Dieter Behring ist rechtskräftig wegen Betrugs und des Aufbaus eines Schneeballsystems zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Bundesgericht hat das Urteil des Bundesstrafgerichts vollumfänglich bestätigt und alle Beschwerden Behrings abgewiesen, soweit es überhaupt darauf eingetreten ist.

Nach den Regeln des Strafvollzugs wird Behring die Haftstrafe in den nächsten Monaten anzutreten haben. Zwei Drittel der Strafe wird er absitzen müssen, was nach Abzug der Untersuchungshaft knapp mehr als drei Jahre sein werden.

Behring selbst hat in seiner 50-seitigen Beschwerde einen vollständigen Freispruch sowie eine angemessene Entschädigung und Genugtuung gefordert. Auf das Urteil reagiert er auf Anfrage mit einem schillerschen Kalenderspruch: «Die Gesetze der Welt sind Würfelspiel geworden.»

Er selbst will die Würfel aber ein weiteres Mal werfen. Er kündet an, Revision nach Artikel 410 des Strafgesetzbuches einzureichen. Dies würde bedingen, dass er neue Beweise vorbringen kann oder der Europäische Gerichtshof im Bezug auf das Strafverfahren die Menschenrechte verletzt sieht.

Neue Belege glaubt Behring zu haben. Schliesslich seien nach dem Prozess bei seinen ehemaligen Partnern Konten mit über 100 Millionen Franken aufgetaucht, was nicht berücksichtigt worden sei.

Versprechen ohne System

Die Aussichten auf Erfolg oder auch nur auf eine aufschiebende Wirkung durch das Revisionsbegehren sind erfahrungsgemäss gering. Dazu fehlt die Stichhaltigkeit seiner Beweise. Dazu ist das Urteil des Bundesgerichts zu eindeutig.

In allen Teilen sei die von Behring selbst verfasste Beschwerde unbegründet, daran ändere auch eine bei Laienbeschwerden übliche wohlwollende Betrachtung nichts. Offenkundig nicht gut angekommen sind seine Anwürfe, die Vorinstanz sei «vollkommen überfordert» gewesen und habe die Zusammenhänge nicht begriffen.

Dafür beschreibt das Bundesgericht noch einmal den Kern des ganzen Betrugsfalles: Behring hatte den Anlegern über Jahre hohe Gewinne aus seinem Anlagesystem versprochen, ohne dass bei den Ermittlungen ein entsprechendes Handelssystem gefunden worden wäre. Und bei jenen Geldern, mit denen Behring erwiesenermassen handelte, resultierten nur kleine Gewinne oder gar hohe Verluste.

Dass sich seine Partner, die nicht oder nur in Nebenverfahren abgeurteilt werden, innerhalb des Systems selbst auch bereichert und Gelder abgezweigt hatten, beschrieb diese Zeitung kürzlich aufgrund von Strafbefehlen der Bundesanwaltschaft.

100 Millionen Schulden

Was bleibt, ist ein grosser Schaden. Von den rund 2000 Anlegern haben 1300 als Privatkläger ihre Ansprüche angemeldet. Gemäss Urteil wird Behring direkt ein Delikterlös von 170 Millionen Franken zugerechnet. Bei arretierten liquiden Mitteln von 54 Millionen Franken und Sachwerten im Wert von maximal 16 Millionen Franken, fehlen mindestens 100 Millionen Franken.

Diese Summe macht die Eidgenossenschaft als Ersatzforderung bei Behring geltend.
Der Verurteilte Behring ist selbst nicht mittellos. Sein Antrag auf unentgeltliche Rechtspflege wurde ebenfalls abgelehnt. Immerhin verdient das Ehepaar Behring monatlich gut 10 000 Franken und verfügt über ein minimales Vermögen von 25 000 Franken.

Aus einer anderen Zeit scheint jedoch zu sein, als Behring den Steuerbescheid von 2003 herumreichte, in dem die Steuerverwaltung Basel-Stadt ihm attestierte, alleine für seine Privat-Holding ein Vermögen von 431 Millionen Franken zu versteuern.