Heizöl
Heizöl: Besser jetzt den Tank füllen

Wer Heizöl braucht, füllt den Tank besser bald auf. Mit der Erhöhung der CO2-Abgabe ab Januar droht auf Ende Jahr ein Lieferengpass – und dies bei steigenden Preisen.

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Sven Millischer

Heizöl auf dem Rhein zu transportieren, ist derzeit ein teurer Spass. 86 Franken pro Tonne kostet die Fahrt von Rotterdam nach Basel. Vor vier Wochen lag der Preis noch bei 15 Franken. Der Grund: Der Rhein führt so wenig Wasser wie seit sechs Jahren nicht mehr. Mehrere Wochen hat es im deutschen Rheinland nicht mehr geregnet.

Halbe Miete bei ungeheizter Wohnung

Nach einem langen, heissen Sommer ist plötzlich der Herbst da und das Quecksilber sinkt in der Nacht bis auf die 7-Grad-Marke. Viele Vermieter haben noch nicht auf den Temperatursturz reagiert - und die Heizung noch nicht eingeschaltet. Wie können sich Mieter dagegen wehren? Ab welcher Temperatur ist der Vermieter verpflichtet zu heizen?

Regula Mühlebach, Geschäftsleiterin vom Mieterinnen- und Mieterverband der Deutschschweiz: «Wenn die Wohnungstemperatur länger als zwei Wochen unter 20 Grad Celsius bleibt, ist eine Mietzinsreduktion bis 20 Prozent möglich. In gravierenden Fällen haben Gerichte auch schon Ermässigungen von 50 Prozent beschlossen.» Doch bevor der Mieter das Recht auf eine Reduktion erhält, muss er dem Vermieter den Mangel mitteilen und ein Ultimatum stellen, «am besten mit eingeschriebenem Brief», sagt Regula Mühlebach. Somit kann im Streitfall ermittelt werden, wann der Mieter sich zum ersten Mal beschwert hat. Denn das Recht auf die Mietzinsreduktion haben die Mieter erst von diesem Zeitpunkt an. Hat der Mieter seinen Vermieter mehrere Male umsonst ermahnt, die Wohnung zu heizen, kann er den Mietzins auf ein Sperrkonto einzahlen, das die Schlichtungsbehörde festlegt.

Die 20-Grad-Regel gilt jedoch nur von 6 bis 23 Uhr. Danach dürfen die Temperaturen um
einige Grade gesenkt werden, um die Umwelt zu schonen. Wer noch lange wach bleiben will, muss sich eben warm anziehen - im wahrsten Sinne des Wortes. (th)

Bei Köln liegt der Pegel in der Fahrrinne bei unter zwei Metern. Je tiefer der Wasserstand, desto geringer die Frachtkapazität pro Schiff. Dies schlägt sich auch auf den Heizöl-Preis nieder: «Kostet der Transport zehn Franken mehr, verteuert sich das Heizöl pro 100 Liter um einen Franken», sagt der Aargauer Brennstoffhändler Christian Burger. Sobald der Regen einsetzt, werden die Frachtraten zwar zurückgehen. Aufgrund steigender Volumen dürfte der Rückgang aber moderat ausfallen, sagt Burger: «Der Preis wird sich bei etwa 40 Franken pro Tonne einpendeln.»

Idealer Zeitpunkt zur Tankfüllung

Normalisieren sich die Wasserstände auf dem Rhein, sei der Zeitpunkt gekommen, den heimischen Tank aufzufüllen, rät Mineralölhändler Richard Tschümperlin. Denn günstiger werde das Heizöl zumindest kurzfristig wohl kaum mehr.

Zum einen zeigt der Terminmarkt stetig nach oben: Pro Monat verteuert sich das Heizöl um ein bis zwei Franken. Getrieben werden die zukünftigen Preise von einem erwarteten Nachholbedarf in China, dessen Wirtschaft sich rasch erholt. Schliesslich wird Heizöl nicht nur für die Raumwärme benötigt. Ein Viertel des Bedarfs entfällt auch auf industrielle Prozesse.
Zudem rechnen die Meteorologen mit einem strengen Winter für die bevölkerungsreiche US-Ostküste, was die Preise auf dem Terminmarkt zusätzlich anheizt.

Zum anderen steigt in der Schweiz auf den 1. Januar 2010 die CO2-Abgabe von bisher Fr. 3.18 auf Fr. 9.50 pro 100 Liter. Mit den heutigen Marktpreisen gerechnet verteuert sich das Heizöl damit um knapp 10 Prozent. Dies entspricht einem Kaufkraftverlust von rund einer halben Milliarde Franken. Mineralölhändler Tschümperlin ist deshalb überzeugt, dass viele Haushalte ihre Tanks noch bis Ende Jahr füllen wollen. Mögliche Konsequenz: längere Lieferfristen und logistische Engpässe.

Wer spät bestellt, zahlt mehr

Denn letztlich bestimme das Datum der Auslieferung den jeweiligen Rechnungsbetrag, mahnt Rolf Hartl von der Erdöl-Vereinigung: «Wer also zu spät bestellt, der zahlt womöglich bereits die höhere CO2-Abgabe.» Um auf Nummer sicher zu gehen, rät Hartl deshalb, bis Anfang November das Heizöl zu ordern.

Allerdings ist der Leidensdruck bei den Heizöl-Bezügern heuer geringer als auch schon: So waren die Tanks Ende Juli zu 35 Prozent gefüllt gegenüber 29 Prozent im Vorjahresmonat. Nach der Hausse 2008, als der Preis auf über 130 Franken kletterte, wurde im ersten Halbjahr kräftig Heizöl gebunkert: Die Nachfrage lag zwischen Januar und Juni rund 40 Prozent höher als in der Vorjahresperiode.