Fluggesellschaft

Grounding: Corona-Virus bricht der grössten Regional-Airline Europas das Genick

Todesstoss Coronavirus: Britische Regional-Airline stellt Betrieb ein

Die britische Regional-Airline Flybe ist am Boden. Am Donnerstag hat sie den Betrieb per sofort eingestellt.

Der angeschlagene britische Regionalflieger Flybe hat mit sofortiger Wirkung seinen gesamten Flugbetrieb eingestellt. Die Airline wurde unter staatliche Administration gestellt.

In der Nacht auf Donnerstag verkündete die Airline Flybe, die grösste Regionalfluggesellschaft Europas, dass sie ihren Betrieb per sofort einstellt und sich unter britische Administration stellt. Das teilte das Unternehmen am auf seiner Website mit.

Die britische Civil Aviation Authority (CAA) würde sich nun um die Organisation und die Rückführung der Passagiere kümmern. Anders als in der Schweiz, ist in Grossbritannien in einem solchen Notfall der Staat für die Rückführung der Passagiere verantwortlich.

Die CAA riet Passagieren, nicht zum jeweiligen Flughafen zu fahren, da die Airline den Flugbetrieb vollständig eingestellt habe.

Dass Flybe Geldpropleme hatte, ist nicht neu. Bereits seit Januar hatte die Airline, die 1979 gegründet wurde, akute Finanzierungsprobleme. Man hätte seit dann mit der britischen Regierung über Massnahmen gesprochen, um dem Flugbetrieb aufrecht erhalten zu können. Zuerst zeigte sich die Regierung von Premierminister Boris Johnson offen für eine staatliche Unterstützung. Auch wurde sogar über eine mögliche Beteiligung des britischen Staates an der Airline gesprochen.

Corona-Virus als Todesstoss für kriselnde Airline

Als erste Massnahme wurde der Airline ein Aufschub der Steuerzahlungen gewährt. Schlussendlich reichte dies jedoch nicht. Da das Flug-Buchungs-Geschäft wegen des Corona-Virus stark rückläufig ist, sind bei Flybe die Buchungen zusammengebrochen. «Das hat eine schlimme Situation noch weiter verschlimmert», zitiert die Zeitung «Financial Times». Der Airline ging wegen des Corona-Virus das dringend benötigte Geld aus.

«Flybe hat den Betrieb eingestellt», heisst es auf der Website der Airline.

«Flybe hat den Betrieb eingestellt», heisst es auf der Website der Airline.

Der Airline-Chef Mark Anderson bedauerte in einer Mitteilung gegenüber seinen Angestellten die Insolvenz der Fluggesellschaft: «Mit enormer Trauer und grossem Bedauern teile ich die erschütternde Nachricht mit, dass Flybe demnächst Insolvenz anmeldet. Unsere Aktionäre und das Führungsteam haben zwar mit der Regierung und den wichtigsten Zulieferern zusammengearbeitet, um die erforderliche Finanzierung und Unterstützung zu erhalten, aber dies ist nicht geschehen.»

Für die betroffenen Passagiere bedeutet dies nun warten oder Umbuchen. An den rund 56 Flugdestinationen von Flybe sind Tausende Passagiere gestrandet, die nun nicht mehr nach Hause kommen oder in die Ferien fliegen können. Diese müssen nun warten, bis die britische Regierung die Rückführung organisiert hat.

Tragisch ist das Ende von Flybe vor allem aber auch für kleinere regionale Flughäfen. So war die Regional-Airline in Southampton für rund 95 Prozent der Flüge verantwortlich, am nordirischen Belfast City Airport für 80 Prozent, am südenglischen Exeter Airport für 78 Prozent und am Flughafen Newquay in Cornwall war Flybe für 65 Prozent aller Flugbewegungen verantwortlich.

Problem auch für andere Airlines

Gleichzeitig warnen britische Medien nun davor, dass dies nicht die letzte Airline gewesen sein dürfte, die wegen des Corona-Virus in finanzielle Schieflage gerät. Das Fluggeschäft leide enorm unter den Folgen der Epidemie, es sei daher dringend notwendig, dass sich Regierungen dafür einsetzen würden, Jobs im Airline-Sektor zu retten, die nun wegen des Virus gefährdet seien, schreibt etwa die britische Zeitung «The Guardian».

Flybe ist derweil nicht die einzige Airline, die unter der Ausbreitung des Corona-Virus leidet. Erst am Mittwoch gab die Swiss bekannt, dass sie Flüge wegen des Corona-Virus massiv reduzieren müsse und daher Anpassungen am Streckennetz vornehme. Eine Swiss-Sprecherin erklärt gegenüber CH Media, dass dadurch rund 14 Flugzeuge auf dem Boden bleiben würden.

Nicht die erste Airline-Pleite in Grossbritannien

Mit dem Flybe-Aus erlebt das Vereinigte Königreich gleich den vierte Airline-Konkurs innerst drei Jahren, wie das Aviatik-Portal Aero Telegraph berichtet. Die Airline Monarch stellte ihren Betrieb im Oktober 2017 ein, Die British Midland Airways ging im Februar 2019 in Konkurs, und der Reiseveranstalter Thomas Cook ging mit seiner Fluggesellschaft Thomas Cook Airlines im September 2019 in Insolvenz.

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