Private Banking

Ein Spielfilm kreist um die Frage: Hat das Geschäft in der Schweiz eine Zukunft?

Bankierstochter Caroline Pfister (Stephanie Japp) entdeckt die Tücken des Geschäfts mit den vermögenden Kunden. Kundenberater Marco Antonelli (Marc Benjamin) hilft ihr dabei. Die uneheliche Tochter des Bankiers Leopold Weyers (gespielt von Christian Kohlund) mit Junkie-Vergangenheit und Ausbildung zur Suchttherapeutin entwickelt sich zur dominierenden Figur in der Bank.

Szene aus dem SRF-Spielfilm «Private Banking» von Bettina Oberli.

Bankierstochter Caroline Pfister (Stephanie Japp) entdeckt die Tücken des Geschäfts mit den vermögenden Kunden. Kundenberater Marco Antonelli (Marc Benjamin) hilft ihr dabei. Die uneheliche Tochter des Bankiers Leopold Weyers (gespielt von Christian Kohlund) mit Junkie-Vergangenheit und Ausbildung zur Suchttherapeutin entwickelt sich zur dominierenden Figur in der Bank.

Das Ende des Bankgeheimnisses gegenüber dem Ausland ist beschlossene Sache. Das Schweizer Fernsehen zeigt am Sonntag und Montag einen zweiteiligen Spielfilm über den Wandel der Branche. Wie sieht die Zukunft des Private Banking aus?

Der Leuenhof in Zürich beheimatete einst eine der ältesten Banken der Schweiz, die Bank Leu. Sie wurde 1755 als Staatsbank gegründet. Eine der prominentesten Kundinnen der Bank war die österreichische Kaiserin Maria Theresia. 1990 wurde die Bank nach diversen Skandalen von der heutigen Credit Suisse (CS) gekauft, später fusioniert, neu ausgerichtet und schliesslich ganz aufgegeben.

Der Leuenhof wurde inzwischen verkauft, bis Ende 2018 hat die CS Zeit, das Jugendstilgebäude freizugeben. Für Zürcher Banker, die in der Bar Al Leone im Erdgeschoss des markanten Baus ihren Espresso trinken, ein weiterer Tiefschlag. Die Bank Leu steht für den Anfang dessen, was man als Konsolidierung des Bankenplatzes bezeichnet: Kleinere Banken wurden von grösseren geschluckt. Dieser Prozess hat meist nur wenig mit privaten Schicksalen oder Skandalen zu tun. Meistens geschieht ein Verkauf, weil der Betrieb nicht mehr rentiert.

Genau davon handelt der zweiteilige Spielfilm, der am Sonntag und Montag auf SRF ausgestrahlt wird. «Das wichtigste ist, dass die Banken zur Schweiz gehören wie die Uhren und die Schoggi», sagt der fiktive Banker Leopold Weyer im ersten Teil von «Private Banking», in dem es um das Schicksal einer Zürcher Privatbank geht. Caroline Pfister (von Stephanie Japp gespielt) ist die uneheliche Tochter des Bankiers Leopold Weyers (Christian Kohlund). Sie entwickelt sich im Lauf des Films vom schwarzen Schaf der Familie – mit Junkie-Vergangenheit, Ausbildung zur Suchttherapeutin und Künstler als Lebenspartner – zur dominierenden Figur in der Bank. Dies, nachdem ihr Vater nach einem Herzinfarkt ins Koma fällt.

Im Lauf der Geschichte geht es viel um Familientraditionen, um Verrat und Auflehnung und um die grosse Frage, wie mit dem gut gehüteten Familiengeheimnis, das sich bildlich im Tresorraum der Bank befindet, umgegangen wird. Doch immer wieder kreist der von Bettina Oberli («Die Herbstzeitlosen») packend inszenierte Spielfilm um die Frage: Soll das Unternehmen an einen Konkurrenten verkauft werden? Oder hat die Bank, mit ein paar Dutzend Mitarbeitern, auch selbstständig eine Chance?

Der Wandel der Branche, wie er im Spielfilm dargestellt wird, findet tatsächlich so statt, ob bei CS, UBS, Julius Bär, Pictet oder den vielen kleineren Privatbanken, wie die fiktionale Bank Weyer eine sein könnte.

Der Hintergrund ist klar: Einer der wichtigsten Standortvorteile der Schweiz, das Bankgeheimnis, schmilzt dahin. Hinzu kommen verschiedene gesetzliche Anpassungen und ein rasanter technologischer Wandel, der das Berufsbild des Bankers verändert.

Die Verteidigung scheiterte

«Das Bankgeheimnis steckt quasi in unseren Genen», sagte 2000 noch Finanzminister Kaspar Villiger in einem Interview. Am Bankgeheimnis werde sich das Ausland «noch die Zähne ausbeissen» behauptete 2008 der damalige Finanzminister Hans-Rudolf Merz. Doch es kam anders. Seit Januar 2017 wendet die Schweiz den automatischen Informationsaustausch mit 38 Staaten an.

Diese schicken im Gegenzug Daten über Bankkonti von Schweizer Steuerpflichtigen in ihren Ländern nach Bern. Ab nächstem Jahr sollen 41 weitere Staaten dazukommen. Es geht dabei um Länder wie Russland, China oder Saudi-Arabien. Der Ständerat beseitigte am Dienstag die letzte Differenz zum Nationalrat und machte damit den Weg frei für die Schlussabstimmung heute. Das Ende des Schweizer Bankenplatzes, frohlockte die britische Wirtschaftszeitung «Financial Times» diese Woche, sei angebrochen.

Die neue Realität, sie hat Folgen: Es wird weniger Gewinn gemacht. Die Margen liegen derzeit um über 30 Prozent tiefer als vor der Finanzkrise, schreibt das Beratungsunternehmen PwC. Auch die Zahl der Privatbanken hat sich stark verringert. Viele Tochtergesellschaften von ausländischen Banken haben ihre Tore geschlossen. Und echte Privatbankiers, die mit ihrem privaten Vermögen für die Verbindlichkeiten der Firma haften, werden immer weniger. Dies, weil die Risiken, plötzlich Milliarden an Bussen zu bezahlen, gestiegen sind.

Noch immer verwalten Schweizer Banken Kundengelder in Höhe von 7 Billionen Schweizer Franken. Das ist eine stolze Summe. Doch darunter fallen nicht nur Gelder, die in der Schweiz verbucht werden. Ein Präsident einer Bank schätzt, dass alleine die in der Schweiz verbuchten Vermögenswerte in den vergangenen 10 Jahren um einen Drittel geschrumpft sind.

Eine Studie des Beratungsunternehmens McKinsey geht von 3 Prozent aus in den Jahren 2012 bis 2016. Der Prozess verlief zeitgleich mit der Finanzkrise. Der starke Franken half auch nicht. In der Folge fegte der perfekte Sturm längst nicht nur über die UBS, sondern über die ganze Branche hinweg.

Einen Drittel weniger Gelder

Wie schon bei der Geldwäscherei war es letztlich der internationale Druck, der dazu führte, dass in der Schweiz die Gesetze angepasst wurden. Die damalige Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, die politisch möglicherweise ungeschickt eine Weissgeldstrategie präsentierte, wurde zur «Buhfrau» der Bankenwelt.

Effektiv öffnete der massive Druck in den USA auf die UBS und auch die Zerschlagung der St. Galler Privatbank Wegelin 2012 – mit einem umfassenden Schuldeingeständnis und der Bezahlung von 74 Millionen Franken Busse – den letzten Zweiflern die Augen. Ein US-Programm, bei dem sich viele Banken schuldig bekennen mussten, um den Fängen der US-Justiz zu entkommen, tat das Übrige.

Der Fernsehfilm von Bettina Oberli orientiert sich also geschickt an diesen Tatsachen. In der Geschichte, die an bekannten «Hot-Spots» der Zürcher Bankenwelt gedreht wurde, wird die linke Bankierstochter Caroline Pfister – und damit auch der Zuschauer – an die Gepflogenheiten des Geschäfts herangeführt. Sie entdeckt, geschickt mit einer Affäre mit Kundenberater Marco Antonelli (Marc Benjamin) verquickt, die Tücken, die heute beim Akquirieren von Kunden gelten.

Dass Begriffe wie «Compliance», das Einhalten der regulatorischen Vorgaben also, wichtiger geworden sind. Und dass die Personen, die intern für die Überwachung der neuen Vorschriften zuständig sind, von den Bankern nicht besonders gemocht werden. Viele Vorgänge, die im Film dargestellt werden, dürften jedoch in der Realität professioneller abgewickelt werden. Das Gleiche gilt auch für den Umgang mit Altlasten, sprich – im Film –, mit dem Schwarzgeld aus Südafrika.

Was ausgelassen wird, ist die Tatsache, dass heute eine neue Generation von Bankkunden, insbesondere aus Asien, eigentlich nichts mehr vom alten Bankgeheimnis wissen will. Sie wollen einmal im Jahr ihre Skiferien in der Schweiz verbringen und in St. Moritz in aller Diskretion ihr Geld verprassen. Die Fokussierung der Branche auf die versteuerten Gelder kann also längerfristig positive Effekte haben.

Doch der Alltag der meisten Schweizer Banker hat sich dramatisch verändert. Das bietet Stoff nicht nur für einen Spielfilm, sondern für viele kleine und grosse persönliche Dramen, auch jenseits der schicken Welt der Privatbankiers. Nach dem Wegfall des Bankgeheimnisses wird nun entscheidend sein, wie der Zugang nach Europa verläuft.

Waren Banker einst hinter den Kulissen die treibende Kraft gegen ein EWR-Abkommen, über das das Stimmvolk 1992 abgestimmt hat, drängen sie heute eher zu Verhandlungen mit der EU über ein Rahmenabkommen. Auch das hat sich stark verändert.

Zurück an die Bahnhofstrasse: Der Verkauf des Leuenhofs steht also symbolisch für den Zustand des Bankenplatzes. Und mit ihm der Grossbanken. Um die regulatorischen Vorgaben zu erreichen, wurde das Tafelsilber verscherbelt und es wurden massiv Stellen gestrichen. Nun scheint jedoch zumindest unter CS-CEO Tidjane Thiam der Blick für die neuen Realitäten zumindest wieder frei. Wie schon vor wenigen Jahren bei der UBS wurden nicht nur die Altlasten beseitigt, sondern auch die risikoreichen Geschäftszweige zugunsten der viel weniger anfälligen Vermögensverwaltung verkleinert.

Grosse haben es schwerer

Die Gewinne werden wohl wieder sprudeln. Das Problem aus Sicht der Schweiz ist nur, dass die Gelder, die dereinst den Banken zufliessen werden, meist nicht in der Schweiz gebucht sind. Das hängt damit zusammen, dass der Reichtum heute nicht mehr in den entwickelten Ländern des Westens entsteht, sondern in ganz anderen Gefilden.

Grössere Banken haben es viel schwerer, diesen neuen Millionären hinterherzureisen und ihr Geschäft zu verkaufen, als die kleineren. Eine Bank, die das in den vergangenen Jahren konsequent vorgemacht hat, war die Bank Julius Bär, deren langjähriger CEO Boris Collardi kürzlich von der Genfer Privatbank Pictet abgeworben wurde.

Immerhin: Diese Woche hat das Parlament beschlossen, dass für die in der Schweiz wohnhaften Kunden das Bankgeheimnis weiterhin bestehen bleiben soll. Für eine Fortsetzung des SRF-Spielfilms wäre also gesorgt. Arbeitstitel: Der reiche Oligarch, der in der Schweiz eingebürgert wurde und seine Milliarden legal versteckte.

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