Preiserhöhung

Der Schoggi-Schock: Bei Coop und Migros wird der Glücklichmacher teurer

Schoggi ist beliebt bei kleinen und grossen Schleckmäulern – der Genuss wird aber je länger, je mehr ein teurer Spass.

Schoggi ist beliebt bei kleinen und grossen Schleckmäulern – der Genuss wird aber je länger, je mehr ein teurer Spass.

Weil die Kakaopreise stetig steigen, wird bei Migros und Coop die Tafel Schokolade teurer. Ein Ende der Rallye des Kakaopreises ist nicht in Sicht: Steigende Nachfrage und Probleme mit der Produktion lassen die Preise weiter in die Höhe schnellen.

Die Migros hat auf den 1. Juli die Preise für diverse Schoggi-Produkte erhöht: Eine 100-Gramm-Tafel Frey Mahoni zum Beispiel kostet neu Fr. 2.00 statt 1.90. Eine 400-Gramm-Tafelschokolade Noxana Fr. 7.00 statt 6.60. Und Frey Truffes Fr. 9.50 statt 8.90. Seit 2012 ist es bei der Migros der dritte Preisaufschlag im Schokoladensortiment. Bei Coop fanden ebenfalls Preiserhöhungen statt. Und auch der Premium-Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli vermeldet, dass im Februar und Juli 2014 die Preise nach oben angepasst wurden.

Der Grund für die Preiserhöhungen sind steigende Kakaopreise. An der britischen Rohstoffbörse LIFFE (London International Financial Futures and Options Exchange) erreichte der Kakaopreis diese Woche ein Drei-Jahres-Hoch. «Der Kakaopreis bestimmt den Preis einer Tafel Schokolade massgeblich mit – auch wenn es nicht der einzige Faktor ist», sagt Urs Furrer, Geschäftsführer von Chocosuisse, dem Verband Schweizerischer Schokoladefabrikanten. Je höher der Kakaogehalt einer Schokolade, desto mehr Einfluss hat der Kakaopreis.

Es wird zu wenig produziert

Die Gründe für die steigenden Kakaopreise sind vielfältig. Einerseits nimmt die Nachfrage stetig zu, weil die Schwellenländer auf den süssen Geschmack gekommen sind. Das grösste Zugpferd ist China. Das Reich der Mitte hat gemäss einer Studie von Euromonitor International massgeblich dazu beigetragen, dass der Schokoladen-Absatz in der Region Asien/Pazifik zwischen 2008 und 2013 jährlich um fünf Prozent zugenommen hat. Auch in Lateinamerika essen die Menschen immer mehr Schokolade. Dort ist Brasilien der Wachstumstreiber.

Das Angebot kommt der steigenden Nachfrage nicht hinterher – im Gegenteil: In den wichtigsten Anbauländern in Westafrika haben sich in den letzten Jahren zahlreiche Bauern vom Kakao-Anbau verabschiedet, weil sie sich von Kautschuk- oder Palmöl-Plantagen höhere Einnahmen versprachen.

Die Schokoladenhersteller klagen, dass die Anbaumethoden in Ländern wie der Elfenbeinküste und Ghana – zusammen für mehr als die Hälfte der weltweiten Kakao-Produktion verantwortlich – alles andere als optimal seien: alte, ertragsarme Baumbestände, zu kleine Plantagen und schlecht ausgebildete Bauern.

Aufgrund dieser Ausgangslage rechnen zahlreiche Schokoladenhersteller damit, dass der Nachfrageüberhang bis 2020 auf eine Million Tonnen Kakao anwachsen wird. Wächst das Gesamtmarkt-Volumen bis dann, wie allgemein angenommen, auf 4 bis 5 Millionen Tonnen, ergäbe dies eine Versorgungslücke von 20 bis 25 Prozent – das würde auch den Preis einer Tafel-Schoggi kräftig in die Höhe treiben. Hersteller und Detailhändler schliessen weitere Preisanspassungen denn auch nicht aus.

Programm für Verbesserungen

Die Schokolade-Produzenten haben auf den drohenden Versorgungsengpass reagiert. Zwölf grosse Branchenvertreter – darunter die Schweizer Unternehmen Barry Callebaut und Nestlé – haben vor zwei Monaten das Programm «Cocoa-Action» lanciert. Dieses hat das Ziel, die Kakao-Produktion in der Elfenbeinküste, dem grössten Anbauland, zu «modernisieren» und «wirtschaftlich rentabler» zu machen. Kakao soll konkurrenzfähig sein im Vergleich zu anderen Nutzpflanzen. Vom Programm profitieren sollen 200 000 ivorische Bauern – ob damit das Schlimmste verhindert werden kann, ist kaum vorhersehbar.

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