Detailhandel
Hier bedient bald der Roboter: Media Markt versucht die Lücke zu Digitec zu schliessen

In den letzten sechs Jahren hat Media Markt in der Schweiz 30 Prozent an Umsatz eingebüsst. Der Elektronikhändler reagiert auf die Konkurrenz wie Brack und Digitec: Man baut den Onlineshop massiv aus – und setzt neu auch in der Schweiz auf Verkaufsroboter.

Benjamin Weinmann
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Nach Deutschland lanciert Media Markt Serviceroboter auch in der Schweiz.ho

Nach Deutschland lanciert Media Markt Serviceroboter auch in der Schweiz.ho

Minus 30 Prozent: So stark ging der Umsatz von Media Markt in den letzten sechs Jahren hierzulande zurück. Vom 1-Milliarden-Franken-Umsatz im Jahr 2010 sind beim ehemaligen Branchenprimus zuletzt nur noch 748 Millionen übrig geblieben. Gleichzeitig waren neun Standorte in dieser Zeit dazugekommen. Mehr hat im schrumpfenden Markt kein grosser Player verloren, weder M-electronics (Migros) noch Interdiscount (Coop).

Dafür sind andere gross geworden, so wie die Onlinehändler Brack und insbesondere Digitec, der seit 2015 mehrheitlich zur Migros gehört. «Wir haben den Onlinetrend ursprünglich verschlafen», sagt Martin Rusterholz, seit April neuer Länderchef. Das sei nun anders und Media Markt sei nach wie vor eine bekannte Marke in der Schweiz. «Diesen Vorteil gilt es auszunutzen.» Die Lösung sieht er im Zauberwort Omnichannel-Strategie, so wie momentan fast alle Detailhändler.

Neuer Test im Zürcher Sihlcity

Damit ist die optimale Verknüpfung des Geschäfts im Laden und im Internet gemeint. Die Kunden können in den Fachmärkten via Touchscreens das ganze Sortiment abrufen und bestellen. Geliefert wird nach Hause während eines vom Kunden gewünschten Zeitfensters, oder in die Filiale, wo der Kunde den Fernseher oder die Waschmaschine selber abholen kann.

Momentan sind 250 000 Produkte im Onlineshop erhältlich. Ziel sind mittelfristig eine Million. Im Zürcher Einkaufszentrum Sihlcity testet der Elektronikhändler zudem ab Oktober einen Verkaufsroboter, der Fragen beantwortet und die Kunden dann zum gewünschten Produkt in der Filiale führt. In Deutschland ist er für die Schwester-Kette Saturn am Hauptsitz in Ingolstadt bereits im Einsatz.

Rusterholz sagt, Media Markt gebe den stationären Handel nicht auf. «Im Gegenteil, wir möchten auch neue Fachmärkte eröffnen», sagt Rusterholz, der bereits einmal von 1996 bis 2009 beim Elektronikhändler tätig war und dabei unter anderem die Media Märkte in St. Gallen und Pratteln eröffnete. Man schaue sich derzeit «eine Handvoll» potenzielle Standorte an. Bereits sicher ist die Neueröffnung der Filiale Ende Oktober im Einkaufszentrum Gais in Aarau. Mit 870 Quadratmetern wird es der mit Abstand kleinste Media Markt in der Schweiz. Andere Geschäfte, so wie in Dietikon ZH, sind teilweise mehr als 4000 Quadratmeter gross.

«Wir tendieren in Zukunft zu kleineren Flächen», sagt Rusterholz, der auch in der Geschäftsleitung der Muttergesellschaft sitzt. Er nennt allerdings weder eine Zahl neuer möglicher Filialen, noch will er sagen, ob sich Media Markt vermehrt in Innenstädte vorwagt. «Alles ist möglich, wenn die Konditionen stimmen», sagt der 54-Jährige. Beschlossene Sache ist dafür der Auszug aus der ehemaligen Berner Markthalle.

Foto-Workshops für Kunden

Sind die meisten bestehenden Media Märkte zu gross? Rusterholz sagt: «Klar, früher brauchte es Platz für den Discman, dann für kleinere MP3-Player. Und heute hören die Jungen Musik online übers Handy.» Andererseits seien die Fernsehmodelle heute grösser. Media Markt hat zwar nur 28 Standorte, mit total 75000 Quadratmetern aber sogar mehr Fläche als Interdiscount mit 190 Geschäften.

Diese Fläche muss in Zukunft teilweise neu genutzt werden. «Das ist auch eine Chance, denn wir haben den nötigen Platz für neue Innovationen und Serviceangebote, um die Kundschaft ins Geschäft zu locken, wo sie die Produkte anfassen und ausprobieren können», sagt Rusterholz. «Vorstellbar sind auch Kurse für unsere technikaffine Kundschaft, zum Beispiel Fotografie-Workshops vor Ort.»

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