Corona-Virus

Der oberste Verantwortliche für die Landesversorgung sagt: «Die Panik an der Lebensmittelfront ist unnötig»

Die Wirtschaft verfügt über Pflichtlager mit Beständen für drei bis 4,5 Monate. (Symbolbild)

Die Wirtschaft verfügt über Pflichtlager mit Beständen für drei bis 4,5 Monate. (Symbolbild)

Nachgefragt bei Werner Meier, dem obersten Verantwortlichen für die Landesversorgung.

Nicht alleine der Bund ist dafür zuständig, dass in der Schweiz auch im Krisenfall genügend Lebensmittel auf Vorrat gelagert werden. Bund und Wirtschaft schauen gemeinsam. Verantwortlich ist der Solothurner Werner Meier als Delegierter des Bundes für wirtschaftliche Landesversorgung. Er arbeitet, entsprechend der Organisation des Amtes, teils in der Wirtschaft, teils für den Bund. «Für Nachschub ist gesorgt», sagt er.

Wie hat die Corona-Krise Ihren Alltag als Delegierter des Bundes für die wirtschaftliche Landesversorgung verändert?

Werner Meier: Seit Mitte Februar dreht sich bei mir alles nur noch um Corona. Die Kombination meiner Funktion als Delegierter für die wirtschaftliche Landesversorgung und als Krisenstabschef bei Alpiq erweist sich auch in dieser Situation als grosser Vorteil. Und sie spiegelt das System der wirtschaftlichen Landesversorgung wider: Die Verantwortung liegt bei der Wirtschaft, der Bund unterstützt. Wir sind jetzt in der Interventionsphase. Vorbereitete Massnahmen – zum Beispiel in den Bereichen Heilmittel und Logistik – werden umgesetzt.

Muss man noch schnell in die Migros oder ins Coop?

Die Panik an der Lebensmittelfront ist unnötig. Die Detailhändler verfügen über genügend Nachschub und haben mit Unterstützung des Bundes logistische Vorkehrungen getroffen, um ihre Regale wieder aufzufüllen.

Was muss man zu Hause haben?

Wir empfehlen, unabhängig von einer speziellen Lage, einen Notvorrat für eine Woche. Dazu gehören haltbare Lebensmittel, Getränke und Güter des täglichen Bedarfs. Wie gesagt: Für Nachschub ist im Detailhandel gesorgt.

Hat der Bund Lager, oder wie müssen wir uns dies vorstellen?

Die wirtschaftliche Landesversorgung ist grundsätzlich eine Aufgabe der Wirtschaft. Nicht der Bund, sondern die Wirtschaft verfügt in den Sektoren Ernährung, Heilmittel und Energie über Pflichtlagerbestände zwischen drei und 4,5 Monaten. Diese können durch den Bund bei Bedarf freigegeben werden.

Sind Sie in permanentem Kontakt mit den Grossverteilern?

Durch die erwähnte Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Staat sind in der wirtschaftlichen Landesversorgung ungefähr 250 Personen aus den relevanten Wirtschaftssektoren organisiert. Sie haben die Aufgabe, die richtigen Massnahmen für eine Mangellage vorzubereiten und – wie wir jetzt sehen – auch durchzuführen. Wir sind deshalb mit der Wirtschaft in engem Kontakt.

Grenzen werden geschlossen. Kommen genügend Lebensmittel in die Schweiz?

Die Grenzen sind mehr oder weniger geschlossen für den Personenverkehr, nicht für den Warenverkehr. Die Detailhändler haben keine Engpässe gemeldet. Wir müssen aber die Grenzschliessungen gut im Auge behalten, wichtig ist, dass die Grenzgänger passieren können, weil Betreiber von kritischen Infrastrukturen auf sie zählen.

Sie könnten die Produktion lenken und inländischen Herstellern vorschreiben, gewisse Nahrungsmittel zu produzieren. Denken Sie darüber nach?

Eine solche Massnahme ist zur Zeit nicht notwendig.

Wie lange könnten Sie persönlich zu Hause überleben?

Ich habe den von mir erwähnten Notvorrat und ergänze diesen laufend. Wir alle müssen uns nun an die vom Bundesrat beschlossenen Massnahmen halten. Es ist es unumgänglich, solidarisch zusammenzuhalten. (lfh)

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