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Joe Ackermann will nicht mehr in den Aufsichtsrat

Josef Ackermann der Vorstandschef der Deutschen Bank wechselt nicht in den Verwaltungsrat (Archiv)

Josef Ackermann der Vorstandschef der Deutschen Bank wechselt nicht in den Verwaltungsrat (Archiv)

Josef Ackermann steht vor dem Karriere-Aus: Der Vorstandschef der Deutschen Bank verzichtet auf einen Wechsel in den Aufsichtsrat, wie das eigentlich für den nächsten Mai geplant war. Woher der Sinneswandel kommt, ist unklar.

Bankenkreise bemühten sich aber umgehend, den Eindruck zu verwischen, Ackermann Entschluss könne etwas mit den Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Kirch-Prozess zu tun haben. In das Kontrollgremium des mit grossem Abstand führenden deutschen Geldinstituts soll statt Ackermann nun Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner einziehen.

Die spektakuläre Personalie versteckte sich in einer Börsenpflichtmitteilung, die die Deutsche Bank am Montagnachmittag verschickte. Die "extrem herausfordernden Verhältnisse auf den internationalen Finanzmärkten und im politisch-regulatorischen Umfeld" verlangten seine "volle Aufmerksamkeit als Vorsitzender des Vorstands der Bank", schrieb Ackermann. Sie liessen ihm "keinen Raum für die zur Realisierung des Vorhabens erforderlichen vielen Einzelgespräche mit Aktionären".

Überraschender Rücktritt

Umso überraschender ist nun der Verzicht Ackermanns, der als einer der einflussreichsten Banker Europas gilt und als Branchenvertreter den Schuldenschnitt für Griechenland mitverhandelt hat. Vertraute des Vorstandssprechers streuten am Rande der Euro-Finanzwoche in Frankfurt die Deutung, Ackermann fehle die Zeit, sich einzuarbeiten und Gespräche mit Anteilseignern zu führen. Ackermann selbst wollte sich nicht vor Journalisten äussern.

Keine Bestätigung gab es am Montag für die Vermutung, es bestehe ein Zusammenhang zwischen dem geplatzten Wechsel in den Aufsichtsrat und die Ermittlungen gegen Ackermann. Die Staatsanwaltschaft hatte vergangene Woche sein Büro in der Frankfurter Bankzentrale durchsucht und ein Verfahren wegen Falschaussage im Münchner Kirch-Prozess eingeleitet.

Über Kirch gestolpert?

Mit den Ermittlungen gegen die Spitze der grössten Bank des Landes erreicht die erbitterte Auseinandersetzung um die Verantwortung für die Insolvenz des Film- und Fernsehkonzerns von Leo Kirch im April 2002 einen neuen Höhepunkt. Der im Sommer verstorbene Kirch hatte der Bank und Breuer die Schuld an seiner Pleite gegeben und sie auf 3,3 Mrd. Euro Schadenersatz verklagt.

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