Wirtschaft

«Ich will nicht Leute einstellen, die ich je nach Saison wieder entlassen muss»: Dieser Ostschweizer will Schweizer Daunen vor dem Abfallkübel retten

© Bilder: Arthur Gamsa (Ricken bach, 15. Oktober 2020

Die Daunen von Schweizer Gänsen werden meist weggeworfen. Dabei sind sie von höchster Qualität, findet Ilias Eker. Der Ostschweizer Duvetproduzent will deshalb Decken mit Schweizer Daunen produzieren.

Ilias Eker steht vor dem Füllkasten, in dem die Daunen beinahe schweben. Ein Saugrohr wie das eines Staubsaugers saugt die kleinen weissen Federn ab und bläst hinter ihm auf der Füllwaage das Duvet auf. Viel muss nicht rein, ein paar hundert Gramm der Gänsefederchen und die Decke ist flauschig. Ist der Stoff gefüllt spannt Eker die Decke auf einen Rahmen, gleicht mit einer Latte die Füllung aus. Dann näht die Steppmaschine gleichmässige Quadrate hinein, fertig ist das Duvet.

Noch ein Einmann-Betrieb

Zwischendrin berät Eker am Telefon Kunden oder sieht sich ihre Kissen und Decken an. Die Halle ist geräumig. Sie bietet Platz für die Steppmaschine, weitere Nähmaschinen, Waschanlagen, grossen, leichten Säcken voller Daunen und den ausgelegten Duvets zur Demonstration. Vor rund zwei Jahren verliess er die Fischer Bettwaren AG in Wädenswil, wo er sein Handwerk gelernt hatte, um sich in der Gewerbehalle in Rickenbach bei Wil selbstständig zu machen.

Ähnlich wie sein vorheriger Arbeitgeber produziert Eker die Duvets und verkauft sie direkt an die Kunden statt an Warenhäuser. «So spart sich der Kunde den Zwischenhändler», sagt er. Auch reinigt er Decken und Daunen.

Ilias Eker füllt ein Duvet mit Daunen.

Ilias Eker füllt ein Duvet mit Daunen.

Bis jetzt als Einmann-Betrieb. Noch. Neben der Kasse hängt ein Schrank mit neun Schliessfächern. «Platz für Mitarbeiter hätte es», sagt er. Mehr Leute einstellen will er aber erst, wenn sich sein Geschäft etabliert hat, sagt er. «Ich will nicht Leute einstellen, die ich je nach Saison wieder entlassen muss.» Zumal er sie auch ausbilden müsste.

Wohlgenährte Gänse für flauschige Decken

Einen entscheidenden Schritt nach vorn erhofft sich Eker von einer Innovation. Zumindest einige seiner Daunenduvets sollen nicht nur in der Schweiz hergestellt werden. Auch die Daunen sollen einheimisch sein. Eine Neuheit. Zwar gibt es in der Schweiz auch grössere Duvetproduzenten. Doch die Daunen und Federn sind samt und sonders importiert.

«Dabei gibt es auch Schweizer Daunen.» Sie seien sogar von hoher Qualität, sagt Ilias Eker. «Oft besteht importierte Ware, gerade aus China, aus zu kleinen Daunen.» Auch deshalb, weil die Gänse dort oft früh geschlachtet und schlecht gehalten werden. Schweizer Gänse lebten dagegen vor allem auf der Weide und ernähren sich natürlich», sagt Eker. Das Resultat seien grosse, bauschige Daunen mit vielen Verästelungen. So können sie die Luftkissen bilden, die die Wärme drinnen behalten und die Kälte draussen - nicht nur unter dem Federkleid von Gänsen, sondern auch in Duvets.

Wertvolle Daunen als Ausschussware

Daune ist nicht gleich Daune: Gross müssen sie sein, und viele Verästelungen haben.

Daune ist nicht gleich Daune: Gross müssen sie sein, und viele Verästelungen haben.

Auch wenn Schweizer Daunen mit den besten importierten Daunen mithalten können, werden sie meist weggeworfen. Ihre Nutzung lohnte sich wirtschaftlich nicht. «Der Gänsebraten zu Festtagen hat bei uns weniger Tradition als anderswo», sagt Eker. Nur rund 5000 Gänse werden in der Schweiz auf einigen wenigen Betrieben gehalten. So würden jeweils zu wenig Daunen der geschlachteten Tiere anfallen, um sie wirtschaftlich weiter zu verwenden - und Federn von lebend gerupften Gänsen verwende er ebenso wenig wie Daunen von Stopfgänsen. «Beides ist Tierquälerei.»

«Dass die Daunen aber weggeworfen werden, fand ich schade», sagt Eker. Er begann zu tüfteln und entwickelte schliesslich ein Verfahren, mit dem aucxh die wenigen Daunen genutzt weren könne.

Für viele Duvets reicht es aber dennoch nicht. Eker arbeitet mit einigen Ostschweizer Betrieben zusammen, die zusammen rund 2000 Gänse haben. «Das gibt pro Jahr um die 100 Duvets», sagt er. Mehr könnte es geben, wenn er noch weitere Gänsehalter von der Mitarbeit überzeugen könne.

Jetzt werden die Schlafzimmer hergerichtet

Die ersten Schweizer Daunenduvets kommen jedenfalls zur richtigen Zeit. Das Geschäft laufe gut dieses Jahr, gerade auch Online, sagt Eker. Der Juli sei sogar ein Rekordmonat gewesen. «Dabei ist das nicht die Saison, um neue Decken zu kaufen.» Das habe wohl etwas mit Corona zu tun, glaubt er. Die Leute blieben mehr zu Hause, blieben aber nicht untätig. «Erst machten viele den Garten, richteten vieles neu ein. Jetzt kommen die Innenräume.»

Das ist der Kultclip von Fischer Bettwaren:

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