Michael Nittnaus

«Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt», gibt der jurassische Volkswirtschaftsdirektor Michel Probst zu. 2005 trat der Kanton Jura dem Wirtschaftsförderungsverbund der Westschweiz DEWS mit den Kantonen Waadt, Neuenburg und Wallis bei. Gleichzeitig gab man damit den beiden Basel und ihrer Basel Area den Korb. «Der DEWS entspricht besser unseren Bedürfnissen», hiess es damals.
Vier Jahre später sieht der Kanton Jura seine Mitgliedschaft beim DEWS als gescheitert an und sucht doch wieder die Nähe zum Wirtschaftsraum Basel. «Wir hatten beim DEWS kein Gewicht und konnten kaum Aufträge generieren», erklärt Probst. In der Standortpromotion für ausländische Firmen kommt es deshalb nun zu einer engen Zusammenarbeit des Jura mit der Wirtschaftsförderung beider Basel (Basel Area).

Dabei ist es vorerst eine reine Partnerschaft, die vier Jahre laufen soll. Der Kanton Jura bleibt organisatorisch und operativ autonom, zahlt aber für die Nutzung der Dachmarke Basel Area pro Jahr eine Viertel Million Franken. Nach einer Probephase von drei Jahren wird dann geprüft, ob er zum Vollmitglied der Basel Area werden soll. An der gestrigen Medienkonferenz in Laufen zeigten sich die drei Volkswirtschaftsdirektoren Peter Zwick (BL), Christoph Brutschin (BS) und Michel Probst (JU) zuversichtlich, dass diese Partnerschaft zum Vorteil aller gereichen wird.

Basel hinkte bisher Zürich hinterher

Brutschin stellte fest, dass die Wirtschaftsregionen Zürichs (Greater Zurich Area) und des Genfersees (Bassin Lémanique) bisher im Ausland präsenter waren und die Nordwestschweiz dringend die Kräfte bündeln müsse, um ausländische Firmen stärker auf die Vorzüge der Region aufmerksam zu machen. Eine Spezialität dieser Partnerschaft ist die Aufteilung der ausländischen Betreuungsgebiete.

Demnach bewirbt der Kanton Jura die Region unter der Dachmarke Basel Area vor allem in Frankreich, den Benelux-Staaten sowie Russland. In diesen Gebieten verfüge man bereits über ein leistungsstarkes, jurassisches Netzwerk, so Probst. Baselland und Basel-Stadt betreuen dagegen Deutschland, die USA, Kanada, Japan, China und andere Länder. Die anvisierten Firmen dürften vor allem im Bereich der Life Sciences tätig sein, denn dort liege der Schwerpunkt der Nordwestschweizer Wirtschaftsregion, hob auch Basel-Area-Präsidentin Suzanne Thoma hervor: «Das müssen wir klar nach aussen kommunizieren, denn viele unserer Kunden denken sonst in Kategorien wie Europa, China oder USA und haben Mühe, die Zentren Zürich, Genf und Basel zu separieren.»

Bindeglied zwischen Basel und Jurabogen

Thoma bedauert denn auch, dass es in der Schweiz noch nicht zu grösseren Verbünden gekommen ist und der «Kantönligeist» häufig vorherrsche. Zurzeit steht Basel Area mit niemandem sonst in Verhandlungen - auch nicht mit den Kantonen Aargau oder Solothurn, über deren Beitritt bereits letztes Jahr spekuliert wurde (die bz berichtete). Michel Probst sieht seinen Kanton aber auch als Bindeglied zwischen dem Pol Basel und dem Jurabogen und somit als Vorreiter: «Manche Grenzen bestehen eher im Kopf als in der Wirklichkeit. Die Wirtschaft kennt solche Grenzen nicht.»