Letzte Woche sorgten Umweltaktivisten für Schlagzeilen, als sie die Hauseingänge der UBS und Credit Suisse blockierten. Die Aktivisten warfen den Grossbanken vor, sie seien durch Investitionen in fossile Energien massive CO2-Schleudern und würden damit den Klimawandel befeuern. Die rund 100 Aktivisten stützten sich dabei auf einen Bericht von Greenpeace.

Die Umweltschutzorganisation beziffert die Investitionen, welche die UBS zwischen 2016 und 2018 in «dreckige» Unternehmen getätigt habe, auf 25 Milliarden Dollar. Bei der Credit Suisse sollen es über den gleichen Zeitraum 57 Milliarden Dollar gewesen sein.

Damit liegen die beiden Schweizer Grossbanken weit hinter den amerikanischen Konkurrenten, die laut Greenpeace zwischen 100 und 200 Milliarden in klimaschädliche Unternehmen investiert hätten.

«Schmutzige »Vermögenswerte reduziert

Gestern lud die UBS nun zu einem Mediengespräch in Zürich, in dem die Bank anderes Bild zu zeichnen versuchte. Dabei erläuterten Spezialisten die Klimastrategie des Bereichs Asset Management. Dieser bietet Dienstleistungen und Finanzprodukte für institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen an.

Michael Baldinger, zuständig für nachhaltige Anlagen, und Francis Condon, Analyst und Klimaexperte, sagten in ihren Präsentationen, dass die Bank sehr wohl darauf achte, klimaschädliche Investitionen zu reduzieren.

Kohlendioxid-relevante Vermögenswerte in ihrem Bereich seien im letzten Jahr von 6,6 auf 2,7 Milliarden Dollar gesenkt worden. Gleichzeitig sei der Anteil an nachhaltigen Anlagen von 74 auf 87 Milliarden Dollar erhöht worden.

Doch die beiden Nachhaltigkeits-Spezialisten Baldinger und Condon konnten nur für ihren Bereich, das Asset Management, sprechen, der 824 Milliarden Dollar verwaltet. Über alle Divisionen hinweg beläuft sich das verwaltete Vermögen hingegen auf weit mehr, nämlich auf über 3300 Milliarden Dollar. Es war jedoch nicht das Ziel des Mediengesprächs, eine Gesamtübersicht über den ökologischen Fussabdruck der Grossbank und der Geschäfte zu liefern, in welche die Bank involviert ist.

Methoden je nach politischer Couleur

Über die Analyse von Finanzflüssen verlässliche Zahlen über die damit verursachten Treibhausgasemissionen zu ermitteln, ist ein schwieriges Unterfangen. Methoden und Modelle gibt es zwar reichlich. Doch wird je nach politischer Einstellung diese oder jene Methode angewendet.

Zum Beispiel: Klima-Aktivisten werfen der UBS und der Credit Suisse vor, durch die Finanzierung der 47 grössten «Klimakiller-Firmen» doppelt so viele Treibhausgasemissionen verursacht zu haben wie alle Einwohner und Industrien in der Schweiz zusammen. Die UBS entgegnet, dass diese Aussage «falsch und irreführend» sei, da sie auf einer «fragwürdigen Methodik» basiere.

Die UBS-Experten Baldinger und Condon zeigten auf, dass der grösste Veränderungsdruck von den Anlegern selbst kommt. Über die letzten Monate entwickelte die Bank eine «Engagement Strategie», die im Kern beinhaltet, Öl- und Gas-Firmen sowie Energiekonzerne nicht einfach auszuschliessen, sondern sie in den Fonds unterzugewichten und gleichzeitig das Management für Klimafragen zu sensibilisieren.