Altpapier
Keine Papierproduktion mehr in Utzenstorf - Konzentration in Perlen

Die Papierfabrik Utzenstorf im Kanton Bern gibt die Produktion und den Vertrieb Ende Jahr auf. Betroffen sind 200 Angestellte. Die CPH Chemie + Papier Holding AG im luzernischen Perlen übernimmt auf 2018 die Kunden- und Altpapierlieferantenverträge.

Merken
Drucken
Teilen
Die Papierfabrik Utzenstorf wird geschlossen. Nur noch das Altpapier wird hier sortiert.

Die Papierfabrik Utzenstorf wird geschlossen. Nur noch das Altpapier wird hier sortiert.

Hanspeter Bärtschi

Damit wird die Fabrik in Perlen ab 2018 zur letzten Papierfabrik für Zeitungsdruck- und Magazinpapiere in der Schweiz. Mit der Übernahme sei das Altpapierrecycling für die Gemeinden in der Schweiz sichergestellt, teilte CPH am Dienstag mit. Das Altpapiersortierwerk am Standort Utzenstorf werde weitergeführt.

In Utzensdorf werden pro Jahr rund 260'000 Tonnen Altpapier verarbeitet. Die «Papieri» südlich von Solothurn kämpfte wegen sinkender Papierpreise seit längerem ums Überleben. Massgeblich verschlechtert hat sich die Lage laut Management durch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015.

Der starke Franken setzte der Fabrik wegen der hohen Exportquote von 50 Prozent zu. Zudem orientiert sich der inländische Papiermarkt an den Euro-Preisen.

Schon Ende 2015 musste das Unternehmen restrukturiert und refinanziert werden. Ein Schuldenschnitt verschaffte etwas Luft. «Die Massnahmen haben leider nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung der finanziellen Situation geführt», musste die Unternehmensspitze nun feststellen.

In der Papierfabrik Utzensdorf werden pro Jahr rund 260'000 Tonnen Altpapier verarbeitet
16 Bilder
Die Papierfabrik in Utzenstorf ist ein traditionsreiches Unternehmen
Bereits seit 1892 wird am Standort Utzenstorf Papier hergestellt
Der Kamin der Fabrik
Ab den 1960er Jahren ging in Utzenstorf alles in Richtung Altpapieraufbereitung und Recycling
1995 wurde eine neue Anlage für die Altpapieraufbereitung gebaut
Laut Unternehmen werden 25 Prozent der Haushaltssammlungen in der Schweiz nur in Utzenstorf verarbeitet.
Ein Blick auf die zwei Papiermaschinen «Mona» und «Lisa»
Aus dem Altpapier wurde neues Papier. Aufgezogen auf grossen Rollen.
Altpapieraufbereitung: Er hat alles im Blick
Die grossen Rollen müssen noch unterteilt werden.
Diese Rolle ist bereit, ausgeliefert zu werden.

In der Papierfabrik Utzensdorf werden pro Jahr rund 260'000 Tonnen Altpapier verarbeitet

Zur Verfügung gestellt

Mit dem geplanten Verkauf nach Perlen und der damit verbundenen Konzentration folgten die beiden Unternehmen der industriellen Logik, dass in der Schweiz nur eine Zeitungspapierfabrik Bestand haben könne, teilte die Papierfabrik Utzenstorf mit.

Mit dem Erlös aus dem Verkauf nach Perlen will die Papierfabrik Utzenstorf einen Sozialplan finanzieren und ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen. Die Zukunft der Belegschaft werde Gegenstand eines Konsultativverfahrens mit Arbeitgebervertretern bilden. Sollte eine Fortführung der Arbeitsverhältnisse nicht möglich sein, stünden aus dem Verkaufserlös genügend Mittel bereit, um den Sozialplan für die von einer allfälligen Massenentlassung betroffenen Mitarbeiter zu finanzieren.

Die CPH muss dank der Übernahme weniger Altpapier importieren. Damit könnten die Rohstoffpreise gesenkt werden und die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte verbessert werden, teilte das Unternehmen mit. CPH hatte im ersten Halbjahr 2017 die hohen Rohstoffpreise insbesondere für Altpapier zu spüren bekommen.

In Perlen werden ab 2018 jährlich gegen 500'000 Tonnen Altpapier aus inländischer Haushaltsammelware rezykliert und zu neuem Papier verarbeitet.

Branche in der Krise

Die Schweizer Papierbranche steckt seit langem in der Krise. 2010 wurde die Karton Deisswil in der Nähe von Bern stillgelegt, ein Jahr später war die "Papieri" Biberist im Kanton Solothurn am Ende. Die Laufenthaler Papierfabrik Ziegler musste 2016 die Segel streichen.

Was der Gemeindepräsident von Utzendorf zur Schliessung sagt, lesen Sie hier.