Die Thurgauer Humbel-Gruppe dreht auf

Als Verzahnungsspezialistin profitiert die Thurgauer Humbel-Gruppe vom Trend zur Elektromobilität. Die vierte Familiengeneration und ein neuer Geschäftsleiter übernehmen die Führung des Unternehmens mit Sitz in Kradolf.

Martin Sinzig
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Die neu formierte Firmenleitung der Thurgauer Humbel-Gruppe: (von links) Benno Kalberer, Alex Humbel und Urs Humbel. (Bild: Donato Caspari (Kradolf, 20. August 2018))

Die neu formierte Firmenleitung der Thurgauer Humbel-Gruppe: (von links) Benno Kalberer, Alex Humbel und Urs Humbel. (Bild: Donato Caspari (Kradolf, 20. August 2018))

Die Fahrzeugbranche ist in Bewegung: Innovationen geschehen im Eiltempo und Antriebskonzepte werden laufend überarbeitet. «Der Entwicklungszyklus ist bei der Elektromobilität und im obersten Segment des Motorsports so rasant, dass wir kein Bauteil zweimal herstellen», sagt Alex Humbel, neuer Standortleiter der Humbel Zahnräder AG in Kradolf. Stets werden neue Zahnräder und Getriebeteile benötigt, in höchster Qualität bei kleinsten Stückzahlen. Die Phase permanenter Innovation sei zum Normalzustand geworden. Das kommt dem Unternehmen entgegen. Geschwindigkeit, Flexibilität und Präzision sind alltäglich für die international tätige Zahnrad- und Getriebespezialistin.

International aufgestellt

Begonnen hat der Schub durch die Elektromobilität vor vier Jahren mit einem ersten Kundenprojekt. Weitere sind inzwischen dazugekommen, beispielsweise die Zusammenarbeit mit einem bedeutenden deutschen Autozulieferer. Zudem ist Humbel Lieferantin des Porsche-LMP1-Rennteams, das mit hybriden Rennautos in der höchsten Langstrecken-Kategorie antritt.

Doch nicht nur die Autoindustrie, sondern auch der Bahn- und der Luftfahrtsektor, Kunden aus der Textil-, Nahrungsmittel- und Verpackungsbranche sowie aus dem allgemeinen Maschinenbau vertrauen seit vielen Jahren auf das verzahnungstechnische Know-how der Humbel-Gruppe. Sie hat sich in den vergangenen 25 Jahren internationalisiert, mit drei Produktionsstandorten in Europa, zwei Vertriebsstandorten in England und Deutschland sowie einem Beschaffungs- und Vertriebsstandort in Asien.

100 Mitarbeitende in Kradolf

Mechanisch-technisch hoch spezialisierte Mitarbeitende und hochmoderne Arbeitsplätze sind für die Humbel-Gruppe ein Muss. Beim anhaltenden Fachkräftemangel wird die Nachwuchsförderung grossgeschrieben, auch am Standort in Kradolf. Hier sind 100 der 350 Angestellten beschäftigt, und in der eigenen Lehrwerkstatt liegt der Anteil der Lernenden bei über 10 Prozent. Um technologisch an vorderster Front mitzuhalten, wurde in den vergangenen fünf Jahren zudem das Engineering ausgebaut.

Hochkomplexe Verzahnungen werden im Stammhaus in Kradolf entwickelt und gefertigt. Dieses hat auch die Leitung des Engineerings inne. Novogear in Tschechien baut grössere Komponenten in höheren Stückzahlen, zum Beispiel für den Bahnsektor oder für Spritzgussmaschinen, während HPT in Rumänien als verlängerte Werkbank mit einem modernen Maschinenpark für die anderen beiden Standorte grössere Serien ausführt.

Vierte Generation am Ruder

«Wir fokussieren auf den europäischen Markt», sagt Urs Humbel. Der 43-jährige Vertreter der vierten Familiengeneration ist neuer Verwaltungsratspräsident. Er ist diesen Sommer im Zeichen der Nachfolgeregelung auf seinen Vater Willi Humbel gefolgt, nach zehn Jahren als Gruppenchef. Diese Position übernimmt per 1. September Benno Kalberer (48) aus dem st. gallischen Rüthi. Er hat sich in den letzten 20 Jahren bei einem grossen Schweizer Autozulieferer engagiert, unter anderem als Qualitäts-, Logistik-, Produktions- und als Werksleiter.

Im Stammhaus in Kradolf hat Alex Humbel (37), ebenfalls aus der vierten Familiengeneration, die Gesamtleitung übernommen. Er war bisher technischer Geschäftsführer. Heinz Badertscher (52), Finanzchef und Verwaltungsrat der Humbel-Gruppe sowie bisher kaufmännischer Leiter in Kradolf, kann sich damit auf seine Tätigkeit auf Gruppenebene konzentrieren.

Humbel lädt zum Tag der offenen Tür

1928 begann Wilhelm Humbel, im eigenen Haus in Kradolf die ersten Zahnräder zu fertigen. Er legte damit den Grundstein zu einem international tätigen und führenden Technologieunternehmen. Das 90-jährige Bestehen wird am Samstag, 25. August, mit einem Tag der offenen Tür am Hauptsitz in Kradolf gefeiert. Interessierte erhalten Einblick in die Produktion und in die Arbeitswelt Humbels. Die Maschinen sind von 10 bis 16 Uhr in Betrieb. (msi.)

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