Schweizer Hotellerie
Kehrtwende nach einem verlorenen Jahrzehnt

Es geht wieder aufwärts mit der Schweizer Hotellerie – selbst in den kriselnden Bergregionen. Aber es gibt viel aufzuholen.

Niklaus Vontobel
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Das Fairmont Le Montreux Palace: In städtischen Regionen steigen die Logiernächte besonders stark an.

Das Fairmont Le Montreux Palace: In städtischen Regionen steigen die Logiernächte besonders stark an.

Keystone

Im Schweizer Tourismus versuchen die Marketingorganisationen vorsichtig, wieder Zuversicht zu verbreiten. Schweiz Tourismus spricht von einer «klaren Kehrtwende». Und tatsächlich gab es im August gegenüber dem Vorjahr ein schönes Plus. 4 Prozent mehr Gäste übernachteten in der Schweiz.

Selbst der kriselnde Tourismus in den Bergregionen konnte sich über eine Zunahme freuen. Graubünden hatte immerhin 3 Prozent mehr Logiernächte als im Vorjahr, das Wallis kam schon auf 5 Prozent. Das sind erfreuliche Zahlen. Endlich geht es auch mit den Hotels in den Bergregionen mal wieder aufwärts. Jedoch muss der Blick weiter zurückgehen als nur ein Jahr, wenn der aktuelle Zustand der Berghotellerie erfasst werden soll.

In dieser längerfristigen Perspektive ist das Bild nach wie vor wenig erfreulich. Der Kanton Graubünden hatte im August 2017 noch immer 4 Prozent weniger Logiernächte als 2012 – und gar 14 Prozent weniger als 2007. Dem Wallis erging es etwas besser. Hier waren es 6 Prozent weniger als 2012 und 8 Prozent weniger als 2007. Zehn Jahre mit negativem Wachstum. Von einem «verlorenen» Jahrzehnt zu sprechen, ist schon fast beschönigend.

Das Unterland boomt

Diese Verluste müssen umso mehr schmerzen, wenn der Hotelier in den Bergregionen auf das Unterland blickt. Dort erlebte die Hotellerie einen regelrechten Boom, wenn man auf die Logiernächte abstellt. Der Kanton Basel-Stadt hatte im August fast 50 Prozent mehr Übernachtung als 2007, Zürich über 30 Prozent.

Dieser Stadt-Land-Graben zeigt sich deutlich, wenn man die Entwicklung in grösseren Gemeinden anschaut. Mit den grössten Rückgängen musste in den letzten vier Jahren Arosa im Kanton Graubünden kämpfen, die grösste Zunahme hingegen hatte Opfikon im Kanton Zürich (siehe Tabelle). Immerhin können sich die Bergregionen damit trösten, dass die Logiernächte allein längst kein vollständiges Bild ergeben. In Arosa etwa ist der Rückgang dadurch stark überzeichnet, dass ein wichtiges Hotel vorübergehend ausfiel. Das «Posthotel» brannte ab und wird erst ab Frühjahr 2018 neu erbaut.

Chinesen zahlen tiefe Preise

Und überall in den Bergregionen wird an allen Schrauben gedreht, um wieder mehr Touristen anzulocken. In Arosa etwa verspricht sich Kurdirektor Pascal Jenny viel von einem neuen Bärenland, einem Heim für misshandelte Braunbären. «Wir erwarten im nächsten Sommer bei den einzelnen Hotels eine deutliche Zunahme der Logiernächte.»

Umgekehrt machen Opfikoner Hoteliers die unschöne Erfahrung, dass mit Logiernächten allein noch kein Gewinn gemacht ist. Hansruedi Bauer, Stadtschreiber von Opfikon, sagt: «Ich höre von Hoteliers, dass gerade chinesische Gruppen extrem niedrige Preise zahlen.» Es komme vor, dass Hotels damit nicht einmal die laufenden Kosten voll tragen könnten. «Das wird in Kauf genommen, um die Auslastung hochzuhalten.»

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