Auswanderer

Gemeindepräsident bedauert Vasellas Wegzug

Daniel Vasella Ende Januar am WEF in Davos: Hier war seine Auswanderung bereits beschlossene Sache. KEY

Daniel Vasella Ende Januar am WEF in Davos: Hier war seine Auswanderung bereits beschlossene Sache. KEY

Der Ex-Novartis-Boss zügelt von Risch ZG in die USA.. Die Gemeinde verliert damit nicht nur ihren berühmtesten Einwohner und überdurchschnittlichen Steuerzahler, sondern auch ein engagiertes Gemeindemitglied.

Wer denkt, dass Daniel Vasellas Auswanderung in die USA die Flucht eines Geächteten ist, der irrt: Der ehemalige Novartis-Präsident hat sich in seiner Zuger Wohngemeinde Risch schon Ende Januar abgemeldet. Sein Wegzug stand somit schon vor dem öffentlichen Aufschrei wegen des 72 Millionen Franken teuren Konkurrenzverbots fest. Die Gemeinde bestätigte am Sonntag einen entsprechenden Artikel des «SonntagsBlicks».

Peter Hausherr, Gemeindepräsident von Risch, bedauert den Verlust seines berühmtesten Einwohners. Der «Nordwestschweiz» sagt er: «Es ist immer schade, wenn jemand unsere Gemeinde verlässt – vor allem, wenn es sich um einen Bürger handelt, der sich engagiert hat.» Und Vasella habe sich engagiert. Vor allem natürlich für das geplante Fortbildungszentrum von Novartis auf dem Areal Gut Aabach. «Wegen dieses Projekts sind wir auch mehrere Male miteinander in Kontakt gekommen», so Hausherr. Aber auch sonst sei Vasella über das Leben im Dorf, in dem er seit 1999 lebte, gut informiert gewesen – an der Gemeindeversammlung habe der Multimillionär allerdings nie teilgenommen.

Novartis- und Economiesuisse-scheu

CVP-Politiker Hausherr findet den Wegzug von Vasella – einem überdurchschnittlich guten Steuerzahler – zwar schade, er betont aber auch, dass dies finanziell für die Gemeinde kein Beinbruch sei: «Wir sind gut diversifiziert und nicht von einzelnen Personen oder Unternehmen abhängig.» Seine Gemeinde müsse wegen Vasellas Wegzug weder den Steuerfuss erhöhen, noch die Ausgaben drosseln. In den vergangenen drei Jahren konnte es sich Risch gar leisten, den Steuerfuss von 67 auf 63 Prozent zu senken.

Vasella ist nicht gerade ein Sympathieträger der Schweizer Öffentlichkeit. Ist der Gemeindepräsident nicht auch ein bisschen froh, dass er Vasella nun los ist? Die Antwort fällt diplomatisch aus: «Die landesweite Debatte über Daniel Vasella als Novartis-Präsident und Daniel Vasella als Bürger meiner Gemeinde sind für mich zwei völlig unterschiedliche Dinge.» Seine Begegnungen mit Vasella seien sehr angenehm und für die Gemeinde wertvoll gewesen.

Bei Novartis will man den Wegzug des ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten nicht kommentieren. Ob die Auswanderung einen Einfluss auf eine allfällige Beratertätigkeit von Vasella habe, sei noch unklar: «Wie an der Generalversammlung ausgeführt wurde, ist der Verwaltungsrat nun bezüglich Vertragsanpassung mit Herrn Vasella im Gespräch», teilt das Unternehmen mit. Weitere Angaben könne man hierzu zurzeit keine machen.

Auch bei Economiesuisse ist man zurückhaltend: «Ich sehe keinen Anlass für Economiesuisse, den privaten Entscheid von Herrn Vasella zu kommentieren», schreibt Direktor Pascal Gentinetta auf Anfrage. Vasella selbst ist für die Medien nicht erreichbar. Er weile zurzeit in Lateinamerika. Was er künftig tun will, ist nicht bekannt.

Seine enges Verhältnis zu den USA ist aber nichts Neues: Der heute 59-Jährige wurde an der Harvard-Universität ausgebildet und sitzt bei der Elite-Uni in Boston im Beirat. Von 1988 bis 1992 arbeitete Vasella bei Sandoz in den USA und wohnte im US-Bundesstaat New Jersey. Zwei seiner drei erwachsenen Kinder sind gar in den Staaten geboren und erhielten bei der Geburt die US-Staatsbürgerschaft.

Ob Vasella sein Anwesen in Risch behält oder verkauft, war nicht in Erfahrung zu bringen.

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