Nationalbank

Eurokurs macht keinen Sprung: SNB hält an Tiefzinspolitik fest

Der Eingang zur Schweizerischen Nationalbank in Bern (Archiv)

Der Eingang zur Schweizerischen Nationalbank in Bern (Archiv)

Am Donnerstag um 9.30 Uhr gab die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekannt, dass sie das Zielband für den sogenannten Dreimonats-Libor bei 0%-0,25% belässt. Damit hält sie wie zuvor die Notenbanken in den USA und Europa an der Tiefzinspolitik fest.

Die SNB geht von einer nur langsamen Erholung der Weltwirtschaft aus. Während die Schwellenländer massgeblich zum globalen Wachstum beitragen würden, bleibe die Dynamik in den Industrieländern verhalten. Insbesondere in Europa entwickelt sich die Konjunktur aufgrund der Finanz- und Schuldenkrise äusserst schwach. Die Risiken für die Schweizer Konjunktur seien aussergewöhnlich hoch.

Die SNB hält wie erwartet auch am Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro unverändert fest und wird ihn mit aller Konsequenz durchsetzen. Sie sei weiterhin bereit, dazu unbeschränkt Devisen zu kaufen, schreibt sie in einer Mitteilung. Auch beim heutigen Kurs bleibe der Franken hoch bewertet. Eine erneute Aufwertung hätte schwerwiegende Folgen für die Preis- und Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz.

Wenn nötig ist sie bereit, jederzeit weitere Massnahmen zu ergreifen. Was das konkret heisst, hat Nationalbank-Chef Thomas Jordan in einem Interview kürzlich thematisiert, es geht etwa um Kapitalverkehrskontrollen.

Schock nicht mit Kapitalausstattung absorbierbar

Für Aufsehen in der Bankenwelt sorge schon im Vorfeld der heutigen Publikation der sogenannte Stabilitätsbericht der SNB, der jeweils im Sommer gleichzeitig mit dem Zinsentscheid bekannt gegeben wird. Darin untersucht die SNB den Zustand der Banken. Man erinnert sich: 2008 war die SNB eine der ersten, die vor dem Zusammenbruch des amerikanischen Häusermarkts gewarnt haben und den Folgen für die Bankbilanzen.

In diesem Jahr legt die SNB ihren Fokus auf die Eigenmittelsituation bei den Grossbanken. Hier kommt sie zum Schluss, dass die Kapitalausstattung angesichts der Risiken zu gering ist. Die sogenannte Leverage Ratio berechnet sie bei der Credit Suisse mit 1,7 % und bei der UBS bei 2,7%. Die SNB schreibt ausdrücklich, dass beide Grossbanken derzeit einen Schock, wie die UBS ihn erlitten habe mit der gegenwärtigen Kapitalausstattung nicht absorbieren könnte.

Die CS sei auch im internationalen Vergleich deutlich zu gering kapitalisiert. Im Vorfeld der Publikation des heutigen haben die Aktien der beiden Grossbanken schon gelitten. Auslöser waren laut Beobachter aber nicht Insider-Kenntnisse, sondern zahlreiche Berichte von Analysten, die auf das Kapitalproblem aufmerksam gemacht hätten. Zuletzt die Analysten der britischen Investmentbank Barclays, die ein Kurziel von 17 Franken anvisieren.

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