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Die Swiss überflügelt alle

Das Airline-Business ist weltweit stark unter Druck geraten. Als eine der wenigen hält sich die Swiss schadlos: Sie hat so solide gearbeitet und schwimmt jetzt gar obenauf – ganz im Gegensatz zur Muttergesellschaft Lufthansa.

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Die Swiss überflügelt alle

Die Swiss überflügelt alle

Sabina Sturzenegger

Einst war die Swiss ein hässliches Entlein, das zu einem (zu) tiefen Preis unter die Flügel des stolzen Kranichs kroch. Nun ist die ehemalige Schweizer Airline flügge geworden und muss sich nicht mehr verstecken: Die Passagierzahlen der Swiss erreichten im Krisenjahr 2009 einen Höchststand. Die Airline hat 18,8 Millionen Passagiere befördert, 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Geschäftszahlen sind zudem schwarz, und sie sollen es auch 2010 bleiben.

Damit fliegt die Swiss gegen den allgemeinen Trend, welcher in der Luftfahrtbranche zurzeit herrscht: Sowohl das Swiss-Mutterhaus, die deutsche Lufthansa, als auch die meisten Konkurrenten hatten 2009 wenig oder gar nichts zu lachen. Die Lufthansa beförderte 2,6 Prozent weniger Passagiere als im Vorjahr. Global betrachtet, hat die Branche gar das schlimmste Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg hinter sich, wie die Iata, der Weltdachverband der Fluggesellschaften, angibt. Die Passagiernachfrage ist um 3,5 Prozent gesunken. Dadurch werden den Fluggesellschaften umgerechnet fast 12 Milliarden Franken verloren gehen. Für 2010 rechnet die Iata immer noch mit einem Verlust von rund 6 Milliarden Franken (vgl. Tabelle).

«Wir strecken den Kopf oben raus», bestätigte gestern Holger Hätty, Chief Commercial Officer der Swiss, bei einem Gespräch am Hauptsitz in Basel. Und er lieferte auch Gründe:

Kostenkontrolle Die deutschen Swiss-Manager lassen sich von den guten Passagierzahlen nicht blenden. Für sie ist eine strikte Kostenkontrolle ein «Dauerthema», wie Hätty sagt. Denn die Ticketpreise sind durch Billiganbieter und die Wirtschaftskrise unter Druck geraten. Die Passagiere wandern von der Business- in die Economy-Klasse ab, was sich in tieferen Erträgen niederschlägt.

Komplexitätsreduktion Das Swiss-Management will es einfach halten: Überkapazitäten werden abgebaut, so wie im letzten Herbst, als zwei Langstreckenmaschinen am Boden blieben. Auch auf eine Premium-Economy-Class nach dem Vorbild der British Airways oder der Lufthansa wolle die Swiss zugunsten einer einfachen Struktur verzichten, sagte Hätty.

Investitionen Verzichten will man aber trotz Kostenmanagement und Wirtschaftskrise nicht auf Investitionen: Wie im vergangenen Jahr will die Swiss auch 2010 rund eine halbe Milliarde Franken investieren. Ab diesem Frühjahr werden Los Angeles, Neu-Delhi, Mumbai, São Paulo wieder täglich angeflogen, und ab dem 2. Juni fliegt die Swiss von Zürich sechsmal direkt nach San Francisco.

Ausserdem wird die Flotte erneuert: Die 11 Airbus A330-200 werden durch neun des Typs A330-300 ersetzt. Ab 2014 kommt zudem auf den Kurzstrecken eine neue Serie von Bombardier-Flugzeugen zum Einsatz, die Avro-Maschinen werden ausgemustert. Und schliesslich soll man auch in der Swiss-Businessclass in Zukunft in einem Bett schlafen können.

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