Elon Musk
Twitter-Abstimmung über Aktien-Verkauf: Der reichste Mann der Welt macht das Internet zum Vermögensberater

In einer Internet-Abstimmung sagen 58 Prozent der Twitter-Nutzer, dass sich Tesla-Konzernchef Elon Musk von 10 Prozent seiner Aktien am Autobauer trennen solle. Der Tausendsassa benötigt das Geld angeblich, um seine Steuerrechnungen zu bezahlen.

Renzo Ruf, Washington
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Elon Musk, der reichste Mann der Welt, will sich von 10 Prozent seiner Tesla-Aktien trennen.

Elon Musk, der reichste Mann der Welt, will sich von 10 Prozent seiner Tesla-Aktien trennen.

Alexander Becher / EPA

Können sich Millionen von Twitter-Nutzern irren? Nicht in den Augen von Elon Musk, dem reichsten Menschen der Welt mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 318 Milliarden Dollar. Also entschloss sich der 50 Jahre alte Unternehmer am Wochenende dazu, auf dem Kurznachrichtendienst eine Abstimmung über sein Tesla-Aktienpaket zu starten. Musk ist Hauptaktionär des Autobauers, mit einem Anteil von mehr als 17 Prozent der Aktien.

Am Samstag schlug er vor, sich von 10 Prozent dieser Aktien – etwas mehr als 17 Millionen Wertpapieren – zu trennen, falls eine Mehrheit dies unterstütze. «Ich werde mich an die Ergebnisse der Umfrage halten, egal in welche Richtung sie gehen», schrieb der quirlige Geschäftsmann auch. Den Erlös werde er angeblich dafür verwenden, seine Steuerrechnung zu begleichen.

Mehr als 3,5 Millionen Menschen liessen sich nicht zweimal bitten und stimmten ab. Fast 58 Prozent forderten Musk dabei auf, sich von dem Aktienpaket zu trennen.

Kritik an den Steuerplänen von Präsident Biden

Es ist dies nicht das erste Mal, dass Musk mit ungewöhnlichen Ideen und Kommentaren im Internet für Aufsehen sorgt. Zuletzt wunderte er sich vor einigen Tagen öffentlich darüber, warum der Autovermieter Hertz angekündigt hatte, 100'000 Tesla zu kaufen – obwohl doch «noch kein Vertrag» unterzeichnet worden sei.

Sein jüngster Vorstoss ist, zumindest in den Augen Musks, ein Beitrag über die Debatte um die gerechte Besteuerung von Superreichen in Amerika. Der Tesla-Konzernchef, der nebenbei auch an der Spitze des Weltraumunternehmens SpaceX steht und die Infrastruktur-Firma The Boring Company führt, ist stolz darauf, dass er für seine Arbeit beim Autobauer keinen Lohn bezieht. (Gemäss dem aktuellen Tesla-Geschäftsbericht verzichtet das Unternehmen seit Mai 2019 darauf, Musk ein Gehalt zu bezahlen.) Stattdessen wird er in Aktien entschädigt; diese Aktien wiederum hinterlegt Musk bei Banken als Sicherheit, wenn er flüssige Mittel benötigt.

Der gebürtige Südafrikaner meldet sich politisch in Amerika selten zu Wort, obwohl er seit zwei Jahrzehnten auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt. Aussagen über die Steuerpläne der Demokraten, die nach Wegen suchen, eine Abgabe für Vermögenswerte der 700 reichsten Amerikanerinnen und Amerikaner zu verabschieden, lassen aber die Schlussfolgerung zu, dass er kein Fan der Partei von Präsident Joe Biden ist. So verbreitete Musk im Oktober auf Twitter ein Zitat weiter, das oft der britischen Premierministerin Margaret Thatcher zugeschrieben wird. Diese soll einst über linke Politiker gesagt haben: «Irgendwann geht ihnen das Geld anderer Leute aus und dann kommen sie auf dich los.»

Auch verabschiedete sich Musk kürzlich, nach seiner Trennung von der Musikerin Grimes, aus Kalifornien und verlegte seinen Wohnsitz in den konservativeren Bundesstaat Texas. Auch kündigte er an, den Hauptsitz von Tesla nach Austin, der Hauptstadt von Texas, zu zügeln. In der Nähe vom Austin baut Tesla aktuell eine riesige Fabrik. An der Golfküste von Texas befindet sich zudem eine Raketenbasis von SpaceX; in der kleinen Siedlung Boca Chica, direkt beim stark beachten Testgelände «Starbase», soll Musk auch ein kleines Haus besitzen.

Klar ist: Falls Musk wirklich gegen 17,2 Millionen Aktien verkaufen wird, zum aktuellen Preis von mehr als 1222 Dollar pro Stück, dann wird eine hohe Steuerrechnung fällig. Die Transaktion würde Einnahmen von gegen 21 Milliarden Dollar generieren, wenn der Kurs der Tesla-Aktie stabil bleibt. Die höchste Steuerrate für langfristige Kapitalgewinne beläuft sich aktuell auf 23,8 Prozent – der Bundeskasse würden also fast 5 Milliarden Dollar zufliessen.

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