Der junge Mitarbeiter im Labor des Pharmakonzerns Eli Lilly in Ascot westlich von London schneidet mit einem feinen Hobel ein Mäusehirn in dünnste Scheiben. Später wird man unter dem Elektronenmikroskop sehen, ob und wo sich die berüchtigte Amyloid-Plaque gebildet hat. Die Eiweissverbindung Amyloid wird als eine der Ursachen von Alzheimer angesehen, aber die Zusammenhänge sind nicht sehr klar: Es gibt Menschen, die mit dieser Form von Plaque leben, ohne Alzheimer-Demenz zu entwickeln.

Die Mäusehirn-Untersuchung, wie sie einer Gruppe von Journalisten aus der Schweiz vorgestellt wurde, ist eine von den Tausenden mühseligen Forschungsreihen, die zur Erforschung dieser noch immer unheilbaren Krankheit gemacht werden. Und immer wieder müssen Firmen Rückschläge verzeichnen.

Vor Monatsfrist ist genau dies Eli Lilly passiert: Bei einem klinischen Test lieferte der von der Firma entwickelte Wirkstoff Solanezumab nicht die erhofften Resultate. Der Aktienkurs des US-Konzerns brach auf der Stelle über zehn Prozent ein. Eine grosse Hoffnung war zerstört. Und für Eli Lilly die Aussicht auf ein grosses Geschäft.

Höhere Dosis soll helfen

Aussenstehende Fachleute beginnen sich zu fragen, ob die Forschung mit der Amyloid-These wirklich auf der richtigen Spur ist. Und ob man die Aufmerksamkeit viel mehr auf die sogenannten Tau-Knäuel, ebenfalls eine Ansammlung von bestimmten Eiweissmolekülen, legen sollte.

Weltweit sind zahlreiche grosse und kleinere Firmen und Teams an der Arbeit, einige davon auch in der Nordwestschweiz. Bei Roche befinden sich zwei unterschiedliche Wirkstoffe in der fortgeschrittenen klinischen Entwicklungsphase, die beide auf die Amyloid-Ablagerungen zielen. Das Präparat Crenezumab wurde von der Lausanner Biotechfirma AC Immune an die
Roche-Tochter Genentech ausgelagert. Der Wirkstoff soll gemäss einer in diesem Monat erschienenen Studie mit einer höheren Dosierung eine verbesserte Wirksamkeit aufweisen. Im ersten Quartal 2016 hatte Roche mit der Durchführung der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie für Patienten mit frühen Formen von Alzheimer begonnen. Das Schicksal des zweiten Wirkstoffs namens Gantenerumab soll sich gemäss Roche-Sprecher Nicolas Dunant 2017 entscheiden. Das Projekt wurde 2014 vorerst gestoppt, aber man hofft auch hier, dass sich die Wirkung mit einer erhöhten Dosis einstellt.

Seit längerem unterwegs ist Novartis mit seinem Pflaster namens Exelon für schwache bis milde Form von Alzheimer. Es ist in 90 Ländern zugelassen. Novartis testet jetzt zwei neue Substanzen an gesunden Probanden, die aber ein hohes Alzheimer-Risiko aufweisen. «Unser Programm zielt darauf ab, bei Menschen mit hohem Risiko für Alzheimerkrankheit einzugreifen, bevor die Symptome einsetzen», kommentiert ein Novartis-Sprecher. Das Vorgehen hat eine Logik. Die Alzheimer-Krankheit beginnt, bevor Symptome auftreten.

Die Firma Axovant, die kürzlich ihren Hauptsitz nach Basel verlegte, bringt die Substanz Interpridine in eine klinische Studie der Phase III (als Kombipräparat mit Donepezil). Zu reden gab in der Fachwelt auch der von der Zürcher Biotechfirma Neurimmune entwickelte Wirkstoff Aducanumab, der in einer frühen Entwicklungsphase von der Fachzeitschrift «Nature» hochgelobt wurde. Neurimmune arbeitet mit der Firma Biogen zusammen, die bei Solothurn eine grosse Produktionsanlage baut.