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Kampfansage an Teppich-Etagen

Gerechtigkeit, Solidarität und Würde: Diese Gewerkschaftlichen Anliegen standen an der Generalversammlung der Unia Sektion Solothurn mehr denn je im Zentrum. Der Aufruf: «Wir können etwas bewegen – Jetzt erst recht.»

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Jost

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Solothurner Zeitung

Marco Zwahlen

Kurzarbeit, Massenentlassungen, Firmenschliessungen... - die durch profitgierige Finanzjongleure ausgelöste weltweite Wirtschaftskrise fordert auch in im Kanton ihren Tribut. Und: Sie fordert die Gewerkschaften. Dies machte gestern Abend Markus Baumann, Leiter Unia-Sektion Solothurn, im Landhaus klar. Rund 300 Gewerkschafter kamen an die Generalversammlung.

Baumann ist überzeugt, dass «in Wahrheit zwei Krisen zusammen kommen. Die Finanzkrise verstärke eine klassische Überproduktionskrise der realen Ökonomie. So habe etwa die Autoindustrie schon seit vielen Monaten mehr Autos her, als die Konsumenten hätten kaufen können. Und genau von dieser Industrie ist die Solothurner Wirtschaft stark abhängig, da sie schweizweit am meisten Zulieferbetriebe hat.

Harte Worte an Feintool-Spitze

Baumann ging aktuell auf die Mühlemann AG Biberist, Tochter der Lysser Feintool-Gruppe, ein. Ende März kündigte diese an, dem Biberister Standort innert Jahresfrist dicht zu machen. 200 Stellen gehen verloren. Laut Baumann hat die Belegschaft am Donnerstag einstimmig beschlossen, «mit allen Mitteln für ihre Rechte zu kämpfen.» Und: Führung und Verwaltungsrat von Feintool sollen «für ihre Gleichgültigkeit in die Verantwortung» genommen werden. Grund: Seit Jahren haben Unia und Belegschaft auf die Misswirtschaft der ständig wechselnden Führung aufmerksam gemacht.

Ebenfalls immer wieder auf das Klumpenrisiko - der Biberister Betrieb ist zu 80 Prozent von Bosch abhängig. Wenn dann der neue Feintool-Verwaltungsratspräsident, Alexander von Witzleben, notabene seit 1998 Mitglied des Verwaltungsrates, erkläre, er habe erst seit November 2008 Kenntnis über den Zustand der Mühlemann AG, «ist das zynisch. Es stellt sich die Frage, weshalb sich solche Leute stattliche Summen an Verwaltungsratshonoraren zuschieben, obwohl sie ihre Hausaufgaben offensichtlich nicht gemacht haben», so Baumann.

Die Unia fordert: Der Feintool-Verwaltungsrat soll seine Honorare mindestens der letzten fünf Jahre denjenigen Mitarbeitern zur Verfügung stellen, die nun auf die Strasse gestellt werden..

Zusammenstehen und sich kundtun

Das sich der Kampf lohnt, zeigte sich diese Woche bei der Dihart AG. Die auf die Herstellung von Präzisionswerkzeugen für die Autoindustrie spezialisierte Dulliker Firma kündigte Anfang März der Belegschaft an, dass 90 der rund 150 Arbeitnehmenden ihren Job verlieren sollen. «Dank dem Druck der Belegschaft ist es gelungen, den Stellenabbau auf 47 zu reduzieren, und damit die Anzahl der Entlassungen praktisch zu halbieren», so Baumann.

Ein weiteres Beispiel sei im Zuge der Schliessung der Zellstoff-Fabrik Borregaard in Luterbach/Riedholz letzten November ausgehandelte Sozialplan. Er umfasst Leistungen der Firma von über 20 Mio. Franken und «trägt dem Schicksal der 440 entlassenen Mitarbeitern Rechnung». Juristisch geht dieser Kampf aber noch weiter.

Baumann rief zur Bewältigung der Krise das 10-Punkteprogramm der Unia Schweiz in Erinnerung. Dieses reicht von den Forderungen wie einem dritten Investitionspaket von mindestens 5 Milliarden, der Förderung innovativer Industrieprojekte im Bereich erneuerbarer Energien und Energieeffizienz, fairen Krediten für KMU-Betriebe, dem vollen Teuerungsausgleich zur Stärkung der Kaufkraft bis zur Sozialplan-Pflicht bei allen kollektiven Entlassungen. Weiter betonte er: «Wir Arbeiter müssen aufstehen, zusammenstehen und uns kundtun.» Damit verbunden war der Aufruf, an den 1.Mai-Umzügen aufzumarschieren.

Mitgliedschaft ist wieder «In»

2008 hielt zwar der Mitgliederschwund bei der Unia weiter an. Seit Anfang Jahr steigen die Mitgliederzahlen jedoch rasant. Finanziell ist die Sektion gut gerüstet. Die Jahresrechnung schliesst positiv ab. Und: Das Eigenkapital beläuft sich auf 5,8 Mio. Franken.

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