Wirtschaft

Imageschaden für Red Bull: Der Energydrink-Hersteller profitiert von Schweizer Subventionen für Zucker

Red Bull ist ein guter Kunde von Schweizer Zucker – eine Büchse enthält 27 Gramm Zucker.

Red Bull ist ein guter Kunde von Schweizer Zucker – eine Büchse enthält 27 Gramm Zucker.

Zahlungen an Schweizer Zuckerrübenbauern kommen indirekt dem Getränkehersteller Red Bull zugute. Die Höhe der Beträge bestreitet er.

Für seine Imagepflege gibt Red Bull gerne Geld aus. Der Energydrink-Hersteller aus Österreich ist in der Sponsoring-Welt eine grosse Nummer und finanziert Musikfestivals, Auto- und Snowboard-Rennen oder spektakuläre Sprünge von Extremsportlern aus dem All. Seit dieser Woche ist sein Image in der Schweiz aber angeknackst: Wie die SRF-Sendung «Rundschau» berichtete, profitiert Red Bull indirekt von den Subventionen des Bundes. Laut Schätzungen sind es bis zu zehn Millionen Franken – Red Bull bezeichnet diese Schätzungen jedoch als falsch.

Konkret geht es dabei um Zucker: Zuckerrübenproduzenten und Zuckerhersteller kämpfen seit Jahren mit rekordtiefen Preisen, die auf eine Überproduktion zurückzuführen sind. Kostete die Tonne raffinierten Zucker vor zehn Jahren noch 1000 Franken, sind es heute nur rund 400 Franken. Wegen des tiefen Preises unterstützt der Bund die Produzenten mit jährlich 36 Millionen Franken.

Red Bull füllt in St. Gallen Milliarden von Büchsen ab

Das kommt indirekt jedoch auch den Abnehmern von Schweizer Zucker zugute: Wenn Subventionen an Bauern gezahlt werden, wird ein geringerer Preis gezahlt. Dies sagte Mathias Binswanger, Ökonomieprofessor an der Fachhochschule Nordwestschweiz, gegenüber der «Rundschau». Der mit Abstand grösste Abnehmer von Schweizer Zucker ist Red Bull. Neben seinem Werk in Vorarlberg in Österreich betreibt der Energydrink-Hersteller auch eines in der Schweiz: In Widnau im St. Galler Rheintal füllt er jährlich mehrere Milliarden von Büchsen ab – wobei jede Büchse 27 Gramm Zucker enthält.

Insgesamt braucht das Unternehmen also sehr viel Zucker. Laut der «Rundschau» kauft es einen Viertel der gesamten Schweizer Zuckerproduktion auf. Damit ist Red Bull der wichtigste Kunde für die Schweizer Produzenten. Für sie ist ein so grosser Kunde Segen und Fluch zugleich. Zwar ist Red Bull ein guter und wichtiger Kunde, wie Guido Stäger, CEO von Schweizer Zucker, betonte. Durch seine Grösse geniesst Red Bull allerdings auch Verhandlungsmacht und kann auf tiefen Preisen auf EU-Niveau beharren. Und diese befinden sich seit Jahren auf Talfahrt. «Wenn die Preise nicht stimmen, kann man mit einem Kunden nicht zufrieden sein», sagte Josef Meyer, Präsident der Schweizer Zuckerrübenproduzenten.

Red Bull bestreitet die Höhe der Beträge, nicht aber die Beträge selbst. Die Schätzung der Höhe der Subventionen – welche die «Rundschau» auf bis zu 10 Millionen Franken beziffert – übertreffe die tatsächlichen Beiträge in erheblichem Masse, schrieb das Unternehmen. Wie hoch die Beiträge tatsächlich ausfallen, kommentierte Red Bull nicht.

Zukunft des Schweizer Zuckers steht auf der Kippe

Die Enthüllung löste in Bundesbern teilweise Kopfschütteln aus. Die Idee der Zahlungen sei dadurch untergraben, äusserte sich etwa GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy. Ob Zucker auch in Zukunft in der Schweiz hergestellt wird, ist aufgrund der schwierigen Marktlage ohnehin unsicher. Trotz Subventionen lohnt sich die Produktion offenkundig nicht. Rund 400 Bauern haben sich in den letzten vier Jahren aus der Rübenproduktion zurückgezogen und auf andere Bereiche umgesattelt.

«Die Schweiz muss sich die Grundsatzfrage stellen, ob sie hierzulande noch eigenen Zucker produzieren will oder ob sie den Selbstversorgungsgrad von aktuell zwei Dritteln aufgeben will», sagte Meyer letzten Oktober gegenüber CH Media. «Wir Bauern hoffen natürlich auf eine Zukunft des Schweizer Zuckers. Dafür braucht es aber eine minimale Abschirmung vom europäischen Markt.» Im letzten Oktober hat der Verband dazu eine Studie publiziert.

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