Schweizer Börse
Im Aktienjahr 2015 sind starke Kursausschläge zu erwarten

Das Allzeithoch des SMI dürfte nächstes Jahr geknackt werden – aber nur vorübergehend.

Franz Schaible
Drucken
Teilen
Die Schweizer Börse hat ein beeindruckendes Jahr hinter sich. Was dürfen die Anleger 2015 erwarten? Keystone

Die Schweizer Börse hat ein beeindruckendes Jahr hinter sich. Was dürfen die Anleger 2015 erwarten? Keystone

KEYSTONE

«Auch nach fünfeinhalb Jahren Börsenhausse bleiben wir für die Aktien grundsätzlich positiv gestimmt», sagt Dieter Widmer, Leiter Kompetenzcenter Anlagen bei der Aargauischen Kantonalbank. Die Bewertung der Schweizer Titel sei immer noch fair und die Dividendenrendite mit drei Prozent weiterhin «überdurchschnittlich attraktiv».

Seit 2009 mehr als verdoppelt

Attraktiv waren Schweizer Aktien im bald zu Ende gehenden Jahr 2014 tatsächlich. Der Swiss Market Index (SMI), welcher die Börsenschwergewichte abbildet, ist um rund zehn Prozent auf über 9000 Punkte geklettert. Noch besser entwickelte sich der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) mit einem Plus von 13 Prozent (siehe Tabelle).

Auch die längerfristige Entwicklung der Aktienkurse ist eindrücklich. So ist der SMI nach dem Allzeithoch von 9548 Punkten im Mai 2007 auf 4234 Zähler im März 2009 abgetaucht – ausgelöst durch die Finanzkrise. Seit damals ging es, wenn auch mit Schwankungen, nur noch aufwärts; der SMI hat sich mehr als verdoppelt. Wer also damals beispielsweise 1000 Franken in ein SMI-Indexzertifikat investierte, hat heute 2130 Franken in der Hand.

Für Widmer ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. «Da wir von anhaltend tiefen Zinsen ausgehen, ist 2015 ein zwischenzeitlicher Durchbruch der 10 000-Marke im SMI absolut möglich.» Er betont aber «zwischenzeitlich». Denn es werde sich «der ruppigere Weg im zweiten Semester 2014» fortsetzen. Gemeint sind die starken Schwankungen, zum Beispiel im Oktober. Damals verlor der Leitindex der Schweizer Böse nach einer kurzen, aber heftigen Talfahrt fast 1000 Punkte und fiel unter die Marke von 8000 Zählern.

Auch Panagiotis Spiliopoulos schliesst 2015 einen «kleinen Ausflug» in Richtung SMI-Allzeithoch nicht aus. Ob nachhaltig oder nicht, sei offen, sagt der Leiter Research bei der Bank Vontobel. Allerdings dürfe die Aussagekraft des SMI isoliert auch nicht überschätzt werden, schränkt Spiliopoulos ein. Erstens bewegten sich viele SMI-Einzeltitel bereits auf Allzeithoch. Zweitens fliege der viel breiter abgestützte SPI schon seit Monaten von einem Allzeithoch zum anderen.

Dank tiefem Zinsumfeld

Wie sein Berufskollege Widmer prognostiziert Spiliopoulos weiterhin hohe Volatilität. Die Schweiz sei extrem mit der Entwicklung der Weltwirtschaft verbunden. «Die Krisen in der Ukraine oder in Russland sind eigentlich aufgrund der Handelsbeziehungen für die Schweizer Wirtschaft irrelevant.» Aber indirekt sei die Schweiz über die stark involvierten Märkte in Deutschland und Eurozone eben trotzdem tangiert.

So gesehen, wäre eine stabile Entwicklung des Schweizer Aktienmarktes bis Ende 2015 auf dem heutigen Niveau schon positiv. Für eine deutlich höhere Bewertung der Aktien bräuchte es echtes Gewinnwachstum bei den Unternehmen, so Spiliopoulos. Das heisst, die Weltwirtschaft, vorab in Europa, müsste sich «extrem verbessern». Die gute Performance der Schweizer Aktien 2014 sei weniger operativ getrieben gewesen, sondern vor allem wegen des tiefen Zinsumfeldes. Dieses sei für Unternehmen günstig, etwa wegen der tiefen Finanzierungskosten.

Was bedeutet das für Aktienanleger? «Zwischenzeitliche Kursverluste von 10 bis 15 Prozent müssen auf dem heutigen Niveau eingerechnet werden», antwortet Widmer von der Aargauischen Kantonalbank. Nebst der Zins- und Konjunkturentwicklung spielten vorab politische Ereignisse kurzfristig eine wichtige Rolle. «In diesem Zusammenhang steht auch das Verhältnis Schweiz - EU börsenmässig unter Beobachtung.»

Die Kursentwicklung 2014 ist gerade deshalb erstaunlich, weil im Normalfall für Aktienanleger Unsicherheit das «schlimmste Gift» ist. Das treffe zu, aber die Kurse seien zwar «nicht mehr günstig, aber deutlich von einer hohen Bewertung entfernt», begründet Widmer die Lust auf Aktien. Vontobel-Experte Spiliopoulos bringt zusätzlich die Rolle der Notenbanken mit ins Spiel. Die Anleger hätten sich fast daran gewöhnt, dass bei makroökonomischen Problemen «die Notenbanken als rettende Hand auftreten». Er meint die Tiefstzinspolitik, welche für Unternehmen wie erwähnt positiv sei.

«Punktprognose wäre unseriös»

Gerade wegen der politischen Unsicherheiten sind beide Experten bei ihren Prognosen zum Stand des SMI per Ende 2015 vorsichtig. «Eine Punktprognose wäre bei den erwarteten Ausschlägen nicht seriös», sagt Widmer. Ob seitens der Politik, der Rohstoffe, der Wechselkurse oder des Immobilienmarktes – «etwas wird passieren, was wir nicht wissen», ergänzt Spiliopoulos.

Aktuelle Nachrichten