Gleichstellung
Die Schweizer Wirtschaft will keine Frauenquote

Überall im europäischen Ausland werden Frauenquoten in den Verwaltungsräten börsenkotierter Unternehmen eingeführt - oder es wird zumindest darüber debattiert. Doch die Schweiz hinkt bei der Gleichstellung hinterher.

Benno Tuchschmid und Sabina Sturzenegger
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In Kaderprositionen sind Frauen nach wie vor untervertreten. (Symbolbild)

In Kaderprositionen sind Frauen nach wie vor untervertreten. (Symbolbild)

Keystone

Der Schweizerische Arbeitgeberverband wehrt sich gegen eine Frauenquote in der Wirtschaft. Zwar ist auch Geschäftsleitungs-Mitglied Ruth Derrer Balladore überzeugt, «dass gemischte Teams erfolgreicher sind». Doch eine gesetzlich festgelegte Quote geht dem Arbeitgeberverband zu weit.

Der Trend im europäischen Ausland läuft in die andere Richtung: In Norwegen müssen börsenkotierte Unternehmen im Verwaltungsrat einen Frauenanteil von 40 Prozent erreichen. In Frankreich gilt die Regelung ab 2017, auch Holland und Spanien führen in den nächsten fünf Jahren Quoten ein. Die deutsche Arbeitsministerin Ursula von der Leyen forderte Anfang Woche ebenfalls eine Quote, doch «fürs Erste» will Bundeskanzlerin Merkel davon nichts wissen.

Nicht vom Tisch

Auch in der Schweiz ist das Thema nicht vom Tisch. Voraussichtlich im Frühling kommt eine Motion der grünen Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber (ZH) in den Nationalrat. Ziel: Unternehmen mit mehr als 200 Angestellten müssen im Verwaltungsrat einen Frauenanteil von 40 Prozent haben.

SVP, FDP und CVP sind gegen diese Quote. Doch der bürgerliche Block bröckelt: «Ich bin grundsätzlich gegen Quoten, aber bei diesem Thema hat sich gezeigt, dass es nicht anders geht», sagt CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer (ZH). Es gebe in der CVP durchaus Politiker, die der gleichen Meinung seien, sagt sie, «aber wir sind noch eine Minderheit». Laut Schmid-Federer bedarf es noch grosser Aufklärungsarbeit, denn: «Viele Bürgerliche wissen nicht, dass eine Frauen-Quote die Qualität nicht senkt, sondern steigert. Das beweisen Studien.»

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