Wirtschaft

«Es sind gerade Branchen von der Coronakrise betroffen, wo viele unter 25-Jährige arbeiten»: Über 1700 Junge ohne Arbeit in der Ostschweiz

Bei den Ostschweizer RAV sind über 1700 unter 25-Jährige gemeldet.

Bei den Ostschweizer RAV sind über 1700 unter 25-Jährige gemeldet.

Werden Stellen abgebaut, trifft es oft junge Arbeitnehmende. Die Jugendarbeitslosigkeit steigt auch in der Ostschweiz deutlich an: Über 1700 Leute unter 25 sind arbeitslos gemeldet – rund 700 mehr als vor einem Jahr.

Vor einem Jahr war der Ostschweizer Arbeitsmarkt noch in Ordnung. Die Arbeitslosenquoten lagen unter zwei Prozent. Und nur gerade etwas mehr als 1000 Leute zwischen 15 und 24 Jahren waren in der Ostschweiz arbeitslos gemeldet. Die Coronakrise hat die Jugendarbeitslosigkeit wieder aktuell gemacht. Heute sind in den Kantonen St.Gallen, Thurgau und beiden Appenzell bereits 1706 Jugendliche ohne Arbeit.

Langjährige Mitarbeiter werden geschont

Daniel Wessner, Chef des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Thurgau.

Daniel Wessner, Chef des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Thurgau.

Für den Chef des Thurgauer Amts für Wirtschaft und Arbeit hat der starke Anstieg auch mit den Branchen zu tun, die am stärksten von der Coronakrise betroffen sind. Daniel Wessner sagt:

Der Gastro- und Eventbereich, aber auch der Detailhandel oder der Tourismus. Ausserdem würden viele Unternehmen in Krisensituationen zuerst jene Mitarbeiter entlassen, die noch nicht so lange im Unternehmen sind, was vor allem die Jungen betrifft. «Ein Phänomen, das wir jetzt mehrere Jahre lang nicht mehr gesehen haben.»

Im Gastgewerbe verlieren vor allem die Jungen Jobs

Dabei ist der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit im Thurgau noch vergleichsweise bescheiden. Statt wie vor einem Jahr rund 350 waren Ende April dieses Jahres 537 unter 25-Jährige arbeitslos gemeldet.

Deutlicher war der Anstieg im Kanton St.Gallen, wo bereits 1080 Personen dieser Altersgruppe ohne Stelle sind. Das sind rund 470 mehr als im April 2019.

Am deutlichsten sei der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit im Gastgewerbe. Hier stieg die Zahl der Arbeitslosen zwar generell stark an, um fast 60 Prozent. Bei den Jungen in der Branche stieg sie aber um 176 Prozent.

© CH Media

Auch im Grosshandel bekommen vor allem junge Arbeitnehmende die Coronakrise zu spüren: Die Zahl der jungen Arbeitslosen in dieser Branche hat sich verdoppelt, während sie im Branchenschnitt nur um 16 Prozent stieg.

Auch in der metallverarbeitenden Industrie seien die Jungen deutlich mehr arbeitslos geworden als die älteren Kollegen, sagt Karin Jung, die Chefin des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St.Gallen.

Höhepunkt wohl noch nicht erreicht

Karin Jung, Chefin des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St.Gallen.

Karin Jung, Chefin des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St.Gallen.

Prognosen seien im Moment noch schwierig, sagt Jung. Doch die Generation der Berufseinsteiger dürfte kurz- und mittelfristig tatsächlich überdurchschnittlich stark von der Coronakrise betroffen sein.

Das könnte für diese Generation auch langfristige Auswirkungen haben, sagte der Bildungsökonom Stefan Wolters dem «Tages-Anzeiger». Jene, die in einer Rezession auf den Arbeitsmarkt kommen, schleppten oft noch bis zu zehn Jahre Nachteile wie tiefere Löhne oder Arbeitslosigkeit mit.

Jüngere selten lange arbeitslos

Einen Hoffnungsschimmer sieht Daniel Wessner trotz allem. «Jüngere Stellensuchende sind meist leichter vermittelbar als ältere», sagt der Thurgauer Amtschef. So sei Langzeitarbeitslosigkeit meist eher ein Problem älterer Arbeitnehmender. Wessner sagt:

Denn eingestellt werde im Moment fast niemand. «Viele Firmen ersetzen in dieser unsicheren Situation keine Abgänge, sie stellen Investitionen zurück. So kommen viele Leute zu den RAV, aber kaum einer geht. Das macht die Situation alarmierend.»

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