In blauer Berufsjacke, blauer Berufshose und schwarzen Sicherheitsschuhen steht er in der Werkstatt, in welcher es leicht nach Öl riecht: Rolf Bläsi ist ein Mann, der zupacken kann.

Erwähnenswert ist seine Bekleidung deshalb, weil er CEO der Aeschlimann AG in Lüsslingen bei Solothurn ist. Kein Kleinbetrieb, sondern ein spezialisiertes Unternehmen für Kleinst- und Grossdrehteile, mit 160 Angestellten und einem Umsatz von über 30 Millionen Franken.

«Die Berufskleidung habe ich nicht extra für das Zeitungsfoto angezogen. Ich stehe tatsächlich jeden Tag in der Werkstatt und kann fast jede Maschine bedienen», versichert der gelernte Décolleteur-Mechaniker lachend.

Wobei Werkstatt stark untertrieben ist. In drei Hallen fertigen die Mitarbeitenden auf über 250 Maschinen, Automaten und Bearbeitungszentren jährlich weit über 50 Millionen Teile. Der Maschinenpark ist breit diversifiziert – von 50-jährigen Tornos-Langdrehautomaten bis zu modernsten Hightech-CNC-Bearbeitungszentren.

Start mit Uhrenschrauben

Seinem Naturell entsprechend legt Bläsi auf dem Betriebsrundgang gleich Hand an und greift bei einem Langdrehautomaten in den Auffangbehälter. Das bearbeitete Drehteil ist winzig klein, von blossem Auge ist nicht zu erkennen, um was es sich handelt.

Bläsi klärt auf: «Es ist eine Kleinstschraube für den Einbau in Uhrwerke.» Millionenfach werden diese im teilweise automatischen 24-Stunden-Betrieb gefertigt.

In den Uhrenschrauben liegt denn auch der Ursprung der Firmengeschichte. 1937 gründeten Werner und Anna Aeschlimann das gleichnamige Schraubenmacher-Atelier.

Aus dem Kleinstbetrieb ist bis heute eines der grössten Décolletageunternehmen der Schweiz entstanden – ein typischer Vertreter der Solothurner Industrielandschaft.

Heute produziert Aeschlimann Präzisionsdrehteile zwischen 1 und 65 Millimeter Durchmesser. Prüf- und Kontrollzentren mit gegen 8000 Prüf- und Messmittel sind dezentral in der ganzen Produktion angesiedelt.

Die Teile werden nebst in Uhren in Diesel-Hochdruckpumpen, ABS-Systeme, in Naben und anderen Komponenten für Fahrräder, in Insulinpumpen, in Rechaudbrenner oder in Ventile in Dampfkochtöpfen eingebaut.

Die grössten Abnehmer sind die Auto- und Uhrenindustrie sowie die Elektronik- und Hydraulikbranchen, Hauptmarkt ist neben der Schweiz Europa. Der Exportanteil liegt bei 65 Prozent.

Kein Wunder, reagierten Bläsi und seine Führungscrew umgehend auf die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze Mitte Januar. Zusammen mit der Belegschaft und der Gewerkschaft Unia wurde vereinbart, die Arbeitszeit sofort von 40 auf 42 Stunden zu erhöhen.

«Das hat uns sehr viel gebracht, denn die Auftragslage war und ist gut.» Die Massnahme habe es erlaubt, den Output zu steigern, ohne die Lohnkosten zu erhöhen. Das falle ins Gewicht, weil der Personalaufwand mit einem Anteil von 43 Prozent am Gesamtumsatz der grösste Kostenblock sei.

Auslagerung wäre zu teuer

Die Verlängerung der Arbeitszeit sei zwingend gewesen, weil die Kunden umgehend Währungsrabatte verlangt hätten. Zudem habe der Konkurrenzdruck insbesondere aus dem süddeutschen Raum massiv zugenommen.

Es sei auch zu einem kleinen Stellenabbau über Frühpensionierungen und natürliche Abgänge gekommen. Hinzu verbessere man stetig die Effizienz mit immer ausgeklügelteren Fertigungsmethoden. «Wir investieren jedes Jahr rund zwei Millionen Franken in den Maschinenpark.»

Nicht nur innerbetrieblich ist Rolf Bläsi bodenständig, auch sonst fühlt er sich der hiesigen «Scholle» verpflichtet. «Eine Auslagerung der Produktion ins günstigere Ausland kommt für uns nicht infrage.»

Die Initialkosten wären enorm und die Qualitätsansprüche könnten beispielsweise in Osteuropa nicht ganz so einfach erfüllt werden. Ist das angesichts der Globalisierung – auch in der Fertigung – nicht eine etwas gefährliche Einstellung?

Nein, Bläsi nennt es «eher konservativ». «Das vor 78 Jahren gegründete Unternehmen hat bereits viele Stürme überlebt. Wir glauben an den Standort Schweiz und sind überzeugt, auch künftig hier wettbewerbsfähig produzieren zu können.»

Berufsnachwuchs ist Kernaufgabe

Um dieses Ziel zu erreichen, seien nebst den erwähnten hohen Investitionen in die Verfahrenstechnik und den Maschinenpark gut qualifizierte Berufskräfte unabdingbar. «Wir bilden derzeit 20 Lernende in technischen Berufen aus. Für den beruflichen Nachwuchs müssen wir selbst sorgen.»

Blauäugig ist Bläsi trotz klarem Bekenntnis zum Werkplatz Schweiz aber nicht. Garantien gibt er deshalb keine ab. Die Frankenstärke sei und bleibe ein «sehr, sehr grosser Wettbewerbsnachteil». Die sonst schon knappe Marge schmelze dahin.

«Wir können derzeit kein finanzielles Polster anlegen.» So hofft er, dass der Eurokurs dereinst wieder auf über 1.10 Franken steigen wird. «Schon das würde uns helfen.»

Alle Aktionäre arbeiten mit

An der Auftragslage soll es nicht liegen. «Bis im Sommer 2016 ist der Auftragsbestand sehr gut.» Er sagt aber auch: «Das kann blitzartig ändern.»

Deshalb achtet man im Traditionsbetrieb auf eine sehr schlanke Führungsstruktur mit kurzen Entscheidungswegen, um auch adäquat auf Änderungen reagieren zu können.

Dazu brauche es keine Verwaltungsratssitzung, sondern eine kurze Besprechung innerhalb der Geschäftsleitung reiche. Alle Aktionäre sind nämlich in der Unternehmung aktiv, wie Bläsi, der die Mehrheit am Unternehmen besitzt, erläutert.

«Die Eigenverantwortung wird so hochgehalten», sagt Bläsi – und wendet sich in der Produktion einem Mitarbeitenden zu, um mit ihm ein technisches Problem am Drehautomaten zu besprechen. Der Alltag hat ihn wieder.