Schutzschicht

Im Kampf gegen Foodwaste: Migros spannt mit US-Firma zusammen – zur Freude von Bill Gates

Avocados sollen bald länger haltbar bleiben, verspricht die Migros.

Avocados sollen bald länger haltbar bleiben, verspricht die Migros.

Der Detailhändler kooperiert mit einer kalifornischen Firma, um Früchte und Gemüse länger haltbar zu machen. Dies geschieht in Form einer Sprüh-Schutzschicht, welche die Konsumenten gleich mitessen sollen.

Laut dem gemeinnützigen Verein Foodwaste.ch geht ein Drittel aller in der Schweiz produzierten Lebensmittel zwischen Feld und Teller verloren oder wird verschwendet. Das entspricht pro Jahr rund 2 Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln. Fast die Hälfte der Abfälle werden laut dem Verein in Haushalten und in der Gastronomie verursacht. Pro Person landen hierzulande jeden Tag 320 Gramm einwandfreie Lebensmittel im Abfall.

Doch die Industrie steckt in einem Öko-Dilemma. Denn einerseits fordern die Konsumenten eine Reduktion des sogenannten Foodwaste, aber auch von Plastikverpackungen, welche oftmals die einfachste Lösung für längere Frische sind. Die Migros hat nun eine Innovation angekündigt, die wegweisend daherkommt. Dafür geht sie mit dem kalifornischen Unternehmen Apeel Sciences eine Kooperation ein. Dieses hat eine neue Technologie entwickelt, welche Gemüse und Früchte länger haltbar machen soll. Zum Einsatz kommt eine pflanzliche Zusatzschicht.

Feuchtigkeit bleibt drinnen, Sauerstoff draussen

Als erster Partner in der Schweiz führt die Migros Genossenschaft Ostschweiz Avocados mit der «Apeel»-Schicht ein. Denner wird sie ebenfalls testen. In der Medienmitteilung heisst es, dass die meisten Früchte und Gemüse über eine Schale oder Haut verfügen, die sie schützt. Diese Aufgabe übernehmen pflanzliche Fette, so genannte Lipide und Glycerolipide. Sie sind in den Schalen, Samen und im Fruchtfleisch enthalten. Und aus solchen Lipiden bestehe auch die «Apeel»-Schutzhülle, die auf die Produkte gesprüht wird. «Sie hält die eigene Feuchtigkeit der Lebensmittel drinnen und den Sauerstoff draussen, was das Verderben der Produkte markant verlangsamt», schreibt die Migros. Wie lange die Haltbarkeit dadurch verlängert wird, sagt sie hingegen nicht.

Was aus Konsumentensicht überrascht: Die «Apeel»-Schutzhülle wird mitgegessen. Die pflanzliche Schutzschicht ist laut Migros geschmacklos und könne problemlos konsumiert werden. Somit ändere sich für die Konsumenten beim Verzehr der entsprechenden Produkte nichts. Eine Autorisierung des Bundes sei für die Lancierung von «Apeel» in der Schweiz nicht nötig gewesen, sagt ein Migros-Sprecher auf Anfrage. Denn die pflanzlichen Materialien seien EU-bewilligt und das Schweizer Lebensmittelrecht anerkenne die Standards der EU.

Ein Investment des Microsoft-Gründers

Derweil testen Coop und Migros auch so genannte Licht-Tattoos auf Früchten, um Plastik-Aufkleber zu ersetzen. In den Migros-Genossenschaften Zürich und Waadt wird die Technologie auf Bio-Avocados und Bio-Mangos getestet. Im Erfolgsfall könnte sie dann auch schweizweit eingeführt werden, sagt ein Sprecher. Ob die «Apeel»-Schutzhülle den Licht-Tattoos gar zum Durchbruch verhelfen könne, könne man zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht beurteilen.

Apeel wurde 2012 mit Subventionen in der Höhe von 100'000 Dollar von der Bill und Melinda Gates Stiftung gegründet. Der Microsoft-Gründer zählt nach wie vor zu den Mitfinanzierern, genauso wie namhafte US-Investmentfirmen.

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