Gesundheitswesen

Grösste Krankenkasse der Schweiz hält Transparenz-Vorschrift nicht ein

Die CSS rückt die Geschäftsberichte ihrer verschiedenen Anbieter nicht raus (Symbolbild).

Die CSS rückt die Geschäftsberichte ihrer verschiedenen Anbieter nicht raus (Symbolbild).

Der Kassenriese CSS mit den meisten Grundversicherten in der Schweiz kann die Geschäftsberichte seiner Töchterfirmen nicht liefern. Damit verstösst der Branchenprimus gegen eine Bundesverordnung.

Je kränker die Finanzen einer Krankenkasse sind, desto höhere Prämien zahlen die Versicherten. Der Fiebermesser ist der Geschäftsbericht: Der Gesetzgeber verlangt deshalb in Artikel 85a der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV) nicht nur, einen Geschäftsbericht zu veröffentlichen und diesen alljährlich bis zum 30. Juni dem für die Aufsicht zuständigen Bundesamt für Gesundheit (BAG) zuzustellen. Gemäss BAG-Sprecher Daniel Dauwalder gilt auch: «Krankenversicherer, welche die Grundversicherung anbieten, sind verpflichtet, allen interessierten Personen einen Geschäftsbericht auf Anfrage abzugeben.»

Die «Nordwestschweiz» machte die Probe aufs Exempel. Etliche grössere Kassenkonzerne haben mehrere Anbieter. Helsana und Groupe Mutuel publizieren die Geschäftsberichte dieser Grundversicherungstöchter bis im Sommer im Internet. Die Visana integriert Bilanz- und Erfolgsrechnung ihrer Töchter im Bericht des Konzerns. KPT, Sanitas, Swica und Sympany liefern die Berichte ihrer Grundversicherer auf Anfrage.

Der Luzerner Kassenriese CSS mit 1,21 Millionen Grundversicherten, verteilt auf die Kassen Arcosana, CSS, Intras und Sanagate, war dazu nicht in der Lage. Sprecherin Sandra Winterberg bestätigt: «Wir geben keine detaillierten Geschäftsberichte unserer Tochterfirmen heraus, welche die Grundversicherung anbieten.» Die Zahlen würden konsolidiert im Geschäftsbericht der Gruppe ausgewiesen.

Im Klartext: Die CSS hält die Verordnung nicht ein. Dazu sagt BAG-Sprecher Dauwalder: «Wir haben nie eine Klage von jemandem in diesem Bereich erhalten und bis anhin auch nicht systematisch überprüft, ob Einzelabschlüsse publiziert werden.» Im Fall der CSS räumt Sandra Winterberg nun ein: «Wir prüfen eine Änderung der bisherigen Praxis im Hinblick auf die Zahlen für 2013.»

Kassenvergleich heute einfacher

Dass die CSS dazu nicht in der Lage ist, überrascht den Krankenversicherungsexperten des Prämienvergleichsdiensts comparis.ch, Felix Schneuwly, der früher für den Kassenverband Santésuisse tätig war: «Die Verordnung fordert diese Transparenz.» Er kritisiert aber auch die Aufsicht: «Das BAG hätte längst verlangen müssen, dass alle Krankenversicherer diese Geschäftsberichte publizieren.» Stattdessen lanciere es ein neues, «monströses» Aufsichtsgesetz.

Immerhin gilt seit 2012 ein einheitlicher Buchhaltungsstandard. Das erleichtert Vergleiche unter den Grundversicherern. Wer dies tun wollte, war bis anhin auf die sogenannten Aufsichtsdaten angewiesen. Diese publiziert das BAG jeweils nach der Sommerpause auf seiner Website. Das dreiseitige Papier listet die wichtigsten Kennzahlen (siehe Box) aller Grundversicherer auf. Diese anzusehen, lohnt sich gemäss Schneuwly: «Vor einem Kassenwechsel sollte man sich auf comparis.ch nicht nur über die Prämienhöhe und allenfalls über die Zufriedenheit der Kunden orientieren, sondern auch über den Zustand der Finanzen.»

Sind diese zerrüttet, benötigt der Krankenversicherer nämlich früher oder später höhere Prämien. Wie gravierend die Schieflage ist, zeigt der Geschäftsbericht.

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