Mit der Schliessung reagiert die Glas Trösch Holding AG «auf das sich stark veränderte Marktumfeld, den sehr grossen Kostendruck in der Automobilzulieferindustrie und die sehr schwierige wirtschaftliche Situation auch aufgrund der Frankenstärke», heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag.

Grosser Kostendruck und Frankenstärke

In Trimbach werden anspruchsvolle Rundumverglasungen oder Einzelkomponenten entwickelt und für den Prototypenbau oder als hochwertige Kleinserien produziert. Seit der Finanzkrise 2007 sind laut Glas Trösch die Produktionskapazitäten bei den Grossserien-Herstellern von Automobilglas nicht mehr ausgelastet. Diese meist sehr grossen Firmen würden nun versuchen, ihre Überkapazitäten auch mit dem Prototypenbau und der anspruchsvollen Kleinserienproduktion auszulasten.

Der Kostendruck in diesem Nischenmarkt habe durch den erhöhten und erweiterten Wettbewerb stetig zugenommen. Zudem seien die Qualitätsansprüche der Automobilindustrie und die durch die Lieferanten zu erbringenden Leistungen auch bei den Verglasungen laufend gestiegen und hätten höhere Produktionskosten verursacht.

Ein sehr wichtiger Faktor für das Werk Trimbach ist der Frankenkurs. Mit einem Exportanteil von über 90 Prozent wird der Markterfolg durch den Wechselkurs sehr stark beeinflusst. «In Trimbach wurden in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen, um die Wettbewerbsfähigkeit bei einem Wechselkurs von CHF 1.20 zu erhalten. Durch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat sich die Situation nun massiv verschlechtert.»

Konsultation der Arbeitnehmerschaft

Die Unternehmensleitung bedauert sehr, wie sie in der Mitteilung schreibt, dass die geplante Schliessung zu Entlassungen führen könnte. Für die Situation der allfällig betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe sie «grosses Verständnis».

«Mit den Arbeitnehmenden des Betriebs Trimbach wird die Geschäftsführung eng zusammenarbeiten, um eine sorgfältige Konsultation zu ermöglichen.» Die Arbeitnehmenden sollen dabei Gelegenheit haben, Vorschläge zu unterbreiten, wie die Kündigungen vermieden oder deren Anzahl allenfalls beschränkt werden könnte.

Die laufenden und vertraglich zugesagten Kundenlieferverträge sollen noch erfüllt werden.

Trimbach ist kein Einzelfall. Bereits im vergangenen August gab Glas Trösch bekannt, vier Fabriken in Pratteln, Volketswil, Oftringen und Bulle zu schliessen. Davon waren 140 Mitarbeitende betroffen. Die dortige Produktion wurde auf die grösseren Standorte Bützberg, Oberkulm und St. Gallen verlagert.

Konzern mit 5000 Beschäftigten

In Trimbach ist Glas Trösch seit 1988 aktiv. Damals, so Firmensprecher Bruno Gygax, habe man die Glas Grüninger AG übernommen und bis 2007 Bauglas produziert. Dann sei dieser Bereich intern verschobene worden und der Bereich Automobil von Ursenbach nach Trimbach verlagert worden. Glas Trösch ist zwar ein in vierter Generation geführtes Familienunternehmen, aber alles andere als ein KMU. Die Gruppe beschäftigt 5000 Mitarbeitende in 60 Betrieben in Europa und Übersee. Davon arbeiten 1700 Personen in der Schweiz. Trösch verarbeitet seit über 100 Jahren den Werkstoff Glas. (fs/ldu)