Tourismus

Ende eines Booms: Schweizern wird Österreich zu teuer

Rückkehrer aus Österreich? Schweizer Wintertouristen drängen nicht mehr ins Nachbarland.

Rückkehrer aus Österreich? Schweizer Wintertouristen drängen nicht mehr ins Nachbarland.

Erstmals seit Jahren verbringen weniger Schweizer ihre Ferien in Österreich. In der Schweiz wurden Übernachtungen billiger, Österreichs Hoteliers hingegen haben die Preise erhöht.

Ein Jahrzehnt lang war das Ferienland Österreich in der Schweiz en vogue. Jedes Jahr drängten nochmals mehr schweizerische Urlauber ins Nachbarland, vor allem ins Tirol und nach Vorarlberg. 2018 ist nun das erste Jahr, in dem Österreich einen deutlichen Rückgang im «Quellmarkt Schweiz» verzeichnet (siehe Grafik unten). Das zeigen neue Zahlen von Statistik Austria. Dabei erlebt das Land insgesamt gerade einen touristischen Boom.

Doch die Schweizer machen nicht mehr mit. Bei ihnen gab es den deutlichsten Rückgang der Übernachtungen von allen ausländischen Gästen. Vor allem mit der beginnenden Wintersaison verlor Österreich offenbar an Anziehungskraft bei seinen schweizerischen Gästen. Im Dezember kamen ganze 5 Prozent weniger Schweizer Gäste, die schweizerischen Logiernächte gingen um 2,5 Prozent zurück.

Damit sind die besten Wachstums-Zeiten erst einmal passé – diese Einschätzung wird auch im österreichischen Tourismus geteilt. Von kräftigen Zuwächsen spricht man etwa bei der Marketingorganisation «Österreich Werbung» nicht mehr. Die Rahmenbedingungen hätten sich «leicht angepasst», sagt die Regionenmanagerin Carmen Breuss. Die Schweiz habe ihr eigenes Angebot verbessert, auch das Marketing sei sichtbar verstärkt worden.

Preise erhöht

Im Schweizer Tourismus gilt er auch als beendet, der schweizerische Boom in Österreich. Diese Ernüchterung erklärt man sich in der Branche unter anderem mit den Preisen. «Unsere Nachbarn haben die gestiegene Nachfrage genutzt – und die Preise erhöht», sagt Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig. In der Schweiz hingegen habe man sich zurückgehalten.

Das Lob des obersten Hoteliers für die eigene Branche wird von den statistischen Ämtern beider Länder gestützt. Die Hotellerie in der Schweiz verzichtete demnach nicht bloss auf Preissteigerungen. Ihr gelang sogar eine Senkung. In Österreich hingegen schlugen die Hoteliers preislich kräftig zu, ihre Konditionen gingen in den letzten Jahren steil nach oben (siehe Grafik).

Desillusionierung mit Superdeals

Züllig erkennt eine gewisse Desillusionierung der schweizerischen Gäste mit möglichen Superdeals. «Letzten Endes zahlt man für gute Qualität überall einen ähnlichen Preis», sagt der Bündner Hotelier. Diese Erkenntnis habe sich in den letzten Jahren allmählich durchgesetzt. «Die Schweizer haben auch gemerkt: Die Leistung stimmt, die sie daheim für ihr Geld bekommen.»

Der Luzerner Tourismusprofessor Jürg Stettler erkennt Fortschritte im Schweizer Tourismus. Die Branche habe ihre Kosten in den letzten Jahren senken könnten. Geholfen hätten auch die günstigeren Tickets für Bergbahnen sowie die gross angelegten Werbekampagnen dafür. «Damit ist das Bild von der teuren Schweiz korrigiert worden, zumindest ein Stück weit.»

Zu solchen Einschätzungen aus der Branche gesellt sich anekdotische Evidenz. Geschichten etwa von schweizerischen Urlaubern, die vor den angeblich ständig miesepetrigen Gastgebern in der Heimat flüchten wollten. Die dann in Österreich erfuhren, dass auch die dortigen Hoteliers durchaus ihre gelegentlich schlechte Laune mit den Gästen teilen. Oder deutsche Skifahrer, die nur staunen über den vielen Freiraum auf schweizerischen Pisten.

Der Boom ist zwar vorbei. Doch deshalb kehren nicht Massen von Schweizer Touristen ihren österreichischen Gastgebern den Rücken zu. Es wandern bloss nicht mehr Jahr für Jahr noch mehr Schweizer Reisende dorthin ab. Stattdessen werden wohl weiterhin jährlich um die 5 Millionen Übernachtungen von Schweizern gebucht.

Von der Schweizer Treue ist man bei «Österreich Werbung» überzeugt. «Wir glauben, in den kommenden Jahren das hohe Niveau der Schweizer Gästezahlen behalten zu können», sagte Managerin Breuss. Im besten Falle sei ein leichter Ausbau möglich. Denn laut Umfragen würden die Schweizer Gäste unter anderem die landschaftliche Schönheit schätzen, die Qualität der österreichischen Hotellerie sowie das Verhältnis von Preis und Leistung.

An eine Massenrückkehr von schweizerischen Gästen glaubt man auch hierzulande nicht wirklich. Hotelleriesuisse-Präsident Züllig geht im Gegenteil davon aus, dass die Zahl der Übernachtungen grosso modo gleich bleiben wird. «Österreich hat auch seine Fans in der Schweiz, die als Stammgäste weiterhin dorthin reisen werden.»

Rückkehr der deutschen Gäste

Auch wenn der Schweiz-Boom vorbei ist: Österreich ist international schon seit längerem angesagt. 2018 kamen nochmals 4,5 Prozent mehr ausländische Gäste. Insgesamt gelang gar ein Allzeitrekord: die Gäste übernachteten rund 150 Millionen Mal. Wie in der Schweiz freuen sich die Hoteliers über einen wachsenden Zustrom an chinesischen Gästen. Und Österreich ist in Deutschland zunehmend beliebt. 2018 übernachteten nochmals deutlich mehr deutsche Gäste in österreichischen Hotels, 5 Prozent mehr.

Eine leichte Beziehungskrise mit den Deutschen ist schon längst überstanden. Nach 2008 kamen drei Jahre lang etwas weniger deutsche Gäste. Doch mittlerweile hat man sich wieder lieb. Österreich verbucht aktuell rund 12 Prozent mehr deutsche Gäste als noch vor zehn Jahren. Davon kann der Schweizer Tourismus nur träumen. Man wartet noch immer auf eine wirkliche Rückkehr der deutschen Gäste. Ein leichtes Wachstum gab es zwar wieder. Doch zuletzt kamen nach wie vor jährlich rund 40 Prozent weniger Deutsche als noch vor zehn Jahren.

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