Wirtschaft

Drei Perlen der Schweizer Wirtschaft – so unterschiedlich trifft sie die Coronakrise

Die Einschränkungen im Detailhandel bedingt durch die Krise führte dazu, dass Lindt & Sprüngli  rund 500 eigene Shops just in der Ostersaison schliessen musste.

Die Einschränkungen im Detailhandel bedingt durch die Krise führte dazu, dass Lindt & Sprüngli rund 500 eigene Shops just in der Ostersaison schliessen musste.

Die drei grossen Schweizer Firmen Novartis, UBS sowie Lindt & Sprüngli haben ihre Halbjahreszahlen vorgelegt. Bei allen macht sich die Pandemie in den Büchern klar bemerkbar - allerdings unterschiedlich.

Derzeit legen zahlreiche Schweizer Firmen ihre Halbjahresergebnisse vor. Dabei ist das dominante Thema fast immer Corona. Wie unterschiedlich sich die Pandemie auf die Unternehmen auswirkt, zeigt sich etwa an den drei Schweizer Wirtschaftsschwergewichten Novartis, UBS sowie Lindt & Sprüngli. Die drei Firmen haben heute ihre Zahlen präsentiert.

1. Novartis

Novartis-Chef Vas Narasimhan sagt, dass es keine coronabedingten Entlassungen geben werde. Die laufenden Sparmassnahmen werden jedoch fortgesetzt.

Novartis-Chef Vas Narasimhan sagt, dass es keine coronabedingten Entlassungen geben werde. Die laufenden Sparmassnahmen werden jedoch fortgesetzt.

In den ersten drei Monaten hat der Basler Pharmakonzern von der Coronakrise profitiert. Damals hatten Spitäler, Ärzte und Patienten als Reaktion auf die Pandemie ihre Vorräte an Medikamenten erhöht. Dies führte zu einem Umsatz- und Ergebnis-Schub. Im zweiten Quartal hat sich nun dieser Effekt umgekehrt, da die aufgebauten Lager reduziert wurden. Dadurch sank der Umsatz zwischen April und Juni um 4 Prozent auf 11,4 Milliarden Franken.

Repräsentativer sind daher die Ergebnisse des ersten Halbjahres. In diesem Zeitraum steigerte Novartis den Umsatz um 3 Prozent auf 23,6 Milliarden Dollar. Bereinigt um Wechselkurseffekte kletterten die Verkäufe um 6 Prozent. Der Reingewinn stieg um 2 Prozent auf 4 Milliarden Dollar.

Die Folgen des Virus betrafen insbesondere das Geschäft mit Augenheilmitteln und Präparaten gegen Hautkrankheiten. Der Umsatz wurde durch weniger Neubehandlungen von Patienten sowie durch einen deutlichen Rückgang der Arztbesuche beeinträchtigt. Konzernchef Vas Narasimhan sagte an einer Telefonkonferenz, dass die Pandemie ein «extrem störendes Umfeld» geschaffen habe. Die Situation habe sich aber gegen Ende des zweiten Quartals verbessert.

Corona wirkt sich jedoch nicht nur auf die Geschäftszahlen von Novartis aus. Auf die Frage, wie rasch die Mitarbeiter wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, sagt Narasimhan, man wolle hier deutlich flexibler werden. Die Angestellten sollen in Absprache mit ihren Vorgesetzten entscheiden, wie, wo und wann sie arbeiten. Novartis nennt dieses Modell «Choice with responsibility» - auf Deutsch: «Wahl mit Verantwortung».

Die Mitarbeiter hätten den starken Wunsch nach mehr Flexibilität geäussert, sagt eine Sprecherin auf Nachfrage. «Wir glauben, dass wir ein zukünftiges Arbeitsmodell schaffen können, das sowohl die persönliche als auch die geschäftliche Leistung optimiert.» Die Angestellten sollen selber entscheiden, wie sie in ihrer Rolle am wirkungsvollsten arbeiten. Gleichzeitig würden sie dabei die persönliche Verantwortung übernehmen, ihre Vorgesetzten zu informieren und sich mit ihren Teamkollegen für eine «effektive Zusammenarbeit abstimmen».

Was das für die einzelnen Standorte, etwa auch für den Hauptsitz in Basel bedeutet, will Narasimhan nicht sagen. Dafür sei es noch zu früh. Das Unternehmen werde dies nun in den nächsten Monaten analysieren und danach sehen, was dies für die weltweiten Büroräumlichkeiten von Novartis bedeute. Der Konzernchef betont gleichzeitig, dass es keine coronabedingten Entlassungen geben werde. Die laufenden Sparmassnahmen würden jedoch wie geplant fortgesetzt.

Narasimhan wurde an der Telefonkonferenz mehrfach auf das Thema Corona-Impfstoff angesprochen. Es gebe nach wie vor keine Pläne, hier aktiv zu werden. Dazu fehlten schlicht das Know-how und die nötige Grösse. Novartis hat 2015 das Impfstoffgeschäft an den britischen Pharmakonzern GSK verkauft.

Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten wie etwa Lokalrivale Roche hat Novartis in Sachen Corona relativ wenig zu bieten. «Novartis weist nur eine relativ geringe Beteiligung im Kampf gegen die Pandemie auf – keine Dignostik, keine antiviralen Medikamente direkt gegen Covid, keine Impfstoffe», kommentierte ein Analyst der Zürcher Kantonalbank kürzlich trocken.

Narasimhan verweist unter anderem auf klinische Studien mit zwei Novartis-Medikamenten, die mit Patienten durchgeführt werden, die sehr schwer an Corona erkrankt sind. Mit Resultaten sei in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen. Zudem biete die Generika-Tochter Sandoz 15 wichtige ältere Medikamente zur symptomhaften Behandlung von Coronapatienten an. Diese Präparate gingen ohne Gewinn an staatliche Stellen von bis zu 79 Ländern mit stark unterversorgten Regionen.

2. UBS

Die UBS musste im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang um 11 Prozent hinnehmen.

Die UBS musste im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang um 11 Prozent hinnehmen.

Bei der Grossbank UBS macht sich das Virus ebenfalls deutlich bemerkbar. Bestärkt durch starke Zahlen der US-Banken und einen Rekord-Halbjahresgewinn von Julius Bär erhofften sich manche auch von der UBS glänzende Resultate. Rekordzahlen konnte die Bank allerdings nicht vermelden. Im Gegenteil: Im zweiten Quartal sank der Gewinn um 11 Prozent auf 1,23 Milliarden US-Dollar.

Der Grund ist rasch gefunden: Die UBS muss pokern. Sie kann derzeit die Frage nicht beantworten, wie viele ihrer vergebenen Coronakredite fristgerecht zurückbezahlt werden – und wie viele wegen der wirtschaftlichen Krise im Zuge der Corona-Pandemie flöten gehen. Deshalb legt die UBS Geld beiseite. Wie schon im ersten Quartal hat sie rund 270 Millionen Dollar an Wertberichtigungen getätigt.

Auffallend ist, dass der Gewinn im Schweizer Geschäft mit 41 Prozent am stärksten gesunken ist. Dieses massive Minus erklärt die UBS ebenfalls mit den Wertberichtigungen, allerdings auch mit rückläufigen Kreditkartengebühren. UBS-Chef Sergio Ermotti verweist darauf, dass in der Pandemie zwar mehr mit Plastik als mit Cash bezahlt wird. Allerdings spürt die Bank, dass deutlich weniger gereist wird und in den Ferien die Karten seltener gezückt werden.

Ermotti wird im Oktober zum letzten Mal die Quartalszahlen präsentieren. Danach übernimmt sein Nachfolger Ralph Hamers. Der Holländer wird sich wie Novartis-Chef Narasimhan ebenfalls mit dem Thema Home Office beschäftigen müssen. Denn Ermotti machte klar, dass eine Rückkehr zur Normalität nicht zu erwarten ist. Er rechnet langfristig damit, dass bis zu 30 Prozent des Personals künftig von zu Hause arbeiten wird. «Das müssen nicht immer die gleichen Angestellten sein, was bedeutet, dass wir bei den Arbeitsplätzen im Büro flexibler sein müssen.» Heisst: Arbeitstische werden vermehrt geteilt.

Klar ist laut Ermotti auch, dass die Pandemie Folgen für das Filialnetz haben werde. «Denn unsere Kunden gewöhnen sich an die digitalen Kanäle, um mit uns zu interagieren.» Allerdings warnt Ermotti vor einem zu raschen Vorgehen. In Bezug auf die Kosten mögen weniger Filialen verlockend sein, doch es brauche auch in Zukunft den direkten Kundenkontakt. Und so könnte man bei einem überhasteten Vorgehen auch zahlreiche Kunden verlieren.

3. Lindt & Sprüngli

Das stark reduzierte Ostergeschäft vermieste Lindt & Sprüngli die Halbjahreszahlen.

Das stark reduzierte Ostergeschäft vermieste Lindt & Sprüngli die Halbjahreszahlen.

Der Schokoladenhersteller spürte die Coronakrise insbesondere während des Ostergeschäfts. So sank der Umsatz im ersten Halbjahr um knapp 13 Prozent auf 1,5 Milliarden Franken. Bereinigt um Wechselkurseffekte betrug der Rückgang noch 8 Prozent. Die Einschränkungen im Detailhandel bedingt durch die Krise führte dazu, dass Lindt & Sprüngli rund 500 eigene Shops just in der Ostersaison schliessen musste. Gespürt hat das Unternehmen auch den massiven Rückgang der Reisetätigkeit in Form geschlossener Duty-free-Läden.

Um diesen Umsatzausfall abzufedern, hat Lindt & Sprüngli mit verschiedenen Massnahmen reagiert. Das Unternehmen erwähnt etwa den raschen Aufbau von Heimlieferungen oder Pick-up-Dienste. Auch der Onlinehandel sei ausgebaut worden. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich das Onlinegeschäft verdoppelt.

Das Unternehmen will nun mit Sparmassnahmen die Auswirkungen auf das Jahresergebnis minimieren. Im ersten Halbjahr sackte der Reingewinn von 88,1 auf 19,7 Millionen Franken ab. So soll etwa die Restrukturierung in den USA beschleunigt werden. Die bereits geplante Schliessung einer Fabrik der US-Tochter Russell Stover wird um sieben Monate vorgezogen. Ursprünglich war dies im nächsten Jahr geplant, wie Finanzchef Martin Hug an einer Telefonkonferenz sagte. Gleichzeitig würden die Werbeinvestitionen aufrechterhalten, um ein künftiges, profitables Wachstum sicherzustellen.

Für das gesamte Jahr rechnet Lindt & Sprüngli mit einem Umsatzrückgang zwischen 5 und 7 Prozent. Die operative Gewinnmarge (auf Stufe Ebit) solle rund 10 Prozent betragen. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen eine um Sondereffekte bereinigte Marge von 15 Prozent. Um diese Zahlen zu erreichen, müsse eine zweite grosse Infektionswelle mit grossflächigen Lockdowns ausbleiben und das Weihnachtsgeschäft insgesamt auf Vorjahresniveau abschliessen.

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