Flugbranche
Jetzt wird die Swiss von arabischen Airlines angegriffen

Arabische Airlines wie Emirates, Etihad oder Qatar planen zahlreiche neue Flüge aus der Schweiz. Die Swiss macht sich angesichts der neuen Offensive Sorgen.

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Emirates hebt ab – und will den Schweizer Markt angreifen (Archiv)

Emirates hebt ab – und will den Schweizer Markt angreifen (Archiv)

Keystone

Seit einigen Jahren sind die arabischen Fluggesellschaften international auf dem Vormarsch. Ins Visier der Sultane und Könige gerät vermehrt auch der Schweizer Markt, wie die Zeitung «Der Sonntag» berichtet.

Emirates Airlines lanciert zu den zwei existierenden, täglichen Verbindungen Zürich-Dubai ab Juni einen täglichen Flug Genf-Dubai. Ab September soll für den Abendflug ab Zürich ein grösseres Flugzeug eingesetzt werden.

Etihad Airways fliegt ab Juni stattt fünfmal neu täglich von Genf nach Abu Dhabi. Qatar Airways fliegt Zürich von Doha seit November täglich an, ab Mai wird auch Genf bedient.

Gulf Air fliegt ab dem 29. März dreimal pro Woche von Genf nach Bahrain. Je nach Nachfrage wird die Frequenz erhöht. In der Branche wird zudem erwartet, dass auch Oman Air bald die Strecke Zürich-Maskat lanciert.

Preise dürften 10 Prozent fallen

Die Swiss macht sich angesichts der neuen Offensive Sorgen: «Durch die Expansion der arabischen Fluggesellschaften erwarten wir einen deutlichen Kapazitätszuwachs in der Schweiz, der zu einem verstärkten Preiskampf führen könnte», sagt Sprecherin Sonja Ptassek im «Sonntag».

«Es ist fraglich, ob die Nachfrage, vor allem in Genf, den Kapazitätszuwachs der arabischen Fluggesellschaften rechtfertigt.» Philippe Raselli vom Reisebüro Holiday Maker, einem Spezialisten für Arabien-Reisen, ist sich sicher: «Die Preise nach Dubai oder Maskat dürften um bis zu 10 Prozent fallen. Schon heute unterbieten sich Swiss und Emirates immer wieder mit Sonderangeboten.»

Jahrelang keinen Treibstoff bezahlt

André Dosé, der ehemalige Swiss-CEO, kennt sowohl den europäischen als auch den arabischen Airline-Markt bestens: Der heutige Unternehmensberater war von 2006 bis 2007 Chef der Gulf Air in Bahrain. «Die arabischen Airlines müssen auf Teufel komm raus Transferpassagiere zu sich locken, um ihre Flieger zu füllen. Denn ein heimischer Markt existiert praktisch nicht.»

Die Orient-Carrier gehören zum grössten Teil reichen Öl-Staaten. «Sie sind alle massiv vom Staat subventioniert, wenn nicht direkt, dann indirekt», sagt Dosé. So müssen sie weniger Flughafen-Taxen bezahlen oder erhalten Rabatte beim Kerosin. «Bei Gulf Air haben wir jahrelang keinen Treibstoff bezahlt. Alles funktionierte nach dem Prinzip: linke Tasche, rechte Tasche. Das ist heute nicht anders.»

Auch Dosé ist überzeugt: «Der Preisdruck für europäische Airlines wie die Swiss wird gewaltig sein, und zwar schon in den nächsten zwei bis drei Jahren, vor allem im Premium-Segment der Langstrecken-Flüge.»

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