Frauenförderung
Kleines Suffix mit grossem Effekt: Rein weibliche Stelleninserate sind überfällig - doch nicht genug

Der Versicherungskonzern Bâloise geht neue Wege und formuliert die Berufsbezeichnung in Job-Inseraten neu nur noch weiblich. Davon erhofft sich die Firma mehr Bewerbungen von Frauen.

Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann
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Andreas Burckhardt tritt als Baloise-Chef Ende Woche ab

Andreas Burckhardt tritt als Baloise-Chef Ende Woche ab

Nicole Nars-Zimmer (niz) / BLZ

Es sind bloss zwei Buchstaben, doch ihre Wirkung ist bedeutend. Das Suffix «-in» am Ende von Berufsbezeichnungen ist bisher selten zu sehen. Oft werden in Stelleninseraten Projektleiter, Forscher oder andere Arbeiter gesucht. Bestenfalls findet die weibliche Form als Anhängsel nach dem Schrägstrich Erwähnung. Oder bei Klischeeberufen wie der Sekretärin.

Dass der Bâloise-Konzern nun konsequent die weibliche Bezeichnung verwendet, ist gut - und überfällig. Denn noch immer sind Frauen in leitenden Funktionen in Schweizer Firmen unterrepräsentiert. Wie Studien und Praxis-Beispiele zeigen, hat dies auch mit den männlichen Berufsbezeichnungen zu tun. Will heissen: Frauen fühlen sich davon zu wenig angesprochen. Oder gar nicht.

Kein Wunder, denn die Sprache ist mächtig und führt in unserer Sozialisierung zu stereotypen Rollenbildern. So assoziieren wir den Manager, den Banker oder den Astronauten intuitiv mit einem Mann. Die Putzfrau, die Hausfrau und die Krankenschwester bleiben hingegen weiblich.

Die Sprache kann den Wandel vorantreiben. Doch sie reicht nicht, wenn es bei Worthülsen bleibt. Es braucht ein Umdenken im Anstellungsprozess und die Erkenntnis, dass mehr Diversität in Teams oft zu besseren Resultaten führt. Davon profitiert die Arbeitgeberin und die Arbeitnehmerin.

Und damit sind alle gemeint.

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