USA

Grosse Gewinne: «Big Tech» mag in Washington unter Druck stehen – die Konsumenten aber lieben Amazon.com, Facebook & Co.

Einer der Hauptgewinner: Amazon-Chef Jeff Bezos.

Einer der Hauptgewinner: Amazon-Chef Jeff Bezos.

Nach der politischen Abreibung am Mittwoch nun Quartalsabschlüsse, die das Herz der Börsianer höher schlagen lassen: Die Chefs der vier grossen Internet-Konzerne Alphabet, Amazon.com, Apple und Facebook haben am Donnerstag nach Börsenschluss tiefschwarze Ergebnisse präsentiert.

Amazon.com ist fraglos einer der grossen Gewinner der Corona-Krise. Im vergangenen Quartal setzte das Internet-Warenhaus aus Seattle 88,9 Milliarden Dollar aus – was umgerechnet einem Plus von mehr als 40 Prozent gegenüber dem 2. Quartal 2019 entspricht, in dem die industrialisierte Welt nicht in einem Lockdown lebte.

Obwohl auch die Vertriebskosten stark zunahmen (um mehr als 20 Milliarden Dollar!), explodierte der Unternehmensgewinn: Unter dem Strich stieg das Nettoeinkommen von Amazon.com von 2,6 Milliarden Dollar (2. Quartal 2019) auf 5,2 Milliarden Dollar (2. Quartal 2020).

Nach Börsenschluss legte die Amazon-Aktie, die seit Jahresbeginn zu den grossen Gewinnern gehört, deshalb vorübergehend bis zu 5 Prozent zu. Damit stieg das Vermögen von Amazon-Gründer Jeff Bezos, der gegen 11 Prozent der Aktien besitzt, noch einmal um 1 Milliarde Dollar an, um nunmehr 181 Milliarden Dollar.

Facebook: Schwarze Zahlen trotz Werbeboykott

Auch der Social Media-Gigant Facebook kann sich mit den Resultaten des vergangenen Quartals zufrieden zeigen. Obwohl sich der Internet-Konzern mit einem Werbeboykott von einflussreichen Kunden konfrontiert sah, stiegen die Einnahmen (im Vergleich zum 2. Quartal 2019) um 11 Prozent auf 18,7 Milliarden Dollar an.

Das Quartalseinkommen betrug fast 5,2 Milliarden Dollar, was ähnlich wie bei Amazon.com einer Verdoppelung gegenüber dem Vergleichsquartal im Vorjahr entspricht. Die Facebook-Aktionäre zeigten sich hochzufrieden über hohe Rendite und steigende Nutzeraktivitäten und die Aktie legte in der Nachbörse um bis zu 7 Prozent zu.

Google-Mutterhaus: Umsatzrückgang

Einen herben Rückschlag hingegen musste Alphabet hinnehmen, die Muttergesellschaft von Google und YouTube. Erstmals seit dem Börsengang im Jahr 2004 sah sich das Internet-Unternehmen mit einem Umsatzrückgang konfrontiert. Im 2. Quartal 2020, von April bis Juni, beliefen sich die Einnahmen auf 38,3 Milliarden Dollar, was einem Minus von 2 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal 2019 entspricht.

Obwohl dies die Erwartungen der Analysten übertraf, litt darunter das Nettoeinkommen des Internet-Konzerns. Der Gewinn sank von 9,9 Milliarden Dollar (2019) auf 6,9 Milliarden Dollar (2020), was einem Minus von fast 30 Prozent entspricht. Der Kurs der Alphabet-Aktie legte, nach einem anfänglichen Rückschlag, leicht zu.

Apple: Besser als erwartet

Besser als erwartet fielen schliesslich auch die Quartalszahlen des Technologie-Konzerns Apple aus; Konzernchef Tim Cook sprach gar von «historischen Resultaten». Der Umsatz von April bis Juni 2020 belief sich auf 59,7 Milliarden Dollar, was einem Plus von 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht. Das Nettoeinkommen nahm leicht zu, von 10 Milliarden Dollar (2019) auf 11,2 Milliarden Dollar (2020).

Apple verkaufte vor allem in Amerika und Europa mehr Produkte, wobei das iPhone (Gesamtumsatz: 26,4 Milliarden Dollar) einmal mehr die Haupteinnahmequelle war. Die Umsätze in China hingegen stagnierten im vergangenen Quartal. Die Apple-Aktie legte nach Börsenschluss zwischenzeitlich mehr als 5 Prozent zu. (CEO Cook kündigte am Donnerstag im Gespräch mit Analysten einen Aktiensplit im Verhältnis 4 zu 1 an.)

Politischer Druck wird nicht nachlassen

Unter dem Strich zeigt sich: Die vier grossen Internet-Konzerne haben sich bisher in der Krise gut geschlagen – selbst Alphabet ist immer noch hochprofitabel. Und der politische Druck auf die «Big Tech»-Unternehmen, die im Verdacht stehen, ihre Marktmacht zu missbrauchen, hat bisher keine Auswirkungen auf den Reingewinn gehabt.

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