Coronavirus
Digitale Alternativen zum Apéro: So feiern Schweizer Firmen Weihnachten

Wegen der strengen Corona-Massnahmen haben viele Unternehmen ihre Weihnachtsfeiern abgesagt. Dabei wäre ein gemeinsames Fest jetzt wichtiger denn je. Diese Lösungen bieten sich an.

Sarah Kunz
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An Weihnachten gemeinsam essen ist in diesem Jahr unmöglich. Viele Schweizer Firmen bieten dafür eine Zusammenkunft via Videocall an.

An Weihnachten gemeinsam essen ist in diesem Jahr unmöglich. Viele Schweizer Firmen bieten dafür eine Zusammenkunft via Videocall an.

Archivbild/Rudolf Steiner

Gemeinsam anstossen, das Arbeitsjahr beim Apéro Revue passieren lassen, dem schon etwas beschwipsten Chef bei der weihnachtlichen Ansprache lauschen - Erinnerungen an die letztjährige Adventsfeier bleiben im Coronajahr genau das. Erinnerungen. Denn spätestens seit der Bund vor rund einem Monat strengere Massnahmen zur Eindämmung der zweiten Welle getroffen hatte, haben viele Schweizer Firmen ihre Weihnachtsfeiern ersatzlos abgesagt oder auf das nächste Jahr verschoben.

Aus psychologischer Sicht ist das aber nicht sinnvoll. Schliesslich ist die jährliche Weihnachtsfeier in vielen Unternehmen der Höhepunkt des Jahres. Wirtschaftspsychologe Christian Fichter sagt:

Firmenfeste sind wichtige Rituale

Menschen seien keine Roboter, die nach getaner Arbeit nach Hause gingen und sich ansonsten nicht füreinander interessierten. Im Gegenteil. Weihnachtsfeiern stärken also den sozialen Kitt zwischen den Mitarbeitern und heben die Stimmung im Team. Gerade am Ende eines schwierigen Krisenjahres sollten sich Firmenchefs deshalb eine Alternative überlegen, um ein Zeichen der Wertschätzung zu senden.

Firmen sollten Wertschätzung zeigen

Trotzdem, per Videokonferenz ist eine Weihnachtsfeier nicht dasselbe wie physisch vor Ort. Fichter sagt:

Digitale Begegnungen sind zwar effizient, aber eben auch weniger menschlich.

Er verstehe es deshalb, wenn Firmen ihre Feiern ersatzlos absagen. Dennoch erscheint es dem Psychologen ratsam, wenn immer möglich ein Alternativprogramm zu gestalten. Fichter nennt dafür als Beispiel einen virtuellen Apéro mit Ansprache der Chefin und einer Produktion des Marketingteams. «Wenn das gut gemacht ist, hebt es die Stimmung zumindest ein bisschen. Und die Firma zeigt, dass ihr das Wohlergehen der Mitarbeitenden wichtig ist.»

Damit Wertschätzung weiterhin gezeigt wird, rufen viele Schweizer Firmen ausdrücklich zu digitalen Alternativveranstaltungen auf. Meistens finden solche Anlässe in den grossen Unternehmen teamintern, im kleineren Kreis, statt. Auf grosse Feiern für alle Mitarbeitenden wird oft verzichtet.

Firmen setzen auf Zoom-Meetings und Geschenke

So haben etwa die SBB den Teamleitern verschiedene Tipps und Anregungen mitgegeben, wie sie die Nähe zu den Mitarbeitenden auch in dieser Jahreszeit pflegen können. Dazu gehören gemäss einem Sprecher Ideen zu virtuellen Weihnachtsfeiern und weitere Adventsideen. Die SBB wollen den Teams damit ein schönes Zeichen der Wertschätzung schenken, heisst es auf Anfrage. Auch Novartis oder Axa empfehlen ausdrücklich, die Feier digital durchzuführen.

Andere Firmen wie etwa die Swisscom werden sich mit einem Präsent an die Mitarbeitenden richten. Das Telekommunikationsunternehmen macht aber keine weiteren Detailangaben. Das «Gschänkli» soll schliesslich eine Überraschung bleiben. Helvetia und Helsana haben sich statt des Fests ebenfalls eine Aufmerksamkeit für die Mitarbeitenden überlegt, wollen allerdings auch keine Einzelheiten enthüllen. Bei der Post gibt es ein Geschenk, falls eine Team-Feier trotz des kleineren Rahmens nicht stattfinden kann.

Das volle Paket: SRF feiert im Frühling und verschickt Geschenke

Das volle Paket bietet das Schweizer Radio und Fernsehen. Wie ein Sprecher mitteilt, sollen die Weihnachtsveranstaltungen – sofern es die epidemiologische Lage erlaubt – im Frühling oder im Sommer 2021 nachgeholt werden. Um die Weihnachtszeit trotzdem gebührend zu feiern, empfiehlt das SRF virtuelle Treffen. Zudem erhalten alle Mitarbeitenden eine kleine Überraschung.

Bei der Migros, Coop, UBS, Swiss und der Zurich Versicherungen wurden die Weihnachtsfeiern ersatzlos abgesagt. Was mit dem budgetierten Geld geschehe, stehe noch aus. Das heisse aber nicht, dass die einzelnen Teams nicht auch virtuell zusammenkommen dürften. Die Organisation läge allerdings in deren Verantwortung. Coop stellt zudem bereits in Aussicht, dass das Festessen kompensiert werden soll.

Konkrete Ideen für eine digitale Alternative

Noch in der Planung steckt Microsoft Schweiz. Fest steht bereits jetzt, dass der Konzern eine Alternative anbieten will. Wie diese aussehen könnte, zeigt ein Blick zu den Nachbarn: Wie das Deutsche «Handelsblatt» berichtet, bietet die Deutschlandzentrale von Microsoft allen Mitarbeitenden eine halbstündige Liveschaltung an, in der das Management Dankesreden hält, aber auch lustige Anekdoten erzählen soll. Anschliessend folgen Video-Workshops in kleineren Runden zu Keksebacken, Geschenke-Einpacktechniken oder Yoga. Backkurse gibt es auch von Schweizer Anbietern. Zum Beispiel von Cailler.

Der Wunsch nach etwas Normalität in der Krise hat nun zu neuen Angeboten geführt. So buhlen eine Vielzahl von Anbietern um die Gunst der feierfreudigen Firmen. Die Schweizer Firma Home of Esports hat beispielsweise eine Online-Gameshow entwickelt für Firmen, die digitale Alternativen zur Weihnachtsfeier suchen, und die Firma Tabevents bietet analog Escape-Rooms für Gruppen ab zehn und bis zu 500 Personen an.

Immer mehr Unternehmen bieten extra für Weihnachten auch Gourmet-Geschenke für Firmen und ihre Mitarbeitenden an. Bei den Aarauer Köchen von Cookuk können Unternehmen für ihre Mitarbeitenden ein kulinarisches Dankeschön in der Form von selbstgemachten Chutneys oder Snacks bestellen, die Zürcher Jucker Farm liefert Essenspäckli nach Hause und bereits vorgekocht schicken andere Anbieter wie zum Beispiel Gourmetbox.ch ganze Menüs nach Hause. So soll in dieser trüben Zeit wenigstens der Gaumen zum Schmaus kommen.