränke nur online oder am Selbstbedienungsautomat kaufen. Viele Käufe dürften damit wegfallen. Dabei ist der Verkauf von Popcorn und Softgetränken ein wichtiges Standbein der Kinobetreiber. Zudem sollen Kinobesucher laut Pathé frühestens 20 Minuten vor dem Filmstart ins Kino und das Kino danach «zügig» verlassen.

Krise schon vor Corona

Auch die Werbeindustrie rechnet nicht mit vollen Sälen. Der Vermarkter Weischer, der den Markt dominiert, versucht, die Nachfrage nach Kinowerbung mit Aktionspreisen anzukurbeln. Das Kinojahr 2020 dürfte als eines der schwärzesten in die Geschichte eingehen. Schon vor der Coronakrise verzeichneten die grossen Ketten schlechte Verkäufe. Insgesamt verzeichneten sie zwischen Januar und Ende April im Vergleich zum Vorjahr Umsatzrückgänge zwischen 40 und 60 Prozent, wie Branchenkenner sagen.

Die Verunsicherung ist gross. Die Kinokette Arena zog eine Interviewzusage mit dieser Zeitung nach mehreren Tagen wieder zurück, Fragen zu den Auswirkungen der Coronakrise auf das künftige Geschäft werden nicht beantwortet. Die Kinokette Kitag bittet ihre Kunden um eine Einschätzung. «Haben Sie das Kino vermisst?», will die Swisscom-Tochter in einer Online-Umfrage wissen, die auf den eigenen Portalen aufgeschaltet wird. «Wie oft gingen Sie vor der Krise ins Kino? Wann werden Sie sich frühestens wieder einen Film anschauen? Aus welchen Gründen gehen Sie ins Kino?», fragt die Kitag.

Anderswo bleiben die Kinotüren noch zu. Ihr neuestes Multiplex-Kino in Spreitenbach AG dürfte Pathé noch bis im Juli geschlossen halten, sagt Sprecherin Giulia Griffin. Dort wollte Pathé eigentlich die Zukunft einläuten, etwa mit VIP-Stühlen, Logen und einem Bettenkino. Doch die Abstände lassen sich mit diesen Konzepten nicht einhalten. Für den Imax-Saal wiederum fehlen Filme, die gezeigt werden könnten. «Ein einigermassen wirtschaftlicher Betrieb ist damit leider nicht möglich».

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