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«Houston», Ralph Hamers hat ein Problem: Jetzt ermitteln die Niederlande gegen den neuen UBS-Chef

UBS-Chef Ralph Hamers muss sich aufgrund seiner früheren Tätigkeit als CEO der Bank ING in den Niederlanden einer Strafuntersuchung stellen.

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Auf zu neuen Taten: Ralph Hamers im Februar 2020 bei seiner Vorstellung als neuer CEO von UBS.

Auf zu neuen Taten: Ralph Hamers im Februar 2020 bei seiner Vorstellung als neuer CEO von UBS.

Keystone

«Houston»: Unter diesem Decknamen führte die niederländische Staatsanwaltschaft vor einigen Jahren eine Strafuntersuchung gegen die Grossbank ING mit dem aktuellen UBS-Chef Ralph Hamers an der Spitze. Im September 2018 einigten sich Bank und Behörde darauf, die Untersuchung beizulegen.

ING zahlte 675 Millionen Euro zuzüglich einer Busse von 100 Millionen Euro. Der für europäische Verhältnisse rekordverdächtig teure Vergleich reflektiert die Schwere des zugrunde liegenden Fehlverhaltens der Bank: Gravierende Verstösse gegen Gesetze zur Verhütung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, lautete der Vorwurf.

In der Tat stellten die Strafbehörden fest, dass ING-Kunden zwischen 2010 und 2016 zahlreiche Bankkonten zum Waschen von Hunderten von Millionen Euro verwendet hatten. Dies, obschon die Bank in jener Zeit mehrmals von der niederländischen Notenbank und der Europäischen Zentralbank gewarnt worden war und 2015 sogar eine erste Strafe erhielt, wie in den Gerichtsakten nachzulesen ist.

Aktivist gewinnt vor Gericht

Der Fall schlug hohe Wellen in der niederländischen Öffentlichkeit und in der Politik. Der ING-Verwaltungsrat sah sich veranlasst, Finanzchef Koos Timmermans zu opfern, obschon diesem kein persönliches Verschulden angelastet wurde. Ralph Hamers blieb im Amt, wenngleich er den Stuhl des CEO in der kritischen Zeit (2013) bestiegen hatte.

Den gütlichen Vergleich zwischen Bank und Strafbehörde wollte der niederländische Finanzaktivist Pieter Lakeman mit seiner Stiftung «Sobi» für eine transparente Finanzberichterstattung niederländischer Unternehmen aber nicht akzeptieren. Er verlangte eine gerichtliche Überprüfung des Vergleichs. Das Resultat hat das Appellationsgericht in Den Haag gestern vorgelegt – zum Nachteil Hamers.

Welche Folgen hat die neue Untersuchung?

Es bestünden genügend Anhaltspunkte, um diesen strafrechtlich zu verfolgen, heisst es in der Urteilsbegründung. Zwar hatte sich Hamers in einem Hearing des niederländischen Repräsentantenhauses für die Fehlleistungen der Bank entschuldigt («das hätte niemals passieren dürfen», «es tut mir sehr leid»), persönlich übernahm er aber keine Verantwortung.

Nach Auffassung der Rekursrichter ist dies der falsche Weg. Direktoren einer Bank dürften nicht ungestraft bleiben, wenn sie tatsächlich verbotenes Verhalten angeordnet hätten. Die Bürger müssten erkennen können, dass solches Verhalten nicht akzeptiert werde.

Offen bleibt indessen die Frage, ob die niederländische Staatsanwaltschaft in ihrer zweiten Strafuntersuchung im Fall ING zu einem anderen Ergebnis gelangt als vor zwei Jahren. Während ING in einer am Mittwoch verbreiteten Mittelung auf die bisherigen Untersuchungen der Strafverfolgungsbehörde verweist und die Forderung nach einem Verfahren gegen ehemalige und aktive Mitarbeitende der Bank als grundlos qualifiziert, zeigt Hamers neue Arbeitgeberin «volles Vertrauen» in dessen Fähigkeit, UBS zu führen.

Derweil hat Kläger Lakeman aber bereits einen Sieg errungen. Der 78-jährige ist in den Niederlanden als eine Art «Robin Hood» der Finanzwelt bekannt. Seine 1976 gegründete Stiftung hat schon einige erfolgreiche Verfahren gegen grosse Firmen angestrengt und diese auch zur Anpassung ihrer Jahresabschlüsse gezwungen.

In der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Lakeman 2009 mit dem Niedergang der DSB-Bank. Unter Verweis auf deren unsauberes Geschäftsmodell riet er im nationalen Fernsehen den Kontoinhabern, ihre Ersparnisse unverzüglich abzuziehen, um den Konkurs der Bank zu erzwingen – mit Erfolg.