Max Havelaars Weg zum Fairtrade-Gold

Seit fünf Jahren gibt es von Max Havelaar zertifizierte Goldprodukte auf dem Schweizer Markt. Entweder als Schmuck, Ehering oder als Barren bei den Kantonalbanken. Das Verkaufsvolumen hält sich noch in Grenzen.

Andreas Lorenz-Meyer
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Arbeiter in einer peruanischen Mine spülen das Gold mit Wasser aus dem goldreichen Boden. (Bild: Fairtrade Max Havelaar/Eduardo Martino (Puno, 21. Februar )

Arbeiter in einer peruanischen Mine spülen das Gold mit Wasser aus dem goldreichen Boden. (Bild: Fairtrade Max Havelaar/Eduardo Martino (Puno, 21. Februar )

Zwischen 10 und 20 Prozent der globalen Goldmenge stammt aus kleingewerblichen Minen in Südamerika oder Afrika. Über 100 Millionen Menschen sind direkt oder indirekt davon abhängig. Die Arbeit in den Minen ist hart und gefährlich. Es mangelt an Sicherheitsvorkehrungen, unter anderem beim Einsatz giftiger Chemikalien. Zudem zahlen die Zwischenhändler schlecht. Die Mineure und ihre Familien sind arm oder leben in sehr einfachen Verhältnissen. Sanitäre Einrichtungen und sauberes Trinkwasser fehlen häufig.

Darum lancierte die Nonprofit­organisation Max Havelaar Ende 2014 ein Fairtrade-Gold-Label. Ziel: sicherere Arbeitsbedingungen, fairer Marktzugang, Transparenz. Die organisierten Mineure erhalten zusätzlich zum Marktpreis 2000 US-Dollar pro Kilogramm. Diese Prämien können sie investieren: in bessere Ausrüstung, höhere Produktivität, Schulen, Gesundheitszentren. Die Verwendung von Quecksilber ist so geregelt, dass Mineure und Umwelt geschützt werden. Das Endprodukt muss bis zur Mine rückverfolgbar sein. Die Einhaltung kontrolliert eine unabhängige Stelle. Aktuell gibt es zehn zertifizierte Minen in Peru, fünf weitere kommen bald dazu.

Das Volumen soll dieses Jahr deutlich steigen

Unter anderem 40 unabhängige Schweizer Goldschmiede, Coop Christ und Atelier Swarovski haben aktuell faires Gold im Sortiment. Das Angebot reicht von Schmuck bis zu Eheringen («Fairheiratet»). Zudem erweiterten fünf Kantonalbanken – Zürich, St. Gallen, Bern, Thurgau, Basel – ihr Edelmetallsortiment. Sie bieten Fairtrade-Goldbarren von 1 bis 10 Gramm an.

«Im letzten Jahr kam hierzulande Fairtrade-Gold im Wert von knapp 2,7 Millionen Franken auf den Markt, im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von 4,3 Prozent», so Max-Havelaar-Mediensprecher Patricio Frei. Die Nachfrage ist zwar gross, da viele Schweizer Konsumenten von Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung im Bergbau wissen und Fairtrade-Gold wollen. Und es werden auch laufend Minen zertifiziert. Jedoch vergehen zwischen der Lieferung von Gold in die Schweiz und dem Verkauf oft zwei bis drei Jahre. Hinzu kommt, dass die produzierten Goldvolumen der Fairtrade-Minen im Vergleich zu industriellen Grossminen «verschwindend klein» sind. Kleingewerbliche Minen kommen auf etwa 1 bis 10 Kilogramm pro Jahr. Frei: «Daher wird es noch lange dauern, bis Fairtrade bei Gold ähnlich grosse Marktanteile erobert hat wie bei Kakao, Kaffee oder Bananen, die schon 20 Jahre auf dem Markt sind.» Zum Vergleich das Verkaufsvolumen von Bananen in der Schweiz 2018: 110 Millionen Franken. Kaffee: 90 Millionen. Der Marktanteil von Fairtrade-Gold am weltweit grössten Goldhandelsplatz Schweiz insgesamt lässt sich laut Frei nicht beziffern, er liegt aber «im marginalen Bereich».

Für dieses Jahr rechnet Frei aber mit einem deutlich höheren Volumen. Besonders der Absatz von Goldbarren bei den beteiligten Kantonalbanken entwickelt sich «erfreulich». Im Februar kam die Basler Kantonalbank als fünfte Bank hinzu. Der Verkauf lief bisher «sehr zufriedenstellend», so Mediensprecher Patrick Riedo. Der Vorrat wurde nochmals aufgestockt. «Wir halten genügend Barren in sämtlichen Grössen vorrätig, um auch Lieferengpässe der Goldminen problemlos über mehrere Monate hinweg überbrücken zu können.» Am gesamten Barrenangebot der Bank hat faires Gold einen Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich. In den letzten Wochen war die Nachfrage bei der BKB aber vergleichsweise niedrig, sowohl bei herkömmlichen Goldbarren und Goldmünzen als auch beim Fairtrade-Gold. Das hatte laut Riedo auch mit der generell verhaltenen Nachfrage am Goldmarkt und den entsprechenden Auswirkungen auf den Goldpreis zu tun. Dieser dümpelte 2019 monatelang etwas unter- oder oberhalb der 1300-US-Dollar-Marke, stieg Anfang Juni aber plötzlich an. Die weltpolitische Lage hat den Goldpreis in den letzten Tagen aber auf den höchsten Stand seit 14 Monaten ansteigen lassen.

Die BKB plant nun, das Angebot auszubauen. Fairtrade-Gold gehört zur Nachhaltigkeitsstrategie der Bank. «Eine nachhaltige Unternehmensführung bedeutet für uns, neben umweltfreundlichem Betrieb und fortschrittlicher Personalpolitik auch ­Bankprodukte und -dienstleistungen anzubieten, bei denen explizit Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt werden.»

Fairtrade-Barren werden gerne verschenkt

Die St. Galler Kantonalbank bietet seit 2017 Fairtrade-Goldbarren mit Max-Havelaar-Zertifizierung an. «Wir möchten einen kleinen Beitrag zu Fairness und Nachhaltigkeit im Goldmarkt leisten», sagt Mediensprecherin Jolanda Meyer. Die Nachfrage ist seit dem Start konstant geblieben, die Volumen sind eher klein. Zu Anlagezwecken nehmen Kunden oft grössere Barren, als es sie in Fairtrade-Qualität gibt. Die Nachfrage bei der Thurgauer Kantonalbank ist auch stabil. Die Barren werden gerne verschenkt, etwa von Paten oder Grosseltern.

Aktuell nicht vorrätig ist Fairtrade-Gold bei der Luzerner Kantonalbank, weil die Nachfrage laut Medienstelle noch zu gering ist. Falls Kunden explizit Fairtrade-Goldbarren wünschen, bezieht die Bank diese über die Zürcher Kantonalbank. Auch die Aargauische Kantonalbank hat bisher kein Fairtrade-Gold-Angebot. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie 2020 wird das Thema jedoch in die Überlegungen mit einbezogen.

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